Schön kochen, schön essen, mit Lust grillen: Die Deutschen haben neue Leidenschaften. Davon profitiert der Fachhandel für solche Produkte. Allerdings hat die Branche auch ihre Sorgen mit den Herstellern.

Als Thomas Grothkopp am ersten Tag der Konsumgütermesse "Ambiente" über das Ausstellungsgelände in Frankfurt lief, genoss er eine durchweg positive Stimmung. Und das ist für den Geschäftsführer des Bundesverbandes für den gedeckten Tisch, Hausrat und Wohnkultur (GPK) ein gutes Signal für das laufende Jahr. Denn wenn die GPK-Branche auf ihrer Leitmesse optimististisch ist, dann kann 2016 nur gut werden.

Doch erst einmal blickte der Verband an diesem Freitag auf ein mehr als zufriedenstellendes Jahr 2015 zurück. Der Branchenumsatz für Tisch- und Küchenausstattung stieg im Vergleich zu 2014 um 4,6 Prozent auf 6,143 Milliarden Euro. Getrieben wurden diese Zahlen durch Elektrokleingeräte, deren Umsätze um 11,2 Prozent anstiegen. Auch die stetig wachsende Produktvielfalt beim Dauermodethema Grillen beschert der Branche gute Zahlen; hier haben sich die Umsätze in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht auf nunmehr 1,1 Milliarden Euro.

Hersteller bereiten den Händlern Sorgen

Klingt schön und gut, allerdings macht der GPK keine Angaben zu den Ertragszahlen. Wenn der Verbandspräsident Gerald Funk hier sagt, dass es mit den Erträgen "jedes Jahr schwieriger wird", lässt sich heraushören, dass die Branche einige Arbeit hat, die Zukunft zu meistern. Gewiss, die Geschäfte leben von Trends wie Smoothie-Herstellung, was neue Geräte benötigt. Und das Thema Kochen und Essen ist ohnhin deutschlandweit ein Renner. Bei 1,5 Milliarden Euro Umsatz liegt der Markt für so genannte Tischkultur, wie Glas, Besteck und Geschirr.

Doch zwei Herausforderungen machen dem Handel zu schaffen: Immer mehr Hersteller bieten ihre Produkte per Direktvertrieb auf eigenen Websites an, teilweise auch unter der eigenen Unverbindlichen Preisempfehlung (UVP). Laut GPK erzielen Hersteller in einzelnen Onlinebereichen 10 Prozent des Marktumsatzes mit eigenen Shops. Grothkopp sieht hier Diskussionsbedarf.

Geht es dem Textilhandel schlecht, leiden viele darunter

Zudem spüren die Fachhändler den Frequenzrückgang in den Innenstädten. Gerade in diesem Winter, als wegen der milden Temperaturen die Kunden es nicht nötig hatten, sich neue warme Kleidung zu kaufen. Das hat zwei Effekte: Die Modeläden bleiben auf ihrer Ware sitzen. Zudem ist der Textilhandel eine "Leitbranche für die Frequenz in der Innenstadt", wie es GPK-Vizepräsient Hermann Hutter formuliert. Will sagen: Wenn die Kunden keine Lust mehr auf Mode haben, deswegen daheim bleiben, leiden auch die anderen Handelssegmente darunter.

Gleichfalls sieht der Verband die Branche unter Druck, sich den veränderten Kaufgewohnheiten der Menschen anzpassen. "Wir müssen mehr auf die Kunden zugehen und Erlebnisse schaffen", sagt Hutter, der in Günzburg ein Geschäft betreibt. Multichannel, Click&Collect, Beacon-Technologie gehören auch für Hutter zu den Themen, mit denen sich seine Branche beschäftigen muss.

Was vielen Geschäften noch fehlt, ist die "verlängerte Ladentheke", wie es GPK-Präsidiumsmitglied Christina van Dorp formulierte. Also die Verknüpfung von Warenverfügbarkeit im Laden mit einem Zentrallager, von wo aus der Kunde wahlweise direkt beliefert wird, oder die Waren im Geschäft abholen kann.

Fachhhandel prägt den Markt

Schon 12 Prozent beträgt der Onlineanteil am Gesamtmarkt - die Direktvertriebe der Hersteller sind hier mit eingerechnet. Das Gros des Tisch- und Küchenausstattungsmarktes wird hingegen noch vom Fachhandel dominiert, der laut GPK 37 Prozent Anteil hat. Dem Möbelhandel werden 12 Prozent Anteil zugeschrieben, ebenso Lebensmittelhandel und Discounter, knapp dahinter die SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte (11,5 Prozent). Karstadt, Kaufhof und die inhabergeführten Kaufhäuser als überwiegende Kooperationspartner der Verbundgruppe EK/Servicegroup kommen laut GPK auf 9,5 Prozent Marktanteil. Immer weniger Bedeutung haben die Factory Outlet Center, heißt es weiter.

Schwer tut sich der GPK bei einer genauen Zahl der existierenden Fachgeschäfte in Deutschland. Grund seien hier die ineinanderfließenden Sortimente aus Küchen- und Haushaltswaren, wie es Geschäftsführer Grothkopp beschrieb. Daher sein eine klare Definition der Läden schwer. Für 2016 erwartet der Verband ein gutes Jahr, und das ist es schon, wenn die Branche auf dem Niveau von 2015 bleibe, wie es Grothkopp ausdrückte. "Dann sind wir schon sehr gut."