Die Lebensmittelbranche traf sich in München beim LZ/LBE-Kongress. Das dominierende Thema war der Durchmarsch der Discounter. Ex-Metro-Chef Klaus Wiegand wurde mit der "Bavaria" geehrt.

Optimismus zum Jahresauftakt: „2009 kann gar nicht so schwierig werden", sagte Hans Jürgen Bönsch, Vizepräsident im Landesverband des Bayerischen Einzelhandels bei der Begrüßung zum diesjährigen LZ/LBE-Kongress in München. „Unsere Kunden haben das Geld unters Kopfkissen gelegt", versicherte Bönsch angesichts der drohenden Folgen der Finanzkrise.

Die versammelte Lebensmittelbranche gab sich bei dem Event im Luxushotel Bayer Post erstaunlich gelassen: Die Januar-Zahlen sind gut, bestätigten einige Händler und Hersteller. Zumindest im Freistaat Bayern scheint von den schlechten Nachrichten bislang unbeeindruckt geblieben zu sein.

Discounter auf der Überholungsspur

Das wird aber nicht so bleiben, warnte Commerzbank-Analyst Dr. Jürgen Elfers. Markenartikler und Vollsortimenter stehen auf der Verliererseite der kommenden Krise, sagte der Handelsexperte voraus.

Elfers sieht vor allem die Discounter als Gewinner der schwierigen Zeiten. „Das Wachstum der Billiganbieter geht weiter, sie sind eindeutig auf der Überholungsspur." Und: „Eine Rückkehr zum Markenartikel in der Krise ist nicht erkennbar."

Auch Mirko Warschun, Berater von A. T. Kearney trübte die Freude der anwesenden Händler: „In einer Rezession gewinnen die Discounter überproportional Marktanteile", sagte der Berater. Die von ihm vorgestellten Gegenmaßnahmen für Vollsortimenter sind hinlänglich bekannt: Klare Positionierung, Sortimentstiefe, Fokus auf den „emotionalen Einkauf".

Gelassenheit in den Alpenländern

Dass solche Erfolgsrezepte greifen, zeigte eindrucksvoll Gerhard Drexel, Vorstandsvorsitzender der Spar Österreich AG. Mit Internationalisierung, verschiedenen Flächenkonzepten, dem Bau von Shoppingcentern und einer moderne Ladenarchitektur gewinnt die Spar seit Jahren Marktanteile hinzu.

Auch Ernst-Dieter Berninghaus, Ex-Rewe-Chef und nun beim Schweizer Handelskonzern Migros unter Vertrag, sieht die Konkurrenz durch die Discounter bei den Eidgenossen gelassen: „Die Schweiz bleibt einer der stabilsten Märkte in Europa", versicherte er. Dem wurde in einer Diskussionsrunde vom Lidl-Aufsichtsrat Günter Fergen freilich kräftig widersprochen: „Die Schweizer Bürger sind mündig - am Discounter geht keinen Weg vorbei", sagte der Generalbevollmächtige der Schwarz-Unternehmensgruppe.

Das gilt übrigens auch für die Migros-Genossenschaft, die sich den größten Schweizer Discounter Denner einverleibte und - wie es sich im Laufe der Diskussion herausstellte - als Produzent von Eigenmarken auch Lidl beliefert.

Klaus Wiegand ausgezeichnet

Am Abend bekam der frühere Metro-Vorstand Klaus Wiegand den erstmalig verliehenen „Bavaria"-Preis - nicht nur für seine kaufmännischen Leistungen, sonder auch für die Gründung des „Forums für Verantwortung", das sich mit Fragen der Nachhaltigkeit beschäftigt.

Die Laudatio auf Wiegand hielt niemand geringer als der langjähriger Metro-Chef Erwin Conradi, der den Preisträger als „Händler mit dem intellektuellen Touch eines Strategen" pries.

Zum Abschluss des ersten Kongresstages standen dann nicht mehr die Discounter im Vordergrund, sondern die Gastronomie: Die Teilnehmer feierten ausgelassen im Perfetto-Feinkostmarkt im Karstadt am Münchener Bahnhof.