Der Mittelstandsverbund hat einen neuen Präsidenten: Günter Althaus. Dieser erklärt die Digitalisierung zum zentralen Thema. In der Tat kämpfen erstaunlicherweise immer noch viele Unternehmer mit "dem Internet".

Der Mann der Schuhe hat einen neuen Posten: Günter Althaus, Vorstandsvorsitzender der ANWR Group, löst Wilfried Hollmann als Präsident des Mittelstandsverbundes ab. Der 66-jährige Noweda-Chef Hollmann hatte das Präsidialamt neun Jahre lang inne.

"In Fortsetzung der Präsidentschaft von Wilfried Hollmann wünsche ich mir einen Verband, der auf seine Mitglieder zugeht, zuhört, aber auch erklärt, zeitgemäß digital informiert und kommuniziert und zugleich die Stärke der persönlichen Verbindung von Unternehmerpersönlichkeiten nutzt", erklärte Althaus nach seiner Wahl durch die Mitgliederversammlung des Verbundes. Diese sprach dem 48-Jährigen einstimmig das Vertrauen aus. Althaus leitet die ANWR Group seit 2009, diese gilt als eines der größten Kooperationssysteme mit Schwerpunkten im Schuh- und Sporthandel in Europa.

Digitalisierung treibt Händler um

In den Fokus seiner Präsidentschaft stellt Günter Althaus die Digitalisierung des Mittelstandes. "Wir müssen in den nächsten Jahren die zentralen Herausforderungen für unsere Mittelständler benennen, Lösungen erarbeiten und mit Hilfe der Politik geeignete Rahmenbedingungen für deren Umsetzung schaffen", appellierte er an die Mitglieder des Mittelstandsverbunds.

Dass das Thema Digitalisierung die Händler umtreibt, war auch auf dem diesjährigen Mittelstandsgipfel "Peak" des Verbands deutlich zu spüren, der unter dem Motto "Verbund 4.0 – Turbo für den Mittelstand" stattfand.

„Dieser Tsunami ist nicht zu stoppen“, sagte Rewe-Chef Alain Caparros zum E-Commerce. "Die Frage ist nicht, ob wir das gut oder schlecht finden, sondern wie wir mit dem Thema umgehen werden." Händler müssten den virtuellen Raum Internet mit ihrem Geschäftsmodell erschließen: "Wir wissen nicht, wohin und wie schnell der Zug fährt, aber wer nicht drin sitzt, hat ein Problem."

“Nicht jeder Euro bringt sofort einen Ertrag“

Nicht nur Caparros, auch andere Sprecher auf dem Kongress warnen: Wer in Digitalisierung investiert, darf dabei nicht sofort Rendite erwarten. "Nicht jeder Euro, der in die Digitalisierung gesteckt wird, muss direkt einen Ertrag im stationären Handel bringen", sagt Caparros. Er höre von vielen Händlern, man verpulvere Geld, ohne zu wissen, wo die Reise hingehe. "Stellt man den Mitgliedern ein Lager für viele Millionen hin, sind sie glücklich. Investiert man 5 Millionen Euro in eine Onlineplattform, hat man eine lebhafte Generalversammlung, weil die Mitglieder keinen direkten Effekt sehen", sagt auch Kim Roether, Geschäftsführer der Intersport Deutschland eG. Diese Denkweise sollten die Unternehmer ablegen.

"Das Onlinegeschäft ist ein harter Wettbewerber, der vor allem junge Kunden abzieht", betont Roether. "Um diese Zielgruppe wieder zu erreichen, müssen neue Wege gegangen werden – und das kostet", sagt Caparros. Das Massengeschäft im stationären Handel sei vorbei, der Kunde sei nicht mehr Kunde, sondern Gast. Also müsse Kundenservice und die Qualität des Beratung neu definiert werden, Vorbild sei durchaus Amazon.

Endlose Weinregale im Onlineshop, Platz auf der Fläche

Die Rewe Group hat laut ihrem Chef in den vergangenen fünf Jahren fast 8 Milliarden Euro in die Digitalisierung investiert. Im Lauf der vergangenen zwei Jahre hat das Unternehmen 500 neue Mitarbeiter, vorwiegend sogenannte Digital Natives eingestellt. Einen Seitenhieb auf die Konkurrenz kann sich Caparros an dieser Stelle nicht verkneifen: "Was bleibt uns auch anderes übrig, wir dürfen kein Geschäft übernehmen,  und müssen andere Wege gehen", seufzt er mit Blick auf die Ministererlaubnis für den Zusammenschluss von Kaiser's Tengelmann mit Edeka.

Die Fragestellung sei immer, wie die digitale Welt einen positiven Beitrag im stationären Handel leisten könne. Er sehe das beispielsweise bei Wein: "Auf 2.000 Quadratmeter kann es keine endlosen Weinregale geben, online jedoch schon."

"Die Verbundgruppe muss viel tun, um Turbo zu sein an dieser Stelle", sagt auch Intersport-Chef Roether. Seine Gruppe baut derzeit die eigene Online-Plattform zu einem kooperativen Marktplatz um, in die die Mitglieder Ware einbringen können.

Die eigenen Mitglieder von den neuen Prozessen zu überzeugen, das scheint dabei die größte Herausforderung zu sein – immer noch. Und das geht nicht nur den großen Verbundgruppen so, auch die Vertreter kleinerer Genossenschaften berichten von Widerstand bei ihren Mitgliedern.  Wer nicht auf den Zug aufspringt, dürfte einer schweren Zukunft entgegenblicken.

Den diesjährigen Kreativpreis des Mittelstandsverbundes, der für erfolgreiche Intergrationskonzepte von Flüchtlingen ausgeschrieben war, erhielt die Berliner Nahkauf Michael Lind oHG, ein Mitglied der Rewe Group. Deren Initiative "Miteinander der Kulturen" machte das Rennen.