Statt den Blick immer ins Silicon Valley, nach London oder Berlin zu richten, lohnt es sich manchmal, eine ganz andere Ecke der Welt zu ergründen - zum Beispiel Indien. Auch dort gibt es schnell wachsende E-Commerce-Startups, die vielleicht die ein oder andere Inspiration liefern. Indien ist aber auch für große westliche Unternehmen ein heiß begehrter Markt: Große Player stecken dort gerade viel Geld hinein. 

Flipkart - Indiens Nummer 1

Flipkart, gegründet  2007, gilt als das Amazon oder Alibaba Indiens und bezeichnet sich selbst als einen "Online Megastore". Das Prinzip ähnelt in der Tat sehr jenem von Amazon. Flipkart verkauft - auch über die App - alles von Elektronik über Bücher bis hin zu Kleidung. Außerdem gibt es einen Marktplatz für Händler, die Flipkarts Plattform für ihren Verkauf nutzen können. Im letzten Jahr ist in die E-Commerce-Plattform mit etwa 20.000 Mitarbeitern und über 26 Millionen registrierten Nutzern ordentlich Geld geflossen: Im Mai waren es 210 Millionen Dollar, im Juli 1 Milliarde Dollar und vor Weihnachten nochmal 700 Millionen Dollar. Insgesamt haben Investoren rund 2,5 Milliarden Dollar in Flipkart gesteckt. Der Wert wird auf 10 Milliarden Dollar geschätzt - und das, obwohl der E-Commerce-Riese 120 Millionen Dollar Verlust gemacht hat bei einem Umsatz von 507 Millionen Dollar. Über einen Börsengang wird außerdem schon einige Zeit spekuliert. 

Snapdeal - Flipkarts Konkurrent

Snapdeal ist drei Jahre später an den Markt gegangen und ist derzeit mit etwa 4.000 Mitarbeitern die Nummer 2 unter den E-Commerce-Plattformen in Indien. Allerdings ist der Abstand zu Flipkart - noch - ziemlich groß. Die Investitionssumme beläuft sich auf 1,1 Milliarde Dollar, also noch nicht einmal die Hälfte von Flipkarts Finanzierungsrunden. Aber Snapdeal, immer auf der Suche nach den besten Preisen, befindet sich auf der Aufholjagd. 25 Millionen Nutzer hat der Marktplatz inzwischen. Aktuell wird darüber spekuliert, ob Snapdeal in Kürze eine Finanzierungsrunde über 1 Milliarde Dollar abschließen wird, darunter mit Foxconn als Investor, das weltweit wichtigste Zulieferunternehmen für große Smartphonehersteller. Es war sogar im Gespräch, dass Alibaba Snapdeal aufkaufen könnte. Der Deal scheint allerdings geplatzt zu sein, weil Snapdeal seinen Wert höher einschätzt (6-7 Millarden Dollar) als Alibaba bereit wäre zu zahlen (4-5 Milliarden Dollar). Der Online-Marktplatz eBay hat schon einen dreistelligen Millionenbetrag in Snapdeal investiert. Auch hier wird über schon länger über eine Übernahme spekuliert. Das Potential ist also riesig. 

One97 / Paytm - Mobile first

One97 Communications ist das schon im Jahr 2000 gegründete und 2.000 Mitarbeiter starke Unternehmen hinter dem mobilen Schnäppchen-Marktplatz Paytm. Dort können Kunden Waren jeglicher Art kaufen. 15.000 Händler sind dort vertreten. Das Besondere: One97 entwickelt auch Mobile-Marketing- und Mobile-Payment-Lösungen. Rund 20 Millionen Nutzer hat die Paytm-Mobile-Wallet; 100 Millionen sollen es bis 2016 werden. Die Mobile-Ausrichtung findet sich natürlich auch auf der Plattform Paytm wieder. Alles ist auf Mobile ausgerichtet. Schon auf der Startseite kann der Kunde direkt sein Guthaben für die hauseigene Mobile Wallet aufladen. Alibaba ist am Jahresbeginn mit 575 Millionen Dollar ins Geschäft eingestiegen. Gemeinsam will man Alibabas Kredit-Business nach Indien transportieren.