Supermärkte und Discounter suchen neue Vertriebswege für Brot und Brötchen. Immer mehr Ketten rüsten ihre Filialen mit eigenen Backautomaten aus.

Bei Penny stehen sie schon. Baguette, Sesam-Brötchen oder Vollkornbrot - frisch aufgebacken durchströmt der Duft den Verkaufsraum und macht Kunden hungrig. Auch in mehreren Lidl-Filialen gibt es bereits Backstationen. Bei Norma werden derzeit verschiedene Geräte getestet. Der Konkurrent Aldi Süd hat nach einer Testphase begonnen, «Backöfen» flächendeckend aufzustellen.

Netto und Plus setzen dagegen auf Produkte aus der Region. Bis zu dreimal täglich würden die Märkte von Bäckerbetrieben aus der Umgebung beliefert, sagte eine Sprecherin der Netto Marken-Discount AG der Presseagentur dpa. So könne man stets frisches Brot und Brötchen anbieten, ohne selbst backen zu müssen. Außerdem gebe es in den meisten Filialen einen Bäcker im vorderen Ladenbereich, der stets ein breites Angebot bereithalte.

87 Kilo Teig isst der Deutsche im Jahr

Im Durchschnitt isst jeder Bundesbürger nach Schätzung des Verbands Deutscher Großbäckereien pro Jahr 56 Kilogramm Brot und Brötchen und Kleingebäck. Pizza- und Nudelteig eingeschlossen seien es sogar 86,9 Kilo. Etwa die Hälfte der verkauften Menge ist industriell gefertigt, die andere Hälfte wird von traditionellen Bäckerhandwerksbetrieben hergestellt.

Der Marktanteil der in Lebensmittelmärkten frisch gebackenen oder aufgebackenen Backwaren ist mit einem Prozent eher gering. Darin sehen die großen Ketten offenbar ihre Chance. «Der Kunde will lieber frisches warmes Brot, als das abgepackte aus dem Regal», sagte Armin Juncker, Geschäftsführer des Verbandes der Großbäckereien. Er sieht es nicht negativ, dass die Handelsriesen den traditionellen Bäckern Konkurrenz machen. Die Handwerksbäckereien könnten ein viel breiteres Angebot, also mehr unterschiedliche Sorten anbieten als Discounter, die meist nur wenige Sorten im Sortiment hätten, so Juncker.

Discounter machen sich selbst Konkurrenz

Eberhard Groebel, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks meint dagegen, die Discounter würden sich nur selbst Konkurrenz machen, wenn sie neben den bereits fertig verpackten Backwaren jetzt auch noch frisch aufgebackene verkauften und im Vorkassenraum auch noch ein Bäcker angesiedelt sei. Hinzu kämen die unzähligen Backshops, die wie Pilze aus dem Boden sprießen würden. Die kleineren Familienbetriebe würden den scharfen Wettbewerb zwar deutlich spüren, allerdings seien auch immer mehr Kunden bereit, für Qualität etwas mehr zu bezahlen, so Groebel. Bei fast gleicher Menge sei der Umsatz der inhabergeführten Bäckerbetriebe im Jahr 2008 um 4,4 Prozent gestiegen.


Sandra Rosenthal, dpa