Jede zweite verkaufte Flasche Wein in Deutschland stammt von einem Discounter. Unterdessen sind die Rebsäfte aus Deutschland international begehrt. Die Skandinavier trinken zum Beispiel gerne Riesling.

Immer mehr Deutsche kaufen Wein bei Aldi, Lidl & Co: Die Discounter haben ihren Marktanteil im vergangenen Jahr weiter ausgebaut. Wie das Deutsche Weininstitut (DWI) auf der Basis des GfK-Haushaltspanels meldet, wurden in den Discountmärkten 48 Prozent aller Weine in Deutschland gekauft – das entspricht einem Plus von einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Zusammen mit den weiteren Einkaufsmärkten hatte der Lebensmittelhandel somit 2010 insgesamt einen Anteil von 74 Prozent am Weinverkauf in Deutschland. Durchschnittlich zahlten die Kunden 2,52 Euro für einen Liter Wein – drei Cent weniger als 2009.

Direktbezug und Weinfachhandel

Für den Absatz deutscher Weine sind die Discounter hingegen weniger bedeutend: "Im vergangenen Jahr wurden die Weine der deutschen Anbieter nur zu 37 Prozent im Discount eingekauft. Der gesamte Lebensmittelhandel kommt auf einen Anteil von 61 Prozent", erläutert DWI-Geschäftsführerin Monika Reule im Vorfeld der internationalen Weinmesse ProWein. "Wichtige Vertriebskanäle für unsere Weine bleiben der Direktbezug beim Erzeuger und der Weinfachhandel. Dort werden zusammengenommen mehr als ein Drittel des Absatzes und die Hälfte des Umsatzes mit deutschen Weinen getätigt."

Unterdessen waren die Qualitätsweine aus den deutschen Anbaugebieten 2010 international wieder stärker gefragt. Die ausgeführte Weinmenge stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um acht Prozent auf 1,25 Millionen Hektoliter, der Umsatz legte um sechs Prozent auf 285 Millionen Euro zu. Dies entspreche einem Anteil von 80 Prozent am Gesamtumsatz der deutschen Weinexporte.

Der verbleibende Anteil verteilt sich demzufolge auf Landweine und Weine ohne nähere Herkunftsbezeichnung. "Wir haben uns insbesondere in den Überseeländern von der Wirtschaftskrise erholt. Die Qualitätsweinexporte bewegten sich im vergangenen Jahr wieder auf dem Niveau von 2007", so Reule.

Amerikaner lieben Wein "made in Germany"

Besonders erfreulich entwickelte sich dem Weininstitut zufolge dieses Jahr Deutschlands wichtigster Weinexportmarkt USA: Der Absatz stieg um 19 Prozent, der Umsatz um 17 Prozent. Mit 94 Millionen Euro werde somit mittlerweile ein Drittel der Wertschöpfung des gesamten Qualitätsweinexports auf dem US-Markt erzielt.

An zweiter Stelle stehen die Niederlande, wo mit 30 Millionen Euro elf Prozent des Gesamtumsatzes generiert werden. Im Vergleich zu 2009 stieg die ausgeführte Menge in das Nachbarland um sechs Prozent auf 193 Millionen Hektoliter, der Umsatz ging jedoch um drei Prozent zurück.

Umsatzverlust in Großbritannien

In Großbritannien mussten die deutschen Weinexporteure unterdessen Umsatzverluste von 16 Prozent und Absatzrückgänge von sieben Prozent im Qualitätsweinsegment hinnehmen. "Der britische Markt ist zwar weiterhin schwierig. Erfreulich ist aber, dass der Durchschnittspreis für unsere Weine im dortigen Lebensmittelhandel im vergangenen Jahr um acht Prozent gestiegen ist, was auf deutliche Zuwächse im Preisbereich von über fünf Pfund zurückzuführen ist", so die DWI-Geschäftsführerin.

"Zudem stimmen uns die zunehmend positive Berichterstattung sowie die wachsende Anerkennung unserer Weine bei den Multiplikatoren der britischen Weinszene zuversichtlich, dass wir in den nächsten Jahren wieder mit besseren Ergebnissen aus Großbritannien rechnen können."

Riesling boomt in Skandinavien

Skandinavien ist unterdessen für die deutschen Weißweine ein guter Markt. In Norwegen war Riesling 2010 die am meisten verkaufte Weißwein-Rebsorte. In Schweden belegten die deutschen Exporteure den zweiten und in Finnland den dritten Platz bei den Weißweinen.

Nach Angaben des norwegischen Monopols - alkoholische Getränke ab 4,8 Volumenprozent können in Norwegen nicht in Supermärkten oder Discountern gekauft werden, sondern nur in den staatlichen Läden namens Vinmonopolet – stammte rund jede dritte Flasche Weißwein aus Deutschland. Tendenz steigend: Der Weinexport legte 2010 nochmals um 18 Prozent im Wert und um zwölf Prozent in der Menge zu. Damit steht Norwegen mittlerweile an vierter Stelle im Ranking der deutschen Weinexportmärkte, so das DIW.

Umsatzplus in China

Zudem sind die deutschen Weine auch in kleineren Märkten beliebt. Vor allem China scheint Riesling & Co. für sich entdeckt zu haben, heißt es: Der Umsatz legte den Angaben zufolge um 35, der Absatz um 17 Prozent zu. Umsatzsteigerungen gab es zudem auch in Ländern wie Kanada (plus 15 Prozent), Russland (plus 11 Prozent), Japan (plus 4 Prozent) oder der Schweiz (plus 12 Prozent).

Sehr dynamisch habe sich auch Hongkong entwickelt, wenn auch noch auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Begünstigt durch den Wegfall der Einfuhrzölle in 2008 wuchs der Wert der Qualitätsweinexporte um 49 Prozent, bei einem äußerst attraktiven Durchschnittspreis von 8,28 Euro pro Liter.

Wie 2011 wird, bleibt abzuwarten: Aufgrund der überdurchschnittlich kleinen Erntemenge des Jahrgangs 2010 sind nach Meinung der DWI-Geschäftsführerin in diesem Jahr bei einigen Rebsorten Versorgungsengpässe und damit verbundene Exportrückgänge nicht ausgeschlossen.

Sehen Sie hier einen Film über die Lage der deutschen Winzer.