Der Parfümeriefilialist Douglas setzt in bislang vier Filialen handliche iPods ein, damit die Kunden direkt am Regal oder an einer Servicestation per Karte zahlen können.

Wer in der Douglas-Filiale auf der Wilhelmstraße in Lüdenscheid einkauft, kann sich den Weg zur Kasse sparen. Denn die Kasse kommt zu ihm.

"Wir haben unser Verkaufspersonal mit iPods ausgestattet, die per WLAN direkt auf den Filialserver und das Kassensystem zugreifen", erläutert Thomas Baumann, Bereichsleiter "IT Vertriebsprozesse" bei dem Parfümeriefilialisten. "Kunden können ihren Einkauf somit per Karte direkt am Regal oder an einer dafür eingerichteten Station bezahlen."

Als Douglas die Vorstandsidee vom mobilen Zahlterminal im vergangenen Jahr umsetzen wollte, waren als Hardware-Basis eigentlich Tablet-PCs wie das iPad vorgesehen - iPods schienen zu klein, um eine komplexe Kassenstruktur abzubilden. "Aber unser IT-Partner GK Software hat uns überzeugt, dass das funktioniert", berichtet der Kassenexperte.

Er sieht heute sogar deutliche Nachteile von Tablet-PCs im Kasseneinsatz: "Sie sind zu groß und zu schwer, um sie mit sich herumzutragen. Und wenn ein Verkäufer beispielsweise ein iPad irgendwo ablegt, ist die Gefahr groß, dass es gestohlen wird."

Bewährungsprobe Weihnachtsgeschäft

Die Bewährungsprobe im Alltag haben die bislang in den Filialen Lüdenscheid, Bielefeld, Karlsruhe und Kassel eingesetzten mobilen Kassen schon hinter sich: Im vergangenen Weihnachtsgeschäft konnten die Warteschlangen vor den klassischen Kassen deutlich reduziert werden.

"Dabei steht die Schnelligkeit bei uns nicht einmal im Vordergrund", sagt Baumann. "Vielmehr unterstützen die mobilen Kassen unseren Lifestyle-Gedanken optimal. Denn die Verkäuferin geht mit dem Kunden an das Regal und berät ihn. Anhand der Douglas Card beispielsweise sieht sie beim Bezahlen seine Kaufhistorie und kann ihm passgenaue Tipps geben und weitere Produkte empfehlen. Und der Kassiervorgang wird nebenbei abgewickelt."

Die bei Douglas eingesetzten iPods sind mit einer Kartenlesevorrichtung und einem Scanner versehen. "Zudem haben wir in den jeweiligen Filialen eine schlanke Zahlstation, an der die Produkte beispielsweise als Geschenke verpackt und Tüten gelagert werden."

Die klassischen Kassenplätze werden genau deshalb seiner Meinung nach nicht ganz überflüssig: "Filialen, in denen ausschließlich mobil kassiert wird, wird es nie geben. Zum Verpacken, für die Probenausgabe und all die anderen Dinge wie Formulare oder Stempel braucht man immer einen zentralen Platz."

Viele positive Rückmeldungen

Die DouglasMitarbeiter seien nach anfänglicher Skepsis nun "völlig begeistert" von der mobilen Bezahllösung, auch von den Kunden gab es bisher ausschließlich positive Rückmeldungen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Douglas nun alle Geschäfte in Deutschland oder gar in Europa mit iPods ausstattet: "Zum einen hat das pragmatische Gründe, denn mobile Bezahlstationen passen beispielsweise vom Platz oder der Inneneinrichtung her nicht in jede Filiale."

Zum anderen sei auch eine gute Datenverbindung unabdingbare Voraussetzung für den Einsatz im Geschäft: "Eine Filiale komplett bis zum letzten Winkel mit einer stabilen und schnellen WLAN-Verbindung auszuleuchten, ist aufwändig", weiß Baumann.

Noch komplizierter werde es, wenn man mobile Kassen im Außenbereich einsetze: "Das wäre in der ein oder anderen Filiale sinnvoll, aber dazu ist eine stabile Datenverbindung per UMTS nötig."

Langfristige Investitionen

Hinzu kommt das Problem der Investitionssicherheit: "iPods sind Geräte für Konsumenten, da ändert sich jedes Jahr etwas. Für den Unternehmenseinsatz brauchen wir aber Geräte und Standards, mit denen wir langfristig planen können", erläutert der Manager.

Daher ist Douglas auch mit klassischen Kassenherstellern im Gespräch. Die Haupthürde auf Seiten der Hersteller sei bislang, ob das Spitzengremium der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) dem Kassieren per mobilen Zahlterminals zustimmt.
"Allerdings können wir die Bedenken meist schnell entkräften. So muss etwa laut DK bei jedem Kartenzahlungsterminal aus Sicherheitsgründen ein Sichtschutz gewährleistet sein", nennt er als Beispiel. "Wir brauchen aber keinen Sichtschutz, weil das Gerät klein und handlich ist und der Kunde sich einfach wegdrehen kann."

Experiment gelungen

Grundsätzlich sieht Douglas das Experiment mit den mobilen Zahlterminals als gelungen an - das EHI Retail Institute offenbar auch, denn kürzlich wurde es als beste IT-Lösung des Handels mit dem Retail Technology Award Europe "für die beste In-Store-Lösung" ausgezeichnet.

"Unser Hauptanliegen war, Erfahrungen mit mobilen Kassen zu sammeln und die notwendigen Prozesse kennenzulernen, um unsere Filialverantwortlichen besser beraten zu können. Das haben wir erreicht", zieht Baumann Bilanz. "Ganz nebenbei haben wir auch Pionierarbeit geleistet und den Kollegen von anderen Unternehmen bewiesen, dass mobile Kassen funktionieren."

Sybille Wilhelm

Dieser Artikel ist in der April-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel erschienen. Ein kostenfreies Probeexemplar erhalten Sie hier