Die Lage der angeschlagenen Warenhauskette Hertie ist laut einem Zeitungsbericht verheerend. Verdi berichtet von Lücken im Sortiment.

Die Tageszeitung "Die Welt" berichtet in ihrer Dienstagausgabe von zweistelligen Umsatzeinbußen bei Hertie. In manchen Bereichen sind es gar 25 Prozent, wie Aufsichtsrat Johann Rösch von der Gewerkschaft Verdi dem Blatt sagte.

Im zehnten Monat der Insolvenz gebe es Lücken im Sortiment, die selbst durch geschickte Dekoration kaum noch zu vertuschen seien. Die Lieferanten schickten weniger Ware als notwendig, sagte Rösch.

Ein Sprecher von Insolvenzverwalter Biner Bähr sagte dem Blatt: "Es wird weiterhin Ware bestellt und auch geliefert. Mit dem Umsatz sind wir ganz zufrieden." Der Deutschen Presse-Agentur dpa sagte er, es gebe keine größeren Lücken.

Annäherung beim Mietvertrag

Laut Gewerkschafter Rösch soll es zuletzt eine Annäherung im Streit mit dem Hauptvermieter, der britischen Dawnay Day, über die Miethöhe gegeben haben. "Dawnay Day ist jetzt wohl bereit, die Miete zu senken. Aber nur auf Basis von extrem kurz laufenden Mietverträgen", sagte Rösch der Zeitung. Die vorgeschlagene Laufzeit liege zwischen drei und neun Monaten. Das sei aber völlig inakzeptabel.

Rösch betonte, dass Hertie mindestens eineinhalb bis zwei Jahre allein für den Turnaround benötige. "Mit solch kurz laufenden Mietverträgen wird sich kein seriöser Investor finden", sagte das Aufsichtsratsmitglied der "Welt". Rösch war am Dienstag für eine Bestätigung zunächst nicht zu erreichen. Der Sprecher des Insolvenzverwalters wollte die Verhandlungen nicht kommentieren. Das Insolvenzverfahren ist am 2. März eröffnet worden.

Gläubigerversammlung Ende Mai

Hertie betreibt noch 54 Warenhäuser und beschäftigt 2.800 Mitarbeiter. Sechs Objekte wurden dieser Tage verkauft. Sollte sich kein Käufer finden für die weiteren Häuser finden, droht die Schließung.

Bähr verhandelt nach eigenen Angaben seit Wochen mit einem Interessenten. Für den 20. Mai ist die Gläubigerversammlung angesetzt.