Scheibchenweise infomiert Karstadt über seine Zukunftspläne: Erst der Aufsichtsrat, heute die Zentrale - und am Montag der Rest der Republik. Immerhin ist jetzt schon klar: Es sollen keine weiteren Filialen geschlossen werden.

Beim Umbau der Warenhauskette Karstadt will der neue Chef Andrew Jennings bundesweit alle 115 Standorte erhalten. Auf Filialschließungen werde verzichtet, bestätigte ein Unternehmenssprecher am Freitag einen Bericht der Tageszeitung "Die Welt". Karstadt betreibt derzeit 86 Warenhäuser, drei sogenannte Premium-Häuser und 26 Sporthäuser.

Der seit Jahresbeginn amtierende Karstadt-Chef hatte seine neue Strategie unter dem Titel "Karstadt 2015" bereits am Mittwoch dem Aufsichtsrat vorgelegt (per Simultanübersetzung, weil Jennings nur Englisch spricht) und war damit nach Angaben des Unternehmens auf ein positives Echo gestoßen.

"Es hat viel Applaus gegeben"

An diesem Freitag wurden zunächst rund 1.000 Beschäftigte in der Karstadt-Hauptverwaltung informiert. Am Montag soll dann der große Rest der insgesamt rund 22.000 Karstadt-Beschäftigten per Video-Botschaft Einzelheiten der neuen Strategie erfahren. Erst nach der Belegschaft soll die Öffentlichkeit über die Neuerungen informiert werden.

"Es hat sehr viel Applaus gegeben", beschrieb der Betriebsratsvorsitzende der Karstadt-Hauptverwaltung, Arno Leder, nach der Mitarbeiterinformation die Reaktion der Beschäftigten. "Alles das, was wir gehört haben, halten wir für machbar", sagte er. Es seien keine weiteren Einschnitte bei den Beschäftigten geplant. "Der Kunde steht im Mittelpunkt", sagte der Betriebsrat. Zu weiteren Einzelheiten wollte Leder jedoch zunächst keine Stellung nehmen.

Eines wurde allerdings doch bekannt: Das Modesortiment soll um einige neue Marken ergänzt werden, wie derhandel.de erfahren hat.

Flexiblere Mitarbeiter gefordert

Nach Informationen der Tageszeitung "Die Welt" will der ehemalige Woolworths-Manager Jennings "vorhandene Stellschrauben" in den Betrieben neu justieren, um Karstadt wieder zu einem "Kundenmagneten" zu machen. In den Warenhäusern solle der Einsatz der Mitarbeiter flexibilisiert und stärker am Kundenaufkommen ausgerichtet werden. Dafür sollten die Verkäufer dem Blatt zufolge auch größere Leistungsanreize erhalten.

Erst im vergangenen Monat hatte der Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen dem Unternehmen in einem Interview mit "Bild am Sonntag" bescheinigt, sich in die richtige Richtung zu bewegen. "Über einen Verkauf denke ich nicht einmal nach", sagte er. Der Milliardär hatte die Warenhauskette im Oktober 2010 nach monatelanger Zitterpartie übernommen. Das Unternehmen hatte im Sommer 2009 zusammen mit der Mutter Arcandor Insolvenz anmelden müssen.

Im Jahr 2012 läuft ein der Sanierungstarifvertrag aus, in dem sich die Mitarbeiter per Gehaltsverzicht eine dreijährige Arbeitsplatzgarantie erkauft hatten. Ab dann muss Karstadt mit 50 Millionen Euro höheren Personalkosten rechnen.