Das Bundeskartellamt hat die Übernahme des Discounters Plus durch Edeka unter Auflagen genehmigt. Rund 400 Märkte müssen verkauft werden.

Der Weg für eine der größten Fusionen im deutschen Lebensmittelhandel ist frei: Nach intensiven Verhandlungen hat das Bundeskartellamt die Übernahme des bislang zu Tengelmann-Gruppe gehöhrenden Discounters Plus durch Edeka am heutigen Dienstag genehmigt.

400 Standorte müssen verkauft werden

Die Freigabe erfolgt unter der aufschiebenden Bedingung, dass Tengelmann vor dem Vollzug des Zusammenschlusses knapp 400 der insgesamt rund 2.900 Standorte, die in vom Bundeskartellamt als problematisch eingestuften regionalen Märkten liegen, an einen oder mehrere Erwerber (maximal drei) veräußert. Edeka und Tengelmann beabsichtigen, die Discountketten Netto und Plus zusammenzufassen und dann unter dem Namen "Netto Marken-Discount" weiter zu führen.

Geplante Beschaffungskooperation nicht genehmigt

Eine geplante Beschaffungskooperation der beiden Unternehmen wurde von der Wettbewerbsbehörde nicht genehmigt. "Mit dieser Entscheidung setzen wir ein Zeichen gegen die fortschreitende Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel", begründet Kartellamstspräsident Dr. Bernhard Heitzer.

Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel durchlebt derzeit einem radikalen Konsolidierungsprozess, urteilt das Amt. Rund 90 Prozent des inländischen Marktvolumens entfielen heute auf die fünf führenden Handelsunternehmen. Mit einem Marktanteil von 25 Prozent sei Edeka der Marktführer.

Branchenprimus schluckt die Nummer Fünf im LEH

Durch den Zusammenschluss werden die Nummer 1 und die Nummer 5 im deutschen Lebensmitteleinzelhandel fusionieren. Mit Netto Marken-Discount und den Edeka Supermärkten hat das Unternehmen sich sowohl im Vollsortiment als auch im ebenfalls markenorientierten, so genannten "Soft-Discount" positioniert. Schon heute ist Edeka wie kaum ein anderes Handelsunternehmen in der Lage, verschiedene Kundengruppen über die eigenen Vertriebskonzepte abzudecken, anaylsieren die Wettbewerbshüter.

Markenverband kritisiert die Genehmigung

„Die Übernahme von Plus durch Edeka führt zu weiteren Konzentrationsprozessen im ohnehin stark vermachteten Lebensmitteleinzelhandel", kritisert Franz-Peter Falke, Präsident des Markenverbandes die Entscheidung des Bundeskartellamts. Der Marktführer Edeka baue seine Marktmacht damit noch weiter aus. Beides wäre Grund genug gewesen, die Fusion nicht zuzulassen.

Der Verband begrüßt in seiner Stellungnahme jedoch, dass der Zusammenschluss nur unter Auflagen gestattet wurde. Auch die Untersagung der geplanten Einkaufskooperation sei positiv zu werten, heißt es weiter. "Das spricht für eine wachsende Sensibilität der deutschen Kartellbehörden beim Thema Nachfragemacht", kommentiert Falke. Deutschland gehe damit europaweit mit gutem Beispiel voran.