Für viele Konsumenten ist das Smartphone selbstverständlicher Begleiter im Alltag. Mittelständler tun sich hingegen oft noch schwer mit der Digitalisierung. Technologiekonzerne wie Amazon, Facebook und Google wollen das ändern.

Im Netz surfen, einkaufen, soziale Kontakte pflegen: Die meisten Internetnutzer erledigen inzwischen viele Dinge mobil. Für kleine und mittelständische Händler ergeben sich dadurch neue Chancen und Möglichkeiten, auf die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Kunden einzugehen. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Technologiekonzernesie quer durchs Unternehmen digital aufgestellt sind. 

Doch genau daran hapert es derzeit in Deutschland: Von den kleineren Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten sind vier von zehn noch immer nicht im Internet vertreten, bei den größeren hat jedes siebte Unternehmen noch keine Homepage, meldet der Branchenverband Bitkom. Um das zu ändern, haben Internetgrößen wie Amazon, Facebook und Google – im Hinblick auf potenzielle Geschäftskunden sicherlich nicht ganz uneigennützig – Initiativen gestartet, um Mittelständler in die digitale Zukunft zu begleiten. 

Amazon: Unternehmen der Zukunft 

Anfang des Monats stellte Amazon das Förderprogramm "Unternehmer der Zukunft - lokal und um die Welt" vor, das speziell kleine Händler für das Digitalzeitalter rüsten soll. Das Programm soll Teilnehmern beim Einstieg in den Onlinehandel und bei der internationalen Expansion helfen. "Diese Zeiten ermöglichen nicht nur mehr, sie erfordern auch mehr Unternehmertum", sagte Ralf Kleber, Country Manager von Amazon.de, bei der Auftaktveranstaltung auf der "Amazon Academy" in Berlin.

Davon könne gerade Deutschland profitieren: "Wir sehen bei unseren Partnern - Händlern, Entwicklern, Kreativen - einen enormen Willen, die Digitalisierung für ihren Erfolg zu nutzen." So hätten allein Händler auf dem Amazon Marketplace in Deutschland 90.000 Arbeitsplätze geschaffen. "Aber es gibt auch unendlich viele kleine und mittelgroße Firmen, die den Sprung noch wagen müssen", so Kleber. Das Amazon Förderprogramm soll sie unterstützen, über das Internet die Welt als Marktplatz zu erschließen.

Motto "Zukunft unternehmen"

Unter dem Motto "Zukunft unternehmen" unterstütze das Programm 20 bis 30 "ausgesuchte kleine Händler" mit bis zu 20 Mitarbeitern dabei, ihr Onlinegeschäft auf- oder auszubauen und sogar international erfolgreich zu werden. Amazon stellt den Teilnehmern dabei im Rahmen des Programms über einen Zeitraum von drei Monaten E-Commerce Profis zur Seite, darunter Handelsexperten von wortfilter.de und shopanbieter.de sowie Amazon Marketplace-Verkäufer, die bereits erfolgreich seien: "Wir bringen Jung- und Altunternehmer mit Baldunternehmern zusammen", sagte Kleber bei der Auftaktveranstaltung.
Amazon-Programm "Unternehmer der Zukunft – lokal und um die Welt"
© Amazon
Amazon-Programm "Unternehmer der Zukunft – lokal und um die Welt"

Gemeinsam sollen sie einen E-Commerce Business Plan erarbeiten und umsetzen. "Händler lernen dabei, wie Kunden ihr Angebot im Internet finden, welche Produkte sich wie und wo verkaufen lassen, wie Artikel auf dem Amazon Marketplace gelistet werden, sowie erste Schritte zum Verkauf auf internationalen Webseiten", erläuterte Markus Schöberl, verantwortlich für die Händler-Services bei Amazon im deutschsprachigen Raum und Initiator des neuen Programms. "Ein Berater von Amazon Web Services führt zudem einen Leistungs-Check der bestehenden Händler-Websites und IT-Systeme durch."

Start des Amazon-Programms ist im Januar 2017, Bewerbungen sind ab sofort möglich. Die besten Händler können im Frühjahr 2017 zudem den von dem Onlinehändler und Marktpreis ausgelobten "Unternehmer der Zukunft"-Preis erhalten. Händler, die sich für das Förderprogramm bewerben wollen, können sich bis zum 31. Dezember 2016 unter amazon.de/unternehmerderzukunft anmelden.

