Wer Träume verkauft, muss in die Zukunft blicken: Douglas optimiert die Supply Chain mit einer intelligenten Dispositionssoftware.

„Trotz unseres anspruchsvollen Sortiments haben wir das Problem der Präsenzlücken und Überbestände geknackt“, sagte Dr. Michael Krings, Geschäftsführer Logistik & Verwaltung des Parfümeriefilialisten Douglas, auf dem Deutschen Logistik-Kongress Ende Oktober in Berlin. Als wichtigen Bestandteil nannte er dabei die Dispositionssoftware SAF SuperStore, die Douglas in mehr als 1.000 Filialen integrieren wird.

Bereits zwei Mal erhielt Douglas Parfümerie den ECR-Award der GS1 Germany für ihr innovatives Supply-Chain-Management-Konzept. Das Besondere daran: Douglas bearbeitet die Bestellungen sowohl dezentral als auch zentral. Zwar bestellen die einzelnen Filialen individuell direkt beim Lieferanten, aber alle Bestellungen werden dann von einer zentralen Station, der sogenannten „Cross Docking Station“, weiterverarbeitet.

Zum Vergleich: klassische Lieferketten sind entweder zentral oder dezentral organisiert. Sind sie zentral aufgestellt, erfolgt die Beschaffung durch das Zentrallager, das die einzelnen Filialen beliefert. „Der, der einkauft, ist nicht mehr der, der verkauft“, erläutert Krings die Nachteile dieser Strategie. „Die Gefahr ist deshalb groß, dass zu große Bestände eingekauft werden.“

Dezentrale Bestellungen verschenken viel

Bestellen die Filialen dezentral direkt bei den Lieferanten, ist es wiederum schwierig, Synergien zu nutzen, Transporte zusammenzulegen oder Rabatte der Lieferanten voll auszuschöpfen. Die Douglas-Gruppe vereint in ihrer Supply Chain die Vorteile beider Varianten.

Indem sie Aufgaben wie den Abgleich von Bestellung, Wareneingang und Rechnung und die Preisauszeichnung der Ware in die Cross Docking Stations auslagert, fällt in den Filialen deutlich weniger Arbeit an. Die Mitarbeiter gewinnen so mehr Zeit für den Service, der insbesondere bei den beratungsintensiven Produkten von Douglas eine große Rolle spielt.

Als letzten Baustein der Supply-Chain-Strategie stellt das Unternehmen nun von manueller, lieferantengetriebener auf automatische, kundenorientierte Disposition um. „Das war genau das, was uns noch gefehlt hat. Mit der Software schließen wir die letzte große Lücke auf dem Weg zur bestandslosen Bestellabwicklung“, verdeutlicht Krings.

Träume verkaufen heißt: Die Artikel sind lange im Regal

Das Sortiment von Douglas stellt besondere Herausforderungen an den Bestellprozess. Zum einen handelt es sich fast ausschließlich um langsamdrehende Artikel. So ist zum Beispiel eine Creme, die mehr als zwei Kunden im Monat kaufen, für Douglas schon ein Schnelldreher. In Drogeriemärkten wie dm gibt es solche Artikel gar nicht. „Wir verkaufen Träume“, erklärt Krings, „keine Produkte, die für den täglichen Bedarf zwingend erforderlich sind.“

Zum anderen lebt das Geschäft von Douglas von Promotionen – Sonderaktionen, Gutscheinaktionen und vielem mehr. Auch Faktoren wie Feiertage oder saisonale Schwankungen beeinflussen den Bedarf der Kunden. All das muss der Disponent berücksichtigen, wenn er den Verkauf der nächsten Wochen und Monate möglichst präzise vorhersagen will. Da das oft alles andere als trivial ist, kam es immer wieder zu Bestandslücken und Überbeständen. Dieser komplexe manuelle Bestellprozess verschlang außerdem viel Zeit, die den Mitarbeitern beim Kundenservice fehlte.

Präzisere Prognosen

Foto: Douglas
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Die Schweizer SAF AG ist auf automatische Prognose- und Bestelllösungen für den Handel spezialisiert. Mit komplexen mathematischen Methoden berechnet die Software auf Basis der historischen Abverkaufsdaten eines Artikels den künftigen Verkauf. „Diese Prognosen sind viel präziser als das, was der Disponent aus dem Bauch heraus schätzt“, wirbt der Softwarehersteller. „Gerade angesichts der riesigen Menge an Bestelldaten im Handel und der zahlreichen Faktoren, die den Verkauf beeinflussen, steigert die Software die Bestellqualität maßgeblich.“

„Am Anfang war ich sehr skeptisch“, gesteht Krings. „Wir haben ein so spezielles Sortiment. Ich hätte nie gedacht, dass eine Software das so gut abbilden kann.“ Nach dem Roll-out in den ersten 20 Filialen reduzierte Douglas jedoch die Out-of-Stock-Rate auf 1,5 Prozent und baute Überbestände ab. Gleichzeitig sank der Bestellaufwand für die Mitarbeiter um mehr als die Hälfte. Sie können sich seitdem verstärkt der Kundenbetreuung widmen – ein wichtiger Aspekt für Douglas, da der Service eines der wesentlichen Unterscheidungsmerkmale zu anderen Wettbewerbern ist.

Lilith Braun