Mit der Textunes-Übernahme hat die Buchhandelskette Thalia ihre E-Book-Strategie erweitert. Der Handel sprach mit Thalia-Chef Michael Busch über die geänderten Konsum- und ­Lese­gewohnheiten.

Der zweitgrößte amerikanische Buchhändler ­Borders musste schließen - auch weil die Internetkonkurrenz zu groß war. Hat der stationäre Buchhandel in Deutschland noch eine Zukunft?
Die veränderten Rahmenbedingungen durch Digitalisierung und Internet stellen unsere Branche vor enorme Herausforderungen. Wer erfolgreich sein will, muss sich diesen Bedingungen frühzeitig öffnen und den Markt aktiv gestalten. Die Zeiten der starken Expansion und der großen Flächen sind in Deutschland im Buchhandel sicher vorbei.

Die stationären Läden sowie unsere Buchhändler, die Kunden persönlich und kompetent beraten, bleiben jedoch eine wichtige Säule unseres Geschäftsmodells. Wir werden daher auch in Zukunft neue Läden eröffnen - aber eben sehr viel selektiver und mit kleineren Flächen, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war.
 
Bei der kürzlich vorgelegten Zwischenbilanz hat Thalia das Vorjahresergebnis recht deutlich verfehlt. Woran lag es?
Wie die gesamte Buchbranche stehen auch unsere Buchhandlungen durch die Verlagerung der Umsätze ins Internet vor einer großen Herausforderung. Eine Erweiterung der Kompetenzen in unseren Läden auf neue Sortimentsbereiche wird dazu beitragen, den Rückgang im stationären Geschäft aufzufangen. Es wird allerdings ein wenig Zeit brauchen, bis die Kunden dies verstanden und in ihrem Kaufverhalten verinnerlicht haben.

Und wie sieht Ihre Onlinestrategie aus?
Mit dem Internetgeschäft werden wir, wie bereits in den vergangenen Jahren, das zweite Standbein unserer Multichannel-Ausrichtung weiter ausbauen. Ein zusätzlicher wichtiger Brückenschlag ist dabei unser eigener E-Reader OYO, mit dem wir die stationären Läden und den Onlineshop auf eine neue Art und Weise verbinden. Bei all dem kreuzen sich Umsatz- und Ergebnisdruck in den traditionellen Kanälen mit den hohen Investitionen in die neuen Kanäle und den damit verbundenen Anfangsbelastungen, derer es bedarf, um das Multichannel-Geschäftsmodell zukunftsfähig und sicher zu machen.

Was versprechen Sie sich von Ihrem Neuerwerb, der Web-Plattform Textunes?
Durch das umfassende Wissen der Textunes-Mannschaft und das bestehende Angebot, das sie entwickelt hat, erweitern wir unsere Kompetenz im deutschen E-Reading-Markt. Zur weiteren Umsetzung unserer "Smart-Reading-Strategie" ist Textunes daher eine optimale Ergänzung.

Was heißt das genau - „Smart Reading"?
"Smart Reading" heißt für uns, dass unsere Kunden den Content frei wählen können. Aber nicht nur das: Wir möchten ihnen zukünftig auch die Wahl lassen, auf welchem Endgerät sie digitale Inhalte lesen - auch solche, die es exklusiv bei Thalia gibt. Mit der Akquisition haben wir ein beträchtliches Maß an Entwicklungs- und Markt-Know-how erworben, das speziell auf den immer schneller wachsenden Markt für Smartphones und Tablets einzahlt.

Interview: Sybille Wilhelm

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Dieses Interview ist in der Oktober-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel erschienen. Ein kostenfreies Ansichtsexemplar erhalten Sie hier.