Touchscreens und Flugzeugsitze: Computergestützte Anwendungen im Verkaufsraum steigern die Servicequalität. Ein Rundgang durch den neuen, prämierten Media Markt in München.

Die moderne Technik ist erklärungsbedürftig: Wer eine Druckerpatrone braucht, sich einen neuen Fernseher kaufen will oder ein altersgerechtes Videospiel für sein Kind sucht, ist ziemlich schnell überfordert. Dabei können Händler die moderne Technik nutzen, um die moderne Technik zu erklären.

Der im Mai 2009 eröffnete Media Markt im Münchener Stadtteil Haidhausen hat dies nach Meinung der "Visual Merchandising Initiative" (VMI) vorbildlich umgesetzt: Die mit 10.000 Quadratmetern Verkaufsfläche derzeit größte Filiale des Elektronikhändlers wurde kürzlich für ihren Einsatz digitaler Medien zur Verkaufsförderung mit dem "VMI Shop Award" ausgezeichnet. Die Redaktion von Der Handel hat sich in München umgeschaut und stellt einige der innovativen Verkaufshilfen vor.

Interaktive Kinderwelt

"Wir wollen den Kunden zur Interaktion anregen", fasst André Fourie, bei der Media-Markt-Gruppe verantwortlich für die Optimierung am Point of Sale (POS), das grundsätz­liche Konzept für den Einsatz digitaler Medien im Verkaufsraum zusammen. "Somit wird der Einkauf nicht nur zum Erlebnis, sondern wir können auch die Servicequalität deutlich steigern."

Besonders stolz ist der Manager deshalb auf die unter pädagogischen Aspekten konzipierte Kinderwelt in dem Münchener Flagship-Store, die sich - anders als man vermuten könnte - an Kunden aller Altersklassen wendet.

"Die Kinder sollen spielerisch und intuitiv an die zu ihrem jeweiligen Alter passenden Medien herangeführt werden", erläutert Fourie. "Aber wir wollen auch die Eltern und Großeltern stärker in den Verkauf einbeziehen und sie bei ihrer Entscheidungsfindung kompetent unterstützen."

Dazu bieten sich seiner Meinung nach interaktive Terminals hervorragend an: Über ein einfach zu bedienendes Menü kann sich der Kunde per Touchscreen beraten lassen, welche Computer- und Videospiele für Kinder in der jeweiligen Altersgruppe pädagogisch wertvoll sind.

Spielothek für Senioren und Frauen

"Die Erwachsenen erhalten außerdem gezielte Informationen zum Umgang mit den modernen Medien, Empfehlungen über die Begrenzung von Spielzeiten und natürlich auch Preise und Aktionshinweise", nennt Fourie weitere Beispiele für den Einsatz der digitalen Verkaufshilfen.

Die interaktive Lösung, die Media Markt selbst entwickelt hat, ist an das Warenwirtschaftssystem angebunden. Wenn ein Hersteller ein neues Produkt auf den Markt bringt, können die für die Kinderwelt aufbereiteten Informationen in die Software eingepflegt werden und stehen somit auch den Kunden schnell zur Verfügung.

In der Filiale kann der Kunde sich nicht nur an verschiedenen Bildschirmen über Videospiele informieren und sich in Filmen anschauen, wie sie funktionieren, sondern diese natürlich auch testen. Für die neue Generation interaktiver Videospiele, die inzwischen neben den klassischen "Daddlern" auch neue Zielgruppen wie Frauen und Senioren ansprechen, hat der Händler eine großzügig bemessene eigene Spielothek eingerichtet.

Musik hören auf dem Flugzeugsitz

So lädt beispielsweise die Playstation-Software "Guitar Hero" zum Gitarrespielen ein, Wii-Spieler können den Tennisschläger schwingen und X-Box-Fans in Cockpitsesseln virtuelle Autorennen fahren. Damit Jugendliche nicht auf dumme Ideen kommen, werden die Konsolen allerdings erst nach Schulschluss freigeschaltet.

Neben ein paar Wandmetern mit Kopfhörern, die Kunden klassisch auf Her(t)z und Nieren testen können, gibt es im Münchener Media Markt auch die Möglichkeit, den individuell passenden Kopfhörer für eine Reise auszuwählen. Dazu hat der Händler drei Flugzeugsitze aufgebaut, in denen die Kunden Platz nehmen können, um an einem Touchscreen ein Musikstück auszuwählen.

Der Clou sind die zuschaltbaren Außengeräusche: Neben den Sitzen sind entsprechende Lautsprecher angebracht, die typische Umgebungsgeräusche etwa von Flugzeugen oder der Bahn simulieren.

Mit Druckerpatronen ist es wie mit Staubsaugerbeuteln: Jeder Hersteller kocht sein eigenes Süppchen. Entsprechend unübersichtlich ist eine umfangreiche Warenpräsentation im Einzelhandel.

Passenden Bildschirm finden

Media Markt löst dieses Problem, indem der Kunde auf einem zentralen Touchscreen den Namen seines Druckers eingeben kann und dann die dazu passenden Druckerpatronen angezeigt bekommt: Als Zahl einer fortlaufenden Nummerierung, die auf den Preisschildern am Regal angebracht ist - und somit nicht mit der Nummerierung der Hersteller kollidiert. 

Den einen passenden PC-Bildschirm gibt es nicht: Während der eine Anwender den Computer überwiegend für Multimedia-Anwendungen nutzt, reicht dem anderen das Gerät als bessere Schreibmaschine.

In München kann der Kunde daher an einem Terminal auswählen, welche Anwendung er auf den ausgestellten Bildschirmen sehen will: Officeprogramme wie Powerpoint, Word und Excel stehen dabei genauso zur Verfügung wie Bildbearbeitungsprogramme, PC-Spiele oder Filme. Weil die Anwendungen auf allen Bildschirmen gleichzeitig gezeigt werden, hat der Kunde einen guten Vergleich, welcher Bildschirm ihm am besten gefällt.

Die Bilder werden immer schärfer, die Speichermedien immer kraftvoller: Dementsprechend hat Media Markt der neuen Speichertechnologie Blu-Ray, die als Nachfolger der DVD entwickelt wurde, eine eigene kleine Abteilung gewidmet.

3D erobert Fernsehgeräte

"Vielen Kunden ist nicht klar, wieso ein Film auf Blu-Ray so viel teurer ist als einer auf DVD", nennt Media-Markt-Manager Fourie als Beweggrund, der Technologie eine kleine Sonderausstellung zu widmen. Welchen Qualitätsunterschied es konkret im Vergleich zu den konventionellen Medien gibt - und ob dieser einem auch die "Summe X" wert ist - können die Kunden daher testen und erleben.
 
Für den technisch versierten POS-Fachmann von Media Markt ist die Blu-Ray-Thematik allerdings schon fast normal, soll heißen: bei den Kunden angekommen.

Spannender findet er daher die Entwicklung der 3D-Technologie, die der Münchener Media Markt ebenfalls inklusive der passenden Brillen für die räumliche Wahrnehmung präsentiert. Bislang ist der Raumeffekt vor allem bei PC-Spielen in. Aber das ändert sich bald und die dreidimensionale Technik wird auch die Fernsehgeräte erobern, denn: "3D wird der Hype der kommenden Jahre", ist Fourie überzeugt.

Dieser Artikel ist in der März-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel erschienen. Klicken Sie hier um ein kostenloses Probeexemplar anzufordern.

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