Douglas möchte Filial- und Online-Geschäft besser verzahnen - doch der Weg zum Multichannel-Anbieter dürfte steinig werden. Indessen stößt der Ausbau des Ladennetzes in Deutschland an Grenzen.

Beim Handelskonzern Douglas ist der Konzernchef bereits im digitalen Zeitalter angekommen: Ohne Papiere, sondern mit einem Tablet-PC schritt Henning Kreke bei der heutigen Bilanzpressekonferenz zum Redepult - und referierte über ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2009/2010 (bis 30. September).

Die Douglas-Gruppe steigerte die Umsätze um 3,7 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Vor allem in Deutschland lief es gut für die Parfümerien, die Thalia-Buchhandlugen, die Christ-Juweliergeschäfte und für die Confiserie-Tochter Hussel.

Nun soll sich dieser Erfolg auch bei dem Absatzkanal Internet bemerkbar machen: Gegenwärtig werden lediglich 5 Prozent der Gruppenumsätze im Netz erzielt, sagte Kreke. Diesen Anteil möchte er in den nächsten drei Jahren auf 10 Prozent verdoppeln.

Multichannel als Ziel

Der Weg zum Erfolg im E-Commerce führt laut Kreke unweigerlich über die stationären Filialen: "Wir wollen durch Plakate und Informationsbroschüren in den Filialen für unseren Webshop werben".

Douglas soll künftig deutlich als Multichannel-Anbieter positioniert werden. "Der Kunde sollte die Möglichkeit haben, ein Produkt im Internet zu bestellen und es als Geschenk verpackt in der Filiale abzuholen", gibt Kreke als Ziel aus.

Doch über die nötigen Investitionen, etwa in der Logistik, schweigt der Konzernboss: "Wir werden in das Onlinegeschäft so viel wie nötig investieren", ließ sich Kreke lediglich entlocken. Immerhin sind ihm die vielen Stolpersteine auf dem Weg zum Multichannel-Anbieter bewusst: "Die große Kunst liegt in der Umsetzung".

Händler wollen Alleskönner werden

Es ist offenbar unter Handelskonzernen Mode geworden, die totale Vernetzung von Filialen und E-Commerce als Ziel auszugeben - denn es handelt sich um eine gute Story für Investoren oder Aktionären. Doch vielerorts wird die Komplexität unterschätzt, die hinter der Aufgabe steckt.

Zuletzt gab Kaufhof bekannt, zum Multichannel-Alleskönner mutieren zu wollen. Doch bis der Kaufhausbetreiber in den Filialen etwa Retourenware aus dem
Onlinegeschäft zurücknimmt, dürfte noch einige Zeit vergehen.

Auch Douglas steht hier vor großen Herausforderungen. Eine hat der Konzernchef bereits erkannt: "Wir müssen den Mitarbeitern die Angst vor der Web-Konkurrenz nehmen". Oft würden sie aus Furcht vor Kundenverlusten davor zurückschrecken, den Internetshop zu empfehlen. "Dabei verlieren wir auf diesem Weg keine Kunden, wir binden sie eher ans Unternehmen."

Deutschland-Expansion stößt an Grenzen

Auf der Pressekonferenz äußerte sich Kreke optimistisch für das Geschäftsjahr 2011/12: "Wir erwarten einen Wachstum zwischen 2 und 4 Prozent", sagte er selbstbewusst. Auch die kronisch-problematische Textiltochter Appelrath & Cüpper soll dann ein positives Ergebnis erwirtschaften.

Das Ladennetz für die Parfümeriegeschäfte Douglas soll um 50 bis 60 Filialen europaweit ausgebaut werden, wobei die Expansion im Heimatmarkt Deutschland immer schwieriger wird: "Wir sehen zwar Potenzial in kleineren Städten", sagte Kreke, "doch meistens ist dort bereits eine lokale Parfümerie präsent".

Filialeröffnungen wäre an diesen Orten demnach lediglich durch Akquisitionen von kleineren Parfümeriebetreibern möglich, glaubt Kreke. Auch die Expansion in neue Einkaufszentren stockt, denn "es gibt in Deutschland dafür nur noch ein begrenztes Potenzial".

Optimismus für 2011

Kreke freut sich trotzdem sichtlich auf das Geschäftsjahr, das mit einem beachtlichen Umsatzwachstum von 4,5 Prozent im ersten Quartal gut angefangen hat - in Deutschland betrug die Steigerungsrate gar 5,5 Prozent.

In der Krise gönnten sich Douglas-Kunden kleine Freuden, was zu stabilen Umsätzen führte, sagte der Konzern-Chef oft. Im Konsumaufschwung werden sie sich erst recht bei Douglas oder Christ eindecken, so die Hoffnung.

Marcelo Crescenti, Düsseldorf