Das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) zeigt im aktuellen "Trendradar", worauf sich Händler in Zukunft einstellen müssen.

Laut GDI kaufen die Konsumenten bewusster ein und fordern Exklusivität und Authentizität. Hier einige der wichtigsten Trends:

Ökologie: Von grüner Welle zu grüner Verwirrung

Bis jetzt war alles ganz einfach: «Bio», «regional» und «natürlich» garantieren gesunde, qualitativ hochwertige und umweltschonende Produkte. Deshalb gaben bewusste Zeitgenossen immer mehr Geld aus für lokal und ökologisch Hergestelltes, deshalb verschmähten sie genetisch veränderte Nahrungsmittel.

Nun werden jedoch Stimmen laut, die dem «bewussten Konsum» misstrauen. Denn manche Agrarprodukte aus der Ferne verursachen  weniger CO2-Emmissionen als ihre Pendants aus der Nähe. Auch könnte dank genetisch veränderten Pflanzen der Einsatz von Dünger vermindert werden. Und dicht gebaute Städte sind viel energieeffizienter als die verstreute Einfamilienhäusersiedlung der Vorstädte. So wird, was heute als naturbewusster Lebensstil gilt, von Experten zunehmend in Frage gestellt.

Exklusivität: Von mehr für weniger zu weniger für mehr

Die Verknappung des Angebots spielt in einer wachsenden Zahl von Member-Only-Clubs und -Shops sowie bei Konzerten und Fussballspielen, die immer mehr zu VIP-Veranstaltungen werden, eine Rolle. Selbst H&M und Gap bieten limitierte Kollektionen an, derweil das Modelabel "Clemens en August" seine Kreationen nur zwei Mal im Jahr für jeweils drei Tage in ausgewählten Galerien und Museen präsentiert und verkauft. Exklusivität ist ein hohes Gut.

Einzelhandel: Von Wal-Mart zu Small-Mart

«Big Boxes» waren lange das Erfolgkonzept von Handelsriesen wie Walmart oder Tesco. Doch jetzt kommen die grossen Super- und Verbrauchermärkte auf der grünen Wiese unter Druck. Steigende Benzinpreise, veränderte Einkaufsgewohnheiten und der wachsende Kundenwunsch nach übersichtlicheren Angeboten setzen ihnen zu. Die Zukunft gehört laut GDI kleineren Vertriebskonzepten.

Technologie: Von Window- zu Geo-Shopping

Es bahnt sich eine technologische Entwicklung an, die unser Verhältnis zueinander und zu allen Dingen um uns radikal verändern wird: «Hyperlocality», bei der alle Geräte und Objekte vernetzt und örtlich lokalisierbar sind.

In naher Zukunft wird ein Großteil der Objekte um uns herum mit RFID- und GPS-fähigen Computerchips versehen sein und dadurch "anklickbar": Informationen zum Kinofilm auf einer Plakatwand? Kooaba.com verknüpft Handyfotos mit einer Bilderkennung für Filmplakate und bietet Hintergrundberichte und Trailern. Das hübsche Kleid einer Passantin? Klick, und wir erhalten Marke, Preis und lieferbare Farben. Ein weiterer Klick löst die Bestellung aus. Geo-Shopping: Der Laden kommt zum Kunden. Hyperlocality verwandelt die ganze Welt in eine riesige Shopping-Zone.

Konsum: Vom Preis- zum Wertevergleich

Das Vergleichen gehört heute dank Preissuchmaschinen zur Einkaufsroutine. Doch der Preis allein reicht nicht mehr, Produkte müssen auch gesund, nachhaltig und fair sein. Die Kaufentscheidung wird dadurch komplexer: Was ist besser, Biotreibstoff für mich oder günstige Grundnahrungsmittel für alle? Biozucht- oder Wildfang-Fisch? Für diese komplexeren Entscheidungen müssen auch die Vergleichsdienste komplexer werden. Ihre nächste Generation wird darum nicht nur zeigen, was billiger ist, sondern auch gesünder, besser für die Umwelt und für die Gemeinschaft.

Wissenstransfer: Von Mutter zu mutter.com

Arbeitstätige Mütter und immer günstigere Fertigungsmethoden haben ein unerwartetes Vakuum geschaffen: Sie gefährden den generationenübergreifende
Wissenstransfer von Traditionsrezepten und handwerklichem Know-How wie Strickanleitungen.

Dabei wächst schon seit einer Weile die Sehnsucht nach Kniffen aus Grossmutters Zeiten und Tricks aus Mutters Küche. Das haben verschiedene Anbieter erkannt und bieten uns, was wir von unseren eigenen Grossmüttern nicht mehr mit auf den Weg bekommen. «Mutterland» in Hamburg versorgt uns mit «traditionellen Königsberger Klopsen». Auf Portalen wie «Netgranny» stricken Grossmütter Socken gegen Geld. So unterstützt ausgerechnet das neuzeitliche Web 2.0 die Renaissance altmodischen Kunst- und Kochhandwerks und hilft, Traditionen zu bewahren.

Mehr Trends unter auf der Homepage des GDI.