Die zahlreiche Insolvenzen im Handel haben auch auf dem Immobilienmarkt Spuren hinterlassen. Sinkende Mieten für Ladenlokale sind vielerorts die Folge.

Die zugeklebten Schaufenster sind ein Schandfleck im Straßenbild, über den bereits die ganze Stadt redet. Doch die Eigentümer schalten auf stur, ein Verantwortlicher ist nicht zu erreichen. "Wenn ich doch wenigstens einen Schlüssel bekommen könnte", ärgert sich Ludger Dieckhues, Geschäftsführer der Stadtmarketing GmbH Bocholt.

Seit März dieses Jahres steht das ehemalige Hertie-Haus in der Bocholter Innenstadt leer. Jeder Handels- und Immobilienfachmann weiß: Leerstehende Ladenlokale wirken wie ein böser Virus auf die Umgebung. Sie infizieren die Nachbarschaft und führen über kurz oder lang in eine unaufhaltsame Abwärtsspirale.

Wenn der umtriebigen Stadtmarketingmanager wenigstens in das Haus hinein könnte, ihm würde schon etwas einfallen, um den Anblick zu verschönern. Kunstausstellungen oder attraktive Werbeflächen könnten hier vorübergehend Platz finden.

Schwierige Nachnutzung

Hertie, Woolworth, Wehmeyer und SinnLeffers - das sind nur die großen Name auf der Liste der Insolvenzen. Die Pleitewelle im Einzelhandel hat in vielen Innenstädten Spuren hinterlassen. Nicht immer fand sich eine schnelle Lösung für die freiwerdenden Verkaufsflächen.

Insgesamt 64 ehemaligen Hertie-Häuser verkauft das Maklerunternehmen BNP Paribas Real Estate (vormals Atisreal) im Auftrag von Dawnay Day. Erst für zwölf wurden bereits neue Eigentümer gefunden, bei 52 muss sich noch ein zahlungskräftiger Investor sowie ein passendes Nachnutzungskonzept finden. Und auch für die SinnLeffers- und Wehmeyer-Filialen gibt es längst noch nicht überall einen Nachmieter.

Zwar wurden viele Wehmeyer-Läden von C&A oder TK Maxx übernommen, doch es gibt auch noch eine ganze Reihe von Problemstandorten. Noch schwieriger sieht die Situation für einen Großteil der SinnLeffers-Standorte aus. Teilweise ist die Konkurrenzsituation vor Ort so schwierig, dass keine Einzelhandel mehr in Betracht kommt.

Schlecker will einige Ladenlokale übernehmen

Bei den rund 310 Niederlassungen der insolventen Warenhauskette Woolworth wiederum, will der Insolvenzverwalter insgesamt 140 Filialen abstoßen. Die Drogeriekette Schlecker wird davon 71 der oftmals zentral gelegenen und günstig geschnittenen Ladenlokale übernehmen. Für das Unternehmen aus Ehingen kommt das Angebot gerade Recht, da für das neuen XL-Format ohnehin größere Flächen gesucht werden.

Weitere 23 Woolworth-Läden wird der Modediscounter NKD fortführen. Auch die Drogerieketten dm und Rossmann sowie der Textildiscounter KiK, Edeka und der Schuhhändler Reno haben Interesse an den Woolworth-Standorten bekundet.

Bewegung im Markt

Der im Grunde eher statische Markt für Handelsimmobilien ist in den vergangenen Monaten kräftig in Bewegung geraten. Zur Fachmesse Expo Real Anfang Oktober meldeten sich mehr Handelsunternehmen als jemals zuvor an – gegen den Trend, denn "krisenbedingt" sank die gesamte Ausstellerzahl in München. Für expandierende Handelsformate gibt es derzeit diverse neue Chancen und bei den Mieten ist viel Spielraum für Verhandlungen entstanden.

Selbst der mächtige Shoppingcenterbetreiber ECE, der mit Abstand größte Vermieter von Handelsflächen in Deutschland, ließ sich vom Textilfilialisten Zara Mietnachlässe abtrotzen. Und Media Markt sorgte schon zu Beginn dieses Jahres mit Rabattforderung für Schlagzeilen. Das Unternehmen verlangte von anlässlich des 30. Firmenjubiläums Zugeständnisse von seinen Vermieter, hieß es.

Angebot an Handelsfläche steigt

Doch nicht nur in der Liga von Zara und Media Markt, auch auf der breiten Fläche fallen die Mieten für Ladenlokale. „Durch frei werdende Kaufhausflächen und die Fertigstellung von Projekten, mit deren Bau noch in der Boomphase begonnen worden ist, steigt das Angebot an Handelsflächen bis in das Jahr 2011“, fasst eine aktuelle Studie der DG Hyp zusammen.

"Gleichzeitig ist zu erwarten, dass die Flächennachfrage leicht sinken wird", schreiben die Experten der DZ-Bank-Immobilientochter. Sie rechnen mit einem Rückgang der Mieten in den großen deutschen Metropolen um 2 bis 3 Prozent, der sich 2010 mit voraussichtlich minus 1 Prozent noch leicht fortsetzten wird.

In super Lagen geben die Preise nur moderat nach

Selbst Toplagen bleiben von dieser Entwicklung nicht verschont, allerdings geben die Preise hier nur moderat nach: Laut einer aktuellen bundesweiten Analyse des auf Handelsimmobilien spezialisierten Maklerhauses Kemper’s Jones Lang LaSalle in 185 deutschen Städten gaben die Ladenmieten in 1a-Lagen im zweiten Halbjahr 2009 um 0,5 Prozent nach. Wer als Handelsunternehmer also nach Möglichkeiten der Kostenreduzierung sucht, hat gute Chancen in einem Gespräch mit seinem Vermieter.

Für das Bocholter Hertie-Haus fand sich derweil zumindest eine Zwischenlösung: Von Oktober bis Dezember wird Michael’s Import Export, ein Handelsunternehmen aus den Niederlanden, im Erdgeschoss Weihnachtsartikel verkaufen. "Das alles ist natürlich keine endgültige Lösung, aber auf jeden Fall besser als ein ständiger Leerstand“, kommentiert Ludger Dieckhues von der Bocholter Stadtmarketinggesellschaft. Die Niederländer haben auch in die Hertie-Häuser in Herne und Gelsenkirchen für ihre Santa’s Outlet Stores angemietet.

Hanno Bender

Dieser Artikel ist der Ausgabe 10/09 des Wirtschaftsmagazins Der Handel erschienen.