Auf der Messe EuroCIS kann man die Zukunft des Handels bestaunen - oder zumindest die Visionen der IT-Hersteller. Sie reichen von der Duftdusche am POS bis zur automatischen Alterserkennung.

Ein Mann betritt den Laden, und prompt ändert sich der Werbespot auf dem Bildschirm: Statt Sommerkleider werden nun Herrenanzüge angepriesen. Eine Software zur Gesichtserkennung hatte zuvor den Kunden als männlich erkannt und automatisch die Werbespots im entsprechenden Instore-Medium angepasst.

"Erkenne deine Kunden" heißt eine der Devisen auf der IT-Messe EuroCIS in Düsseldorf, dem Branchentreff für Handels-IT schlechthin. Schon beim Betreten des Ladens wird der potenzielle Käufer von Kameras erfasst, Programme mehrerer Hersteller erkennen automatisch Merkmale wie Geschlecht oder Alter. Das Ziel: weniger Streuverluste bei der Werbung am POS - und natürlich auch mehr Informationen über die eigene Kundschaft.

Der Kunde soll sich aber auch selbst erkennen - und zwar auf digitalen Spiegeln im Laden, die zum Beispiel eine Projektion seines Ichs mit den Schuhen oder der Jacke, die man vielleicht erwerben will, zeigt - ohne, dass er sie tatsächlich anprobieren muss. Auf einer anderen Spiegeloberfläche kann der Kunde ein Foto von sich selbst im neuen Outfit machen und der Freundin zur Begutachtung per Mail schicken.

Verschmelzung der stationären und virtuellen Umgebung

Web 2.0 im Geschäft, die Verschmelzung der stationäre Umgebung mit dem Internet  - das ist eine der großen Trends auf der EuroCIS - genauso wie die elektronische Aufrüstung des Point of Sales. Auf dem IBM-Stand etwa kann man eine Duftdusche erleben, die Kaufimpulse auslösen soll. „Es riecht nach Fanta!", sagte ein Besucher erstaunt.

Doch nicht nur für die Kunden hält man in Düsseldorf Lösungen parat, sondern auch für die Prozesse hinter der Handelsbühne. Wincor Nixdorf etwa zeigt in einem streng abgeschirmten Raum ein neues System für Bargeldhandling. An der Kasse kommen die Scheine in eine Kassette, die verschlossen zur Bank getragen wird.

Im Optimalfall wandern diese Kassetten in Zukunft gleich in den nächsten Geldautomaten, der die Banknoten ausspuckt, mit denen Kunden einkaufen und damit ihre Scheine an der Kasse abgeben, die dann wieder in den Geldautomat landen. Bis der Traum vom geschlossenen Bargeldkreislauf wahr wird (wenn überhaupt), werden jedoch noch viele Jahre vergehen.

Weniger faule Erdbeeren

Gedanken um die verderbliche Ware im Lebensmittelhandel hat sich der Kassenhersteller Toshiba gemacht - und ein System entwickelt, das die Preise einer Obst- oder Gemüsesorte automatisch senkt, wenn die Kassendaten zeigen, dass sie sich zu wenig verkauft. Der zusätzliche Kaufimpuls durch geringere Preise soll vermeiden, dass die Erdbeeren, die der Händler zuviel bestellt hat, am Ende des Tages weggeworfen werden müssen.

Insgesamt investiert die Handelsbranche weiter kräftig in IT: „Man kann nicht von Zurückhaltung sprechen", sagt Ullrich Spaan, Experte für POS-Systeme im EHI Retail Institute. Vor allem das Selbstkassieren ist auf dem Vormarsch. Für Spaan ist aber auch die Verbindung der Kassensysteme mit mobilen Geräten derzeit ein Megatrend: Die Kassendaten und auch -funktionalitäten hat man damit überall parat.

Die Hauptbotschaft der EuroCIS: Die Handelsbranche investiert weiter. Auch in der Krise.