Google-Managerin Petra Sonnenberg über die Kommunikation der Mitarbeiter untereinander als Grundlage für Unternehmenserfolg. Und was Conrad Electronic hier richtig macht.

Menschen suchen, kommunizieren, konsumieren und bilden sich heute online. Warum tun sich Unternehmen so schwer, dieses Potenzial zu nutzen? 
De facto hat unsere Gesellschaft das Internet und seine vielfältigen Möglichkeiten in unsere Kultur integriert. Jederzeit, an jedem Ort bewältigen wir einfache oder auch komplizierte Herausforderungen schnell und ohne großen Aufwand im Netz. Was im Privatleben bereits selbstverständlich ist, stößt im deutschen Arbeitsalltag oft nicht nur an technische, sondern vor allem an kulturelle Grenzen.

Denn bei der digitalen Transformation ist die Anschaffung und zeitgemäße Anwendung relevanter Technologie in Verbindung mit einer bewusst veränderten Arbeitskultur ein Hemmnis, das für viele Unternehmen einen nach wie vor innovationsbremsenden Faktor darstellt. Unternehmen müssen einen transformativen Prozess hin zu einer digitalen Unternehmenskultur aber nicht nur reflektiert denken, sondern ihn bewusst lenken. 
Arbeiten bei Google
© Google
Arbeiten bei Google

Und wenn nicht? 
Laut einer Studie des Global Center for Digital werden vier der Top-10-Anbieter in einem Marktsegment ihre Marktposition in den nächsten fünf Jahren verlieren – gerade auch, weil bei 45 Prozent der Unternehmen das Thema digitaler Wandel auf Vorstandsebene derzeit keine Rolle spielt. 

Wie halten Sie das bei Google? 
Bei Google funktioniert modernes und agiles Arbeiten genau wegen der Symbiose aus einer transparenten, lösungsorientierten Kultur und den technischen Möglichkeiten für eine unkompliziert schnelle und effektive Zusammenarbeit. Beide Aspekte geben jedem Mitarbeiter eine Stimme und berücksichtigen, dass Innovationen überall im Unternehmen entstehen können. Wir ermutigen unsere Mitarbeiter, Neues auszuprobieren und Fehler nicht als Rückschlag, sondern als Chance zu begreifen.
Fehler sind den Hunden bei Google egal. Dem Management auch, wenn alle daraus lernen können.
© Google
Fehler sind den Hunden bei Google egal. Dem Management auch, wenn alle daraus lernen können.

So sind es viele kluge Köpfe, die an verschiedenen Orten sitzen, aber jederzeit ohne zeitliche Verzögerung zusammenarbeiten und sich abstimmen können, die mehr realisieren, als der Einzelne im stillen Kämmerlein. Wir rufen unsere Mitarbeiter dazu auf, miteinander zu kooperieren und untereinander zu kommunizieren und stellen die notwendigen integrierten Kommunikationskanäle zur Verfügung. 

Warum ist es offenbar so schwierig, Wissen zu teilen? 
Viele Entscheider in Unternehmen schildern mir ihre Unzufriedenheit gerade mit internen Kommunikationsprozessen. Oft schicken sich Mitarbeiter Dateien per E-Mail hin und her oder arbeiten in verschiedenen Dokumenten, wodurch Abstimmungsprozesse nicht nur unübersichtlich, sondern auch in die Länge gezogen werden.

"Abstimmungsprozesse sind nicht nur unübersichtlich, sondern werden auch in die Länge gezogen."

Petra Sonnenberg, Google

Dies ist ebenso symptomatisch für den Mangel an digitaler Kultur wie die Tatsache, dass Informationen nicht allen Mitarbeitern in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen und vorhandene Daten nicht umfassend genutzt werden, um neue Erkenntnisse zu sammeln und Kunden mit der Individualität zu behandeln, die heutzutage eingefordert wird. 

Also muss alles klüger organisiert werden... 
Zum Beispiel lassen sich E-Mail, Kalender, Chat sowie das gemeinsame Arbeiten in Dokumenten, Tabellen oder Präsentationen sicher und verschlüsselt in der Cloud ablegen. Mitarbeiter können Videokonferenzen dabei jederzeit unkompliziert direkt vom Arbeitsplatz oder unterwegs vom Mobiltelefon starten. Etwa fünf Millionen Unternehmen nutzen heute weltweit diese Tools als einen Katalysator für den kulturellen Wandel. Erfolgreich und effizient sind nur solche Prozesse, die über eine einheitliche Plattform verknüpft sind. 
Android-Figuren. Tun nichts zur Sache, sehen aber lustig aus.
© Google
Android-Figuren. Tun nichts zur Sache, sehen aber lustig aus.

Wie steht es bei einem Handelsunternehmen mit Filialen? 
Aus vermeintlichen Kostengründen differenzieren Entscheidungsträger oftmals noch zwischen Arbeitnehmern mit PC-Arbeitsplätzen und denjenigen ohne. Doch sind es vor allem die Arbeitnehmer beispielsweise in Filialen und an Schaltern, die täglich im direkten Kontakt mit Kunden, Partnern und Lieferanten stehen.

Sie sind es, die Informationen aus erster Hand von immer aufgeklärteren Kunden erhalten, die für das Unternehmen und dessen Geschäftserfolg von großer Bedeutung und Grundlage neuer Lösungs- und Verbesserungsansätze sein können. Und dabei reichen heutzutage Smartphones und Tablets völlig aus, um die kommunikative und kollaborative Einbindung dieser sogenannten Floorworker zu garantieren und neue Potenziale zu nutzen. 
Arbeiten bei Google - entspannt im Café
© Google
Arbeiten bei Google - entspannt im Café

Gibt es da ein positives Beispiel? 
Conrad Electronic, der familiengeführte deutsche Elektronik-Versandhändler, macht gerade diese spannende Erfahrung. Mehr als 4000 Mitarbeiter in der Zentrale und den Filialen fühlen sich plötzlich verantwortlicher, denken und lenken anders als zuvor.

Während Conrad Electronics nun eine digitale Kultur lebt, herrscht in anderen Unternehmen häufig noch ein problemorientiertes Denken, bei dem primär debattiert wird, was bei der Einführung und Umsetzung neuer digitaler Möglichkeiten nicht machbar erscheint. Gerade auch aus diesem Grund behält man vermeintlich bewährte Standards bei, wodurch transformative Prozesse und die Entwicklung einer digitalen Kultur verhindert werden – mit letztendlich spürbaren Folgen.

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