Facebook: "Digital Durchstarten"

Das Soziale Netzwerk Facebook wirbt derzeit  intensiv um kleine und mittelständische Unternehmen. "Wir unterstützen die Unternehmen bei ihrem wichtigsten Anliegen: Kunden zu gewinnen," sagte Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg kürzlich der WirtschaftsWoche. Im Frühjahr dieses Jahres hat Facebook dazu in Deutschland das Programm "Digital Durchstarten" vorgestellt. Gemeinsam mit Branchenverbänden, Handelskammern und weiteren Partnern will das Soziale Netzwerk Unternehmen mit Beratung, Materialien und einer Veranstaltungsserie unterstützen, um sie für die digitale Welt fit zu machen.
Facebook-Programm "Digital Durchstarten"
© Facebook
Facebook-Programm "Digital Durchstarten"

"Menschen suchen und entdecken heute fast alles online und das vor allem im mobilen Internet. Doch viele Unternehmen reagieren noch nicht auf dieses geänderte Konsumentenverhalten", beobachtet Arne Henne, er als SMB Program Manager bei Facebook kleine und mittelständische Unternehmen betreut. "Die Komplexität der Digitalisierung stellt sie vor die Frage, wo sie anfangen sollen. Dabei ist besonders für kleine und mittelständische Unternehmen der erste und wichtigste Schritt der in Richtung mobil". 

Einfach und günstig digital werben

Schon heute habe jeder dritte Mittelständler in Deutschland und somit mehr als eine Million Unternehmen einen Facebook-Auftritt und damit eine Präsenz im mobilen Internet, selbst wenn sie keine eigene Webseite haben. "Mit einer Facebook-Seite alleine lassen sich die Herausforderungen der Digitalisierung natürlich nicht lösen", erläutert der Manager, warum sich Facebook mit Partnern zusammengetan hat. Die Initiative biete kostenlosen Wissenstransfer über eine deutschlandweite Veranstaltungsserie für kleine und mittelständische Unternehmen, bei der Branchenexperten Praxisvorträge halten und lokale und regionale Unternehmen erzählen, wie sie erfolgreich den "mobilen Weg" beschritten haben.

Zudem gibt es im Internet Video-Tutorials, Präsentationen, Leitfäden und Brancheninformation. "Werbung war früher vergleichsweise teuer, im digitalen Zeitalter können sich aber auch kleinere Händler Aktionen leisten, um Konsumenten in ihren Laden zu bekommen", sagt Henne. Stichwort lokales Targeting, das zielgruppenorientierte Einblenden von Werbung auf (mobilen) Webseiten. "Bei dem französischen Händler E. Leclerc sind 12 Prozent der Nutzer, die auf eine Anzeige geklickt haben, in den kommenden 7 Tagen im Geschäft vorbeigekommen", berichtet er. 

Google-Initiative "Weltweit Wachsen"

Der Technologiekonzern Google hat unterdessen 2014 die Initiative "Weltweit Wachsen" ins Leben gerufen, um Unternehmen bei der digitalen Transformation zu unterstützen. Die Partner der Initiative – BDO, Commerzbank, DHL, KERN AG, Sprachendienste, PayPal, der bevh, sowie die Universität Leipzig und die Hochschule Reutlingen – liefern interessierten Unternehmen kostenlose Informationen, Angebote und Trainings. 
Google-Programm "Weltweit wachsen"
© Google
Google-Programm "Weltweit wachsen"

Dabei geht es um Themen wie Online-Export, aber im Rahmen von Digital-Workshops auch um grundlegendere Fragen wie Websitegestaltung und Social Media. Seit 2015 werden die Trainings nicht mehr nur online, sondern auch physisch in verschiedenen Städten in Deutschland angeboten. Im Juni dieses Jahres wurde zudem das erste Trainingszentrum in München eröffnet. 

"Die Initiative ist Teil von Googles Versprechen, bis Ende 2016 zwei Millionen Europäer digital weiterzubilden", erläutert Matt Brittin, Präsident von Google Europa. "Online erfolgreich zu sein, sollte nicht einigen wenigen Privilegierten vorbehalten bleiben. Wir wollen, dass alle Europäer, unabhängig von Alter, Hintergrund oder Wohnort, in der Lage sind, ein neues Unternehmen zu gründen, ein bestehendes Geschäft auszubauen oder ihre Leidenschaft mit anderen zu teilen."

Vor nicht allzu langer Zeit waren kleine Unternehmen nur in ihrer Region tätig, argumentiert er: "Nur sehr große, multinationale Unternehmen konnten ihre Produkte weltweit anbieten oder sich die neuesten Technologien leisten. Doch heute, wo Milliarden Menschen auf digitale Tools zugreifen können, kann jeder sein Geschäft ausbauen", so Brittin. "Wir stehen am Beginn des Zeitalters der so genannten Micro-Multinationals, in dem eine clevere Geschäftsidee im Handumdrehen zu einem weltweiten Erfolg werden kann."


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