Zum ersten Mal seit 1999 geht es für die Musikbranche wieder etwas bergauf: Nach der Umsatzhalbierung der vergangenen Jahre stiegen 2012 die Erlöse - um 0,3 Prozent.

Der internationale Musikmarkt schlägt nach Jahren erdrutschartiger Einbrüche, die zu einer Halbierung des Umsatzniveaus geführt haben, langsam wieder einen Erholungskurs ein. Wie der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) mitteilt, ging es mit dem weltweiten Umsatz aus Musikverkäufen im Jahr 2012 zum ersten Mal seit 1999 bergauf:

Der Gesamtmarkt stieg um etwa 0,3 Prozent auf 16,5 Milliarden Dollar an - vor allem, weil die digitalen Geschäftsfelder wachsen. Erfolgreichste Single 2012 war demnach "Call Me Maybe" von der kanadischen Künstlerin Carly Rae Jepsen, die britische Singer-Songwriterin Adele schaffte es mit "21" zum zweiten Jahr in Folge an die Spitze der internationalen Album Charts.

Insgesamt legten die weltweiten Umsätze mit Downloads, Abonnements und werbefinanzierten Onlineservices demnach im vergangenen Jahr um 9 Prozent zu. Damit mache der digitale Markt aktuell einen Anteil von 34 Prozent am weltweiten Umsatz mit Musikverkäufen aus. Vor allem schlage auch die territoriale Expansion lizenzierter Musikdienste zu Buche: Waren die wichtigsten Musik-Services im Januar 2011 in 23 Ländern verfügbar, habe die Reichweite auf aktuell 100 Länder gesteigert werden können.

Downloads legten um 12 Prozent zu

Die Download-Verkäufe legten dem Verband zufolge insgesamt um 12 Prozent zu und machen heute 70 Prozent der Digitalumsätze aus. Die Zahl der Musikabonnenten bei so genannten Premium-Streaming-Diensten stieg demnach um 44 Prozent auf rund 20 Millionen zahlende Kunden – die Einnahmen aus diesem Segment machen somit aktuell 10 Prozent der Digitalumsätze weltweit aus. Nach aktuellen Schätzungen des BVMI liegt der Anteil des Digitalmarkts in Deutschland bei etwa 20 Prozent. Rückgrat der heimischen Musikindustrie bleibe nach wie vor die CD, die für 70 Prozent der Umsätze verantwortlich ist.

"In Deutschland beobachten wir seit 2011 einen vorsichtigen Trend zur Marktstabilisierung", sagt  Professor Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des BVMI. "Dabei ist es gerade die Mischung aus digitalem Wachstum und gebremsten Rückgängen im klassischen Tonträgergeschäft, die dem deutschen Markt schon seit Jahren zu relativer Stabilität verhilft und ihn so zu einem der stärksten Musikmärkte der Welt macht." Der digitale Wandel vollziehe sich in Deutschland zwar moderater, aber mit klarem Kurs: "Den seit Jahren zweistelligen Zuwächsen im digitalen Segment steht ein rückläufiger, aber nach wie vor starker physischer Markt zur Seite."

Nicht nur die Zahl der Onlinedienste steige kontinuierlich an, auch deren Akzeptanz in der Bevölkerung nehme stetig zu. Eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstituts Ipsos zeige, dass 62 Prozent der Internetnutzer in den vergangenen sechs Monaten bereits einen lizenzierten Musik-Dienst genutzt haben, 77 Prozent der Nutzer bewerten diesen demnach als gut, sehr gut oder exzellent.

Illegale Musiknutzung nach wie vor ein Problem

"Die Musikwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren innovativen Vertriebswegen geöffnet und ihr Repertoire in unterschiedlichen digitalen Kontexten lizenziert – und zwar vor dem Hintergrund der nach wie vor massiven illegalen Musiknutzung nicht ohne Risiken", betont Gorny. "Auf der anderen Seite haben Online-Anbieter im Schulterschluss mit den Musikfirmen trotz des gestörten Markts im Netz in die Attraktivität und Nutzerfreundlichkeit ihrer Plattformen investiert und damit die technische Grundlage für das legale Angebot im Internet geschaffen."

Dennoch sei es nicht allein dem erfolgreichen Aufbau des legalen Angebots zu verdanken, dass aktuell eine Markterholung einsetze: "Vor allem auch die konsequente Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums hat dem legalen Markt den Rücken gestärkt, indem das Unrechtsbewusstsein bei der illegalen Beschaffung von Musik forciert wurde", ist Gorny überzeugt. "Aktuell beobachten wir in Deutschland mit großer Sorge, dass der Gesetzgeber genau diese Möglichkeiten und damit eine wichtige Grundlage für faireren Wettbewerb im Internet zu Nichte machen will."