Auch Jammern auf hohem Niveau ist letztlich Jammern. Das gilt für die Fans des E-Books in den USA, die in den vergangenen Monaten meist tief Luft holen mussten, wenn sie die Umsatzzahlen anschauten: Knapp mehr als 30 Prozent aller Bücher werden in elektronischer Version gekauft, sie machen beim Umsatz gut 15 Prozent des US-Buchmarkts aus. Vorbei ist die Zeit der dreistelligen Zuwächse, bescheidenere Brötchen müssen jetzt gebacken werden. Die forschen Statements, wonach elektronische Bücher ihre gedruckten Verwandten locker abhängen werden, sind jedenfalls seit einiger Zeit nicht mehr zu hören.

Aber, wie wir das ja als eingeschworene Asterix-Fans wissen, irgendwo gibt es immer eine Art gallisches Dorf, das sich dem Trend entgegenstemmt. In unserem Fall übernehmen ausgerechnet die Kinder die Rolle der Gallier, den Zaubertrank gegen die Verzweiflung am schrumpfenden E-Book-Wachstum rühren deren Eltern an.

Weihnachtsgeschäft soll E-Books beflügeln

Die rührigen Kollegen von Digital Book World haben eine Studie erarbeitet, die den trauernden Rittern des E-Books, wenn nicht Superkräfte, so doch wenigstens Hoffnung einflößen sollte.

Das Fazit: Im Weihnachtsgeschäft wird es kräftig rauschen. Denn 46 Prozent der befragten Eltern gaben an, den lieben Kleinen ein Lesegerät unter den Weihnachtsbaum legen zu wollen, und mehr als die Hälfte dieser Eltern versicherte, das Gerät solle ausschließlich dem Nachwuchs zum Lesen, Lernen und Spielen überlassen werden. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg um 6 Prozentpunkte. Noch höher fiel die Zahl der Eltern aus, die ihren Kindern E-Books zu Weihnachten schenken wollen: 73 Prozent. Für die Studie wurden 603 Eltern mit Kindern im Alter von 2 bis 13 Jahren befragt.

Bei den Lesegeräten spielen die reinen E-Book-Reader kaum noch eine Rolle, hier wird die Darstellung wohl als zu wenig kindgerecht empfunden. Tablets sollen es also sein, und dabei hat der Kindle Fire die Nase vorn – 29 Prozent der Befragten gaben an, dieses Gerät kaufen zu wollen. Auch in Deutschland bewirbt Amazon den Kindle Fire übrigens in Fernsehspot besonders als Lesegerät für Kinder, das weitreichende Eltern-Kontrolle über Inhalte und Nutzungsdauer erlaubt. Der iPad rutschte bei den Kaufabsichten mit 19 Prozent auf Platz drei ab und wurde von den Androiden überholt, die im Vergleich zum Vorjahr von 11 Prozent Kaufabsicht auf 20 Prozent sprangen. Dabei spielen sicherlich die große Gerätevielfalt und die damit verbundenen niedrigen Preise eine wichtige Rolle.

Sollte sich der Trend zu den Androiden fortsetzen, dürfte dies Auswirkungen auf die Verlagsarbeit haben: Aufgrund der wenig befriedigenden Darstellungen von Bilderbuch-Inhalten mit EPUB und pdf hatten sich die Kinderbuchverlage in der Vergangenheit vor allem auf Content für das Apple-System konzentriert.

E-Books sind unschädlich

Bleibt die Frage, ob das eigentlich so gut ist, wenn die Kids schon von klein auf ans digitale Lesen gewöhnt werden. Auch darauf gibt es ein klares „Jein“ als Antwort: Eine Studie des New Yorker Joan Ganz Cooney Centers hat ergeben, dass Kinder lieber E-Books lesen als gedruckte Bücher. Das Leseverständnis werde durch E-Books nicht beeinträchtigt. Allerdings, so die Studie, seien zu viele interaktive Möglichkeiten der Sache abträglich: dann nämlich würden die Kids ständig abgelenkt und würden mehr herumklicken als Lesen und Lernen.