Im Tarifkonflikt des deutschen Einzelhandels ist der Durchbruch geschafft. Der Abschluss in Nordrhein-Westfalen könnte Vorbild für alle anderen Tarifbezirke sein.

Die Tarifeinigung sieht eine zweistufige Einkommenserhöhung vor, wie die Einzelhandelsverbände HDE und BAG sowie die Gewerkschaft Verdi am Donnerstag in Berlin mitteilten.

Demnach erhalten die rund 440.000 Beschäftigten im nordrhein-westfälischen Einzelhandel nach vier Nullmonaten zum 1. September dieses Jahres 2,0 Prozent mehr Geld. Eine Anhebung um 1,5 Prozent folgt am 1. September 2010.

Außerdem sei für 2010 eine Einmalzahlung in Höhe von 150 Euro vorgesehen. Weitere 150 Euro (Auszubildende 75 Euro) stehen den Beschäftigten für das Jahr 2011 im Rahmen eines separat vereinbarten Tarifvertrags als "nicht tabellenwirksame Vorsorgeleistung" zu. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 24 Monaten.

NRW-Abschluss mit Pilotfunktion

Die beiden Arbeitgeberverbände sehen "die Möglichkeit, dass dieser Tarifabschluss Pilotfunktion für die Branche hat". Der Kompromiss in Nordrhein-Westfalen sei Ergebnis einer "schwierigen Gratwanderung zwischen Einkommensperspektive und verantwortbarer Kostenbelastung", erklärte der Vorsitzende des gemeinsamen Tarifpolitischen Ausschusses von HDE und BAG, Rainer Marschaus.

"Unser Hauptziel war eine spürbare Anhebung der Reallöhne. Dies ist mit Blick auf die Preissteigerungsraten gelungen", sagte ihrerseits die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane am Donnerstag in Berlin. Gleichzeitig seien betriebliche Öffnungsklauseln verhindert worden, die den Arbeitgebern eine Aufschiebung der Tarifsteigerung ermöglicht hätten.

Die Gewerkschaft Verdi hatte in den Verhandlungen im NRW-Einzelhandel ursprünglich 6,5 Prozent, mindestens aber 135 Euro mehr Geld verlangt.

dpa / DH