Chatbots gelten gerade als das nächste große Ding bei der Digitalisierung des Handels und im E-Commerce. Supportanfragen und Kundenbestellungen via Messenger erhalten und bearbeiten zu können, trägt der wachsenden Bedeutung mobiler Endgeräte im Alltag der Konsumenten Rechnung.

Die Grundüberzeugung von Firmengründer Steve Jobs, die er stets wie ein Mantra wiederholte, lautete, dass Apple geschlossene Systeme baue. Wenn der Konzern aus Cupertino jetzt seine Spracherkennung Siri und den hauseigenen Messenger für Dritte öffnet, sagt das schon einiges aus. Ganz offenbar wollen die Kunden heute auch per Textnachrichten Taxis oder Speisen aus dem Restaurant bestellen, Supportfragen an Hersteller übermitteln und auch Einkaufen. Möglichst wird dies durch Chatbots, also Anwendungen, die die vom Anwender getippten oder gesprochenen Texte auswerten und darauf reagieren können.

Und das Interesse der Softwarebranche an dem Thema ist groß. So haben sich in den USA 50 Firmen, die Chatbots entwickeln, beim Unternehmen Botcamp um eine Anschubfinanzierung beworben. Interessant, wenn auch sicher nicht repräsentativ, ist eine in diesem Zusammenhang entstandene Statistik.

So haben die Start-ups zumindest in den USA SMS und die Plattform Slack als primäre Ziele für ihren Bot erklärt. Erst danach folgt die Integration in Apps.

Wir haben für Sie einige interessante Player zusammengestellt:

Helloumi

Das aus Spanien stammende Unternehmen bietet einen vielseitig einsetzbaren Bot als reine Service-Lösung an. Die Logik des Systems läuft auf Servern des Anbieters. Der Bot kann einerseits Kundenanfragen im Bereich Support und Unterstützung beantworten, zum anderen aber auch im Sale-Bereich eingesetzt werden. Um auf den Kunden und seine Vorlieben reagieren zu können, haben die Entwickler ein eigenes CRM gebaut. An dem Bot wird seit Anfang 2015 entwickelt.

Presenting Helloumi - Conversational Commerce Platform

Myra Labs

2015 wurde das US-Unternehmen Myra Labs gegründet, an dem sich auch Slack beteiligt hat. Die Firma stellt über Programmierschnittstellen die künstliche Intelligenz für die Entwicklung von Bots zur Verfügung. Die Eingaben dürfen in natürlicher englischer Sprache erfolgen. Derzeit können sich Interessenten für eine Beta anmelden.

Flow.ai

Das aus den Niederlanden stammende Unternehmen sieht sich nicht so sehr auf Chatbots festgelegt. Nach eigener Aussage liegen die Grenzen seiner Technologie allenfalls im Ideenreichtum der Entwickler. Neben der fast klassischen Funktion, auf die Nutzereingaben in einem Chat oder Messenger zu reagieren, soll das System auch die Entwicklung von Widget für den Shop oder die Website ermöglichen. In diesen Containern können dann auch andere Inhalte wie Videos ausgespielt werden. Das angebotene Kit für Entwickler funktioniert über Plattformgrenzen hinweg und eignet sich für Slack, die eigene Website oder den Facebook-Messenger.

Niki.ai

Das Ziel des indischen Unternehmens liegt in der Entwicklung eines universell einsetzbaren Shoppingbegleiters, der auf die Texteingaben des Kunden reagiert. Noch sind die Macher aber noch etwas davon entfernt. Derzeit ist das System in der Lage, Taxibestellungen zu übernehmen. Die Lokalisierung des Nutzers erfolgt automatisch. Er muss lediglich seine weiteren Vorlieben mitteilen.

Jiffybots

Auch das aus den USA stammende Jiffy sieht sich eher als universeller Ansatz zur Automatisierung von Anfragen durch den Nutzer. Eingesetzt werden kann die Technologie im Verkauf, aber auch bei der Vereinbarung von Terminen oder dem Pushen von Nachrichten und Infos auf das Endgerät des Kunden, nachdem dieser seine Vorlieben mitgeteilt hat. Unterstützt werden unter anderem WhatsApp, Slack, Facebook, aber auch ganz aktuell der Amazon Echo.

Twyla

Für Web und Facebook stehen bereits Lösungen des Berliner Start-ups bereit. WhatsApp soll demnächst folgen. In erster Linie geht es um das Training von Chatbots für den Kundensupport. Dazu wird das System zunächst in den Helpdesk integriert. Als Futter erwartet Twyla Protokolle von Chats oder “hört” aktuellen Gesprächen von Support-Mitarbeitern zu, um die besten Antworten für die Kunden zu sammeln. Nach Abschluss der Trainingsphase kann das System dann die Aufgaben der Agents übernehmen.

Spectrm

Ebenfalls aus Berlin stammt dieses Unternehmen, das sich gerade einen Namen damit macht, für Medienunternehmen die Verbreitung von Inhalten über Messenger zu automatisieren. Fokussiert wird sich derzeit auf Facebook, Slack und Telegram. Die Technologie arbeitet ebenfalls als reiner Software-Service und wird in Deutschland schon von der Bild-Gruppe eingesetzt. In Echtzeit erhalten die interessierten Nutzer über Spectrm aktuelle Nachrichten in ihren Messenger, nachdem sie sich kurz angemeldet haben.



Marketing

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Bei dem Hype um das Thema Chatbots darf indes eines nicht vergessen werden. Bots werden auch in der nächsten Zeit keine Gespräche führen. Sie werden auf Nutzereingaben reagieren und auch auf ihn abgestimmte Angebote unterbreiten können. Und die im Hintergrund arbeitende künstliche Intelligenz wird ohne Zweifel weitere Fortschritte machen. Aber bis die Technologie soweit sein wird, wie ein Mensch zu reagieren, wird noch viel Zeit vergehen.