Als ob es keine Wirtschaftskrise gäbe, wächst Tengelmann. Der Handelskonzern erzielt 2008 ein Umsatzplus von 6 Prozent. Erfolgreichste Tochter des Unternehmens ist der Textil-Discounter Kik.

Der Handelskonzern Tengelmann gehört mit seinem Angebot an Heimwerkerbedarf, Billigbekleidung und Lebensmitteln zu den Gewinnern der Wirtschaftskrise. Der Geschäftsführende Gesellschafter, Karl-Erivan Haub, berichtete am Donnerstag von einem abgeschwächten, aber anhaltenden Wachstum.

Im Rumpfgeschäftsjahr 2008 (Mai bis Dezember) war der Umsatz der Tengelmann-Gruppe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um gut 6 Prozent auf 12,36 Milliarden Euro geklettert.

30 Prozent Eigenkapitalquote

Herausgerechnet ist dabei das Deutschland-Geschäft des Lebensmitteldiscounters Plus, das Anfang 2009 von Edeka übernommen wurde. Zu Tengelmann gehören die Obi-Baumärkte, der Textilhändler Kik und die Supermärkte Kaiser's Tengelmann. Europaweit beschäftigt der Konzern rund 84.000 Mitarbeiter in 4.357 Filialen.

"Diese Krise wird Tengelmann nicht umhauen", sagte Haub. Im Gegenteil, die Gruppe sei gut aufgestellt, sagte der Unternehmenschef und hob die Eigenkapitalquote von Tengelmann von über 30 Prozent hervor.

Obi profitiert von der neuen Lust auf Zuhause

Die führende deutsche Baumarktkette profitiere davon, dass die Menschen in Krisenzeiten wieder verstärkt ihr Zuhause entdeckten. Der Obi-Umsatz stieg im Rumpfgeschäftsjahr 2008 um 5,3 Prozent auf rund 4,2 Milliarden Euro. Die Baumarktkette ist noch in zwölf weiteren europäischen Ländern vertreten.

Im Unterschied zu vielen anderen Bekleidungshändlern sei die Tengelmann-Tochter Kik nicht in der Krise. Der Textil-Discounter steigerte im Berichtszeitraum seinen Umsatz um 7 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. "Unser Kundenversprechen 'Einkleiden für unter dreißig Euro' passt bestens in die heutige Zeit", betonte Haub.

Keine Zeit für Zukäufe

Die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann legte beim Umsatz um 3 Prozent auf 1,73 Milliarden Euro zu. Die Supermärkte hätten wegen hoher Investitionen leicht rote Zahlen geschrieben. Von den 700 Filialen seien bislang knapp 190 auf ein neues Konzept mit mehr Frischwaren umgestellt worden, das sehr gut ankomme.

Tengelmann schaue sich zwar hier und da Kaufgelegenheiten an, plane derzeit aber keine größere Übernahme. "Das ist nicht die richtige Zeit, Zukäufe zu tätigen", schilderte der Konzernchef. Das Familienunternehmen agiere in der Krise vorsichtig und habe den Kreis seiner Banken verdoppelt, um Geld breiter anzulegen.

Filialschließungen bei Tengelmann möglich

Haub wies erneut Spekulationen zurück, dass sich das Familienunternehmen von seiner deutschen Supermarktkette trennen könnte. Richtig sei, dass interne Abläufe bei Kaiser's Tengelmann überprüft werden.

In Einzelfällen seien auch Filialschließungen möglich, gleichzeitig würden auf der anderen Seite aber auch neue Supermarktfilialen eröffnet. "Wer jetzt die Zeit nicht nutzt, Strukturen und Abläufe zu optimieren, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt", betonte Haub.

dpa/DH