"Das Geschäftsgebaren vieler Multimedia-Agenturen entwickelt sich zu einer Belastung für die Fortentwicklung des E-Business", kritisiert Marek Wojcicki von Heaven 21.

"Das Geschäftsgebaren vieler Multimedia-Agenturen entwickelt sich zu einer Belastung für die Fortentwicklung des E-Business", kritisiert Marek Wojcicki, Vorstandschef der Kölner Unternehmensberatung Heaven 21.

Die klassischen Beratungshäuser und die Multimedia-Agenturen seien zu einseitig orientiert. Entweder fehle die technologische Kompetenz oder es mangele am Verständnis für Geschäftsstrategien: "Im Internet wachsen die Abhängigkeiten zwischen Technologie, betriebswirtschaftlichen Fragestellungen, Kommunikation und Medien. Transaktionsprozesse müssen in den Webauftritt integriert werden. Die Kunden wollen kaufen, verkaufen und Angebotsvergleiche einholen. Hier fehlt den Multimedia-Agenturen die betriebswirtschaftliche Kompetenz. Diese Defizite kann man nicht mit reißerischen Ankündigungen, verrückten Internet-Ideen, bunten Bildern und netten Partys kompensieren", so Wojcicki weiter. Wer hinter die Fassaden der Kultfirmen der Web-Wirtschaft schaue, erkenne nette Büros, lustige und engagierte junge Leute, kreative Design-Entwürfe. Mehr sei allerdings nicht vorhanden. Die meisten Multimedia-Agenturen seien nicht tauglich für die Börse.

"Ihr Unternehmenswert ist belanglos. Ich rechne daher nicht damit, dass die so genannten Penny Stocks noch einmal bessere Zeiten erleben. Es wäre nur konsequent, sie vom Kurzzettel zu streichen. Viele Unternehmen der Neuen Medien haben ihre Ursprünge im Agenturgeschäft. Sie haben große Schwierigkeiten im Umgang mit neuen Kunden. Plötzlich spricht man nicht mehr mit Personen aus der Marketing-Abteilung, sondern mit Einkäufern oder Finanzexperten. Es handelt sich zunehmend um Aktivitäten mit Geschäftskunden, die das Internet zusätzlich als Medium für ihr Unternehmen nutzen wollen", betont Wojcicki.

Auch nach dem Crash des Neuen Marktes sieht der frühere Arthur Andersen-Partner in Deutschland noch gute Chancen, ein Klima für neues Unternehmertum zu schaffen. Das Internet müsse als Kommunikationsmedium begriffen werden, "das den Informationsfluss bestehender und neuer Prozesse vom Sender zum Empfänger einer Botschaft abbildet, wenn der volle Nutzen des Netzes im E-Business ausgeschöpft werden soll", sagt Wojcicki.

Neue technische Entwicklungen hätten konventionelle Rationalisierungsmaßnahmen der 90er Jahre abgelöst, gibt sich Wojcicki überzeugt. "Von heute auf morgen sehen sich Kunde und Berater mit völlig neuen Probleme konfrontiert", ergänzt Wojcicki, der daraus Konsequenzen für sein eigenes Beