In Krisenzeiten ist Bodenhaftung eine Tugend: Die Unternehmen sparen an den Reisekosten oder die Mitarbeiter dürfen gar nicht mehr weg, beobachtet Dienstleister AirPlus.

So richtig verwunderlich ist es nicht: Die Rezession hat deutliche Auswirkungen auf das Reiseverhalten von Unternehmen. Zwei Prozent der europäischen Unternehmen haben ihre Geschäftsreisen komplett eingestellt. In den Vereinigten Staaten sind es sogar 19 Prozent, hat Unternehmen AirPlus herausgefunden, Anbieter von Lösungen für das Bezahlen und Auswerten von Geschäftsreisen.

Auch grundsätzlich sind die Krisenbewältigungsstrategien Hüben anders als Drüben: Während in Europa die erste Priorität ist, die Kosten durch günstigere Flüge und Hotels zu senken und erst die zweite Priorität ist, weniger zu reisen, ist es in den USA genau umgekehrt - erst einmal sollen die Mitarbeiter weniger reisen, erst dann sollen die Kosten gesenkt werden.

Jedes fünfte Flugticket fällt weg

Was den Gesamtmarkt betrifft, zählt AirPlus in den ersten beiden Monaten des Jahres 19 Prozent weniger Flugtickets als im Vorjahreszeitraum. Der durchschnittliche Ticketpreis sank um elf Prozent im Vergleich zu den ersten beiden Monaten 2008; während im Jahr 2007 noch 15 Prozent der Geschäftsreise-Tickets in der Business Class gebucht wurden, waren es im vergangenen Jahr nur noch 13 Prozent; im gleichen Zeitraum stiegen die verkauften Economy-Tickets von 84 auf 86 Prozent. 

Auch Bahn-Tickets werden öfter nachgefragt als noch vor einem Jahr, "speziell in Ländern mit attraktiven Bahn-Angeboten für Geschäftsreisende", erläutert Patrick W. Diemer, Vorsitzender der AirPlus-Geschäftsführung.

Die gesamten Abrechnungsumsätze für Reisekosten in Deutschland liegen bei AirPlus in den ersten beiden Monaten dieses Jahres um 24 Prozent unter denen des Vorjahreszeitraums: "Dabei reduzieren kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland Geschäftsreisen weniger stark als die Großkonzerne", ist Diemers Feststellung. AirPlus hat hier zu Lande einen Marktanteil von 67 Prozent.

AirPlus wächst 2008 zweistellig

Foto: AirPlus
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2008 war auf jeden Fall ein sehr gutes Jahr für den Anbieter von Zahlungslösungen und Auswertungen von Geschäftsreisen: "Wir konnten uns wieder einmal über ein Rekordjahr bei Volumen, Umsatz und Ergebnis freuen", sagt Diemer.

Der Abrechnungsumsatz stieg abermals zweistellig und legte um 14 Prozent auf 18,1 Milliarden Euro zu (2007: 15,9 Milliarden Euro). Die internationalen Märkte trugen dazu mit einem Plus von 31 Prozent bei. Der Gewinn vor Steuern stieg um 2,2 Millionen auf 20,2 Millionen Euro.  

Kostensenkende Lösungen bringen Erfolg

Die Zahl der von AirPlus abgerechneten Transaktionen stieg im vergangenen Jahr von 93 Millionen auf 102 Millionen. Mehr als 40 Prozent der Abrechnungsumsätze im Geschäftsreise-Management kamen 2008 aus dem Ausland. Die Zahl der Kreditkarten, die AirPlus im Rahmen von Airline-Programmen abgerechnet hat, erhöhte sich auf 1.048.000.

"Die andauernde Nachfrage nach AirPlus-Know-how beim Bezahlen und Auswerten von Geschäftsreisen belegt, dass neben einem globalen Produktangebot vor allem Investitionen in kostensenkende Lösungen die richtigen Erfolgsfaktoren sind", ist der Geschäftsführer überzeugt.

Erste Reisestellenkreditkarte in China

Zu den Aussichten für das diesjährige Geschäft will der Geschäftsreisemanager keine Angaben machen. Doch grundsätzlich ist er für das eigene Geschäft optimistisch: "AirPlus gewinnt vor allem in internationalen Märkten Kunden. Diese Marktanteilsgewinne fangen Rückgänge bei Bestandskundenteilweise auf", sagt Diemer.

Vielversprechend sei auch der Auftakt in China gewesen, wo AirPlus der erste und bislang einzige Anbieter einer Reisestellenkarte sei.