Bis zum letzten Moment wird um das Schicksal der insolventen Warenhauskette Karstadt gepokert. Die wichtigsten Fragen zum Drama des Traditionskonzerns.

Welche Bedingungen müssen noch erfüllt werden, damit der von Karstadt-Investor Nicolas Berggruen vor knapp drei Monaten unterzeichnete Kaufvertrag in Kraft treten kann?

Alle Bedingungen mit einer Ausnahme sind bereits erfüllt. Offen ist lediglich die Einigung mit dem Karstadt-Vermieter Highstreet über die von Berggruen geforderten Mietsenkungen. Bis Donnerstag um Mitternacht muss Berggruen bei einem Notar angeben, ob diese Bedingung erfüllt werden konnte. Beobachter schließen jedoch nicht aus, dass diese Frist notfalls auch um einige Stunden überzogen werden könnte.

Warum ist die Einigung mit dem Vermieter Highstreet so schwierig?

Durch den Kauf von 86 der 120 Karstadt-Häuser ist der Immobilienfonds hoch verschuldet. Kommt es zu den von Berggruen geforderten Mietsenkungen, müssen auch die Renditen der zahlreichen Highstreet-Gläubiger gekürzt werden. Bislang waren für die von Karstadt wieder zurückgemieteten Warenhäuser nach Ansicht von Berggruen zu hohe Mieten gezahlt worden. Im Bieterrennen um Karstadt war Highstreet zudem mit einem eigenen Angebot nicht zum Zuge gekommen und hatte eine Niederlage gegenüber Berggruen einstecken müssen.

Welche Rolle spielt Maurizio Borletti?

Der italienische Warenhausbetreiber hat sein Angebot für Karstadt erst nach der Unterzeichnung des Kaufvertrags durch Berggruen vorgelegt. Borletti ist selbst an dem Immobilienkonsortium Highstreet beteiligt. Mit seiner Offerte von 100 Millionen Euro für Karstadt liegt er um 35 Millionen Euro über dem Angebot von Berggruen.

Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg hat jedoch mehrfach betont, an dem Vertrag mit Berggruen gebunden zu sein. Zusammen mit der Kauf-Offerte hat Borletti dem Insolvenzverwalter alternativ auch ein Kreditangebot über 100 Millionen Euro vorgelegt. Nähere Angaben zu den Konditionen eines solchen Kredits machte er allerdings nicht.

Was passiert, wenn bis zum Gerichtstermin am Freitagvormittag keine Einigung erzielt werden kann?

Das kommt darauf an, ob das für die Bestätigung des Insolvenzplans zuständige Gericht dann noch Chancen auf eine Einigung sieht. Wenn es nur noch um letzte Abstimmungen gehen sollte, könnte das Gericht den Termin ein weiteres Mal bis Anfang oder Mitte kommender Woche verschieben. Mehr ist nicht drin, da bis zu der vorgesehenen Aufhebung des Insolvenzverfahrens zum 30. September noch Fristen eingehalten werden müssen.

Was passiert, wenn das Gericht keine Chance auf eine Einigung zwischen Highstreet und Berggruen mehr sieht?

Dann kann der Kaufvertrag nicht wirksam werden. Damit wird eine wesentliche Bedingung des Insolvenzplans nicht erfüllt und Karstadt droht die Zerschlagung. Insolvenzverwalter Görg hat bereits angekündigt, dem Karstadt-Gläubigerausschuss ein entsprechendes Szenario vorlegen zu wollen. Heftig umstritten ist dabei, ob Borletti dann doch noch zum Zuge kommen könnte. Das letzte Wort haben die Karstadt-Gläubiger.