Friedrich Sobol, neuer Chef der Verbundgruppe ElectronicPartner, über Umstrukturierung der Unternehmenslogistik, neue Onlinepläne sowie die Lage in der Branche.

EP-Chef Sobol, Foto: EP
EP-Chef Sobol, Foto: EP
Herr Sobol, eine Ihrer ersten Amtshandlungen als neuer Chef von ElectronicPartner war Ihr Besuch der Internationalen Funkausstellung. Welche Erkenntnisse nehmen Sie von der Messe mit?

Es gab keine überragenden technischen Innovationen, und deswegen hat die IFA der Branche kaum Rückenwind gebracht.

ElectronicPartner hatte 2012 magere 1 Prozent Umsatzzuwachs erzielt, aber das lag noch am guten ersten Halbjahr mit der Fußball-Europameisterschaft und den Olympischen Spielen als Umsatztreiber. Solche Großereignisse gab es 2013 nicht. Was erwarten Sie für dieses Jahr?
Es wird kein gutes Jahr.

Und deswegen strukturieren Sie das Unternehmen um. Von den bisher drei Lagerstandorten bleiben Augsburg und Genshagen, Düsseldorf soll zu einer Umladestation umgebaut werden.
Die fetten Jahre für unsere Branche sind vorbei, und sie kommen so schnell nicht wieder. Daher wäre es fahrlässig, nicht zu reagieren. Unsere historische Lagerhaltung nach dem Prinzip jedes Produkt an jedem Lagerstandort zu halten, war nachteilig, weil mit hohen Kosten für die vorgehaltene Ware verbunden. Es wird in Zukunft nur noch ein Produkt an einem Lagerstandort geben und dann dem jeweiligen Händler zugestellt. Für uns bedeutet dieses neue System geringere Kosten und schnellere Warenverfügbarkeit durch die tägliche Lieferung an die Händler.

Und dieser Umstrukturierung fallen 130 Stellen zum Opfer?
Diese Zahl stimmt nicht.

Um wie viele Jobs geht es wirklich?
Wir werden die Zahl nicht nennen.

Händler sind immer mehr der Innovationskraft der Industrie ausgeliefert. Zudem läuft ein Großteil des Geschäftes mit Unterhaltungselektronik, zunehmend aber auch mit Weißer Ware im Internet. Wie können die stationären Läden hier dagegenhalten?
Mit Service. Das ist der wesentliche Vorteil eines kleinen oder mittelständischen Unternehmens. Ein Fachhändler benötigt 23 Prozent Spanne, um überleben zu können. Das geht nicht mehr nur mit dem Verkauf von Ware.

Deswegen setzen Sie auf Heimvernetzung. Aber das wird nicht nur von EP seit Jahren als das große Geschäft der Zukunft angepriesen. Passiert ist wenig.
Das stimmt. Aber die technischen Angebote hierfür glichen bis vor zwei Jahren mehr einem Baukastenprinzip. Heute sind die Netzwerk und Serverlösungen deutlich besser.

Und Ihre Fachhändler sind bereit, sich damit zu beschäftigen?
Wir müssen sie dazu anspornen. Und das tun wir seit Januar mit verschiedenen Aktionen, wie aktuell einer Roadshow, mit der wir den Händlern zeigen, wie sie das Thema Heimvernetzung den Kunden näherbringen.

Und so wollen Sie sich als Marke positionieren, als großer Dienstleister? Schließlich ist Ihre Mehrmarkenstrategiemit den Fachmärkten von Medimax, dann wieder die Monomarkenkonzepte von EP etwas unübersichtlich.
EP steht für den Fachhändler vor Ort, der auch ein Servicepaket anbietet. Das sind bei uns rund 700 Mitgliedsunternehmen. Kunden, die Auswahl auf einer großen Fläche möchten, bieten wir die Medimax-Märkte. Bis Ende Januar 2014 wollen wir 125 solcher Standorte betreiben.

Die Medimax-Märkte sind aber nur im Osten Deutschlands populär.

Wir haben hier in der Tat regionale Schwerpunkte. Dieser Aufgabe müssen wir uns stellen.

Wie?
Es wird ab 2014 ein vollkommen neues Onlineportal für Medimax geben, auch bezüglich der mobilen Nutzung. Bisher sind wir mit der Seite nicht zufrieden.

Und wie sehen Ihre Onlinepläne für die Marke EP aus? Das Portal Plusanschluss.de stellen Sie wieder ein. Warum?
Plusanschluss.de war so konzeptioniert, dass über das Portal Dienstleistungen von Händlern angeboten werden sollten. Leider mussten wir feststellen, dass dieser Service von den Kunden nicht angenommen worden ist.

Im März 2014 wollen Sie ein neues Onlineangebot ans Netz bringen, wie sieht dieses Konzept aus?
Wir bieten den Endkunden auf der Seite Ep.de künftig einen umfangreichen Produktkatalog in Kombination mit einem Zubehörberater sowie entsprechenden Serviceleistungen. Die Seite des jeweiligen Händlers beinhaltet neben dem Gesamtangebot auch einen Überblick zu den Marken, die der Kunden in Läden vor Ort anschauen und ausprobieren kann. In Ergänzung dazu gibt es ab Frühjahr 2014 in Deutschland ein virtuelles Verkaufsregal für den POS. Damit kann der Händler dem Kunden via Touchscreen auf einem Quadratmeter Fläche über 6.000 Artikel näherbringen. Bisher gibt es rund 250 dieser sogenannten Virtual Shelfs in Österreich und der Schweiz.

Einkaufen ist über die neue Onlineseite auch möglich?

Nein. Über das Portal werden die Kunden zu EP-Händlern in ihrer Nähe geleitet. Wir wollen mit diesem Angebot nicht in Konkurrenz zu Onlinehändlern treten. Sondern es geht um Kunden, denen etwa Sonntagabend die Waschmaschine kaputt geht, und die wissen wollen, welcher Händler ihnen am Montag eine neue verkauft – und die alte abtransportiert. Wir glauben an lokales Onlineverhalten. Jeder Händler wird auf diesem Portal seine Unterseite bekommen, auf der er präsentieren kann, welche Ware er anbietet.

Ein EP-Fachhändler bekommt nun innerhalb von vier Jahren die dritte Onlinelösung präsentiert. Wie wollen Sie die Unternehmer dafür nochmal begeistern?

Wir haben auf der IFA mit Vertretern von mehr als 600 Mitgliedsbetrieben darüber gesprochen. Zusätzlich wurden deutschlandweit 14 Roadshows veranstaltet. Wir leisten erfolgreiche Überzeugungsarbeit.

Glauben Sie, dass einer Verbundgruppe überhaupt jemals gelingen wird, ein erfolgreiches Onlineangebot für ihre Mitglieder zu entwickeln?
70 Prozent der stationären Elektronikkunden wollen sich vorab online informieren - und deswegen müssen wir unseren Mitgliedern ihnen die Möglichkeit dafür geben.

Interview: Steffen Gerth