Einkaufen mit gutem Gewissen geht heute auch bei Aldi. Und wenn Fairtrade-Waren selbst beim Discounter verfügbar sind, steigen die Absatzzahlen mit solchen Lebensmitteln. Nun will sich Fairtrade-Deutschland auch im Textilhandel profilieren.

Fairtrade-Kaffee, Foto: Transfair
Fairtrade-Kaffee, Foto: Transfair
Zwar stürzt sich der Verbraucher immer noch auf die billigen Preise, gerade im Textilhandel löst eine Rabattschlacht die andere ab. Doch der nachhaltige, ethisch einwandfreie Konsum steht bei immer mehr Konsumenten im Vordergrund. Davon profitiert auch der Handel mit Fairtrade-Waren. Dabei handelt es sich vor allem um Lebensmittel, die zu Bedingungen hergestellt wurden, die den Erzeugern in der Dritten Welt bessere Einkommen ermöglichen.

Das Jahr 2014 war das beste Jahr in der Geschichte von Fairtrade-Deutschland. Insgesamt gaben die Verbraucher 827 Millionen Euro für Produkte mit dem grün-blauen Siegel aus, das sind 127 Millionen Euro als im Jahr davor, plus 26 Prozent. "Vor zehn Jahren waren es noch 58 Millionen Euro", betonte Dieter Overath, Geschäftsführer des Vereins Transfair, der das Siegel für fair gehandelte Produkte vergibt. Zwar gaben die Briten mit rund 1,7 Milliarden Euro deutlich mehr Geld aus für solche Waren, aber mit dem internationalen Platz zwei kann Overath gut leben, wie er an diesem Montag in Berlin sagte.

Geld verdienen ist nicht alles

Doch trotz Rekordzahlen blühen Fairtrade-Produkte traditionell in der Nische. Zum Vergleich: Der gesamte deutsche Lebensmitteleinzelhandel setzte 2014 rund 165 Milliarden Euro um. Freilich betonte Heinz Fuchs, Vorstandsvorsitzender von Transfair, dass Fairtrade-Handel kein Marktprojekt "sondern ein Entwicklungsprojekt" sei. Damit will er sagen: Geld verdienen ist nicht alles. Vielmehr soll den Menschen geholfen werden.

Es gibt mehrere Gründe für das gute deutsche Ergebnis. Maßgeblich ist die Öffentlichkeitsarbeit von Fairtrade-Deutschland, in die 2014 mit rund 2,2 Millionen Euro rund 40 Prozent mehr investiert wurde als 2013. Die Folge: Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Globescan kennen mittlerweile 83 Prozent der Verbraucher das Fairtrade-Siegel, "und 95 Prozent vertrauen ihm", wie Overath betont.

Kaffee, Blumen, Bananen

Der stete Erfolg des Handels mit fairen hergestellten Produkten ist letztlich auch eine Folge der immer besser werdenden Warenverfügbarkeit. Schließlich hat neuerdings auch der Discounter Aldi Süd Fairtrade-Säfte, -Honig, und -Bananen gelistet. "Das gibt uns einen Schub", sagte Overath.
Bananen zählen in Deutschland zu den Verkaufsschlagern bei fairen Produkten. 2014 wurden 51.450 Tonnen dieser Früchte abgesetzt, das sind 62 Prozent mehr als im Jahr zuvor. In Umsatzzahlen heißt das 92,4 Millionen Euro – ein Anstieg um 59 Prozent.

Verkaufsschlager ist und bleibt auch 2014 Kaffee mit nunmehr 13.020 Tonnen (plus 18 Prozent). Das Umsatzvolumen stieg hier auf 332,6 Millionen Euro, das sind 15 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Insgesamt hat Fairtrade-Kaffee allerdings nur einen Marktanteil von 2,9 Prozent.

Platz zwei der beliebtesten Produkte sind die Blumen (vor allem Rosen) mit rund 336 Millionen Stück (plus 4 Prozent) und einem Umsatzvolumen von rund 119 Millionen Euro (plus 15 Prozent).

Noch ein weiteres Textilsiegel. 

Enorm zugelegt hat auch das Segment fair gehandelter Textilien, in dem 2014 rund 7,9 Millionen Stück abgesetzt wurden – 120 Prozent mehr als 2013. Der hier erzielte Umsatz von rund 71 Millionen Euro entspricht einem Plus von 34 Prozent.

Gerade bei Textilien will Fairtrade-Deutschland Akzente setzen. "In absehbarer Zeit" soll ein eigenes Gütesiegel gelten, mit "kompletter Transparenz bei der Lieferkette", wie Overath ankündigt. Dass der Verbraucher vom nächsten Siegel im Textilhandel nicht noch mehr verwirrt wird, glaubt man bei Transfair nicht. Auch, dass im vorigen Jahr Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller das Textilbündnis gegründet hat, bei dem Fairtrade selbst Mitglied ist, hält man für unproblematisch. "Das ist alles noch verschwommen", beschrieb Vorstandsvorsitzender Fuchs den Zustand von Müllers Initiative, die bisher nur wenig bedeutende Unternehmen unterstützen.

Vor wenigen Wochen hatten sich Handel, Industrie mit dem Ministerium auf neue, allerdings moderatere Beitrittskriterien verständigt. Das ganze Projekt erweist sich als zähe Angelegenheit. Fairtrade sieht nun offenbar Chancen, sich auch als Anbieter von ethisch einwandfreier Bekleidung zu profilieren. Und gerade bei Textilien hat der deutsche Verbraucher noch Nachholbedarf.

Steffen Gerth, Berlin