Ausgerechnet zur Grünen Woche tobt der Dioxin-Skandal. Schon jetzt ist klar, dass es Umsatzeinbrüche bei Schweinefleisch und Eiern gibt. Die Bio-Branche aber boomt.

"Die Sonne scheint wieder", sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner noch vor einigen Wochen. Dann kam der Dioxin-Skandal. Ausgerechnet kurz vor der Grünen Woche in Berlin vom 21. bis 30. Januar, auf der sich Landwirtschaft und Ernährungsbranche nach der Krise gern als Wachstumsmarkt präsentieren möchten.

Der Aufschwung bei den Bauern wird sich vermutlich nicht in dem Maß erfüllen wie erhofft. Denn schon jetzt steht fest, dass es deutliche Umsatzeinbrüche bei Schweinefleisch und bei Eiern gibt.

Preise für Schweinefleisch fallen

Nach ersten Schätzungen ging der Umsatz mit Eiern seit Bekanntwerden des Dioxin-Skandals zum Jahreswechsel um 20 Prozent zurück, schätzt die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. Bei Schweinefleisch und Geflügel liegt das Minus bei je 10 Prozent.

Die Bio-Branche dagegen boomt und kann die Nachfrage inzwischen nicht mehr decken. Der Bundesverband Naturkost Naturwaren berichtet, der Verkauf von Bio-Eiern im Fachhandel sei um fast die Hälfte gestiegen, der von Geflügelfleisch um rund 30 Prozent.

Die Bauern gehen davon aus, dass sich der Dioxin-Skandal auf die Konjunktur auswirken wird. "Wir bekommen sicher eine Delle rein", sagt Bauernpräsident Gerd Sonnleitner. "Die Schweinepreise sind regelrecht abgestürzt, Eier verkaufen sich wesentlich schlechter."

Dieser Schaden wird nach seiner Einschätzung noch wesentlich größer als der, der durch die Sperrung von bis zu 5000 Höfen bundesweit entstanden ist, die unter Dioxin-Verdacht waren und teils noch sind.

Um Schadensbegrenzung bemüht: Bauernpräsident Gerd Sonnleitner. Foto: Messe Berlin
Um Schadensbegrenzung bemüht: Bauernpräsident Gerd Sonnleitner. Foto: Messe Berlin
Der Bauernpräsident will nun verhindern, dass verseuchtes Futtermittel die ganze Branche in Verruf bringt und auf der Grünen Woche um Vertrauen werben. "Ich werde aufzeigen, wie wir uns bemüht haben, die Verbrauchersicherheit zu garantieren, wie schnell wir an die Öffentlichkeit gegangen sind", sagt Sonnleitner.

Bauern und Industrie begrüßten im Vorfeld der Messe ebenso wie Verbraucherschützer den 14-Punkte-Plan, mit dem die Agrarminister von Bund und Ländern neue Skandale um verseuchtes Tierfutter verhindern wollen.

Sonnleitner forderte zusätzlich einen "Rettungsschirm" für Bauern. In den Fonds sollten die Futtermittelhersteller einzahlen. Im aktuellen Fall bezifferte Sonnleitner den Schaden für die betroffenen Bauern auf rund 100 Millionen Euro.

Leistungsschau in Berlin

Die Landwirtschaft will sich auf der Grünen Woche auch als Ausbildungsmarkt präsentieren - mit einem speziellen Ausbildungstag. "Auch wir brauchen für die Zukunft mehr junge Menschen", so Sonnleitner.

In den vergangenen Jahren hätten die Bauern nicht alle Ausbildungsplätze besetzen können. Er hofft, dass Lebensmittelskandale nicht dazu führen, dass der Nachwuchs ausbleibt. "Deswegen kann man nicht den ganzen Beruf verteufeln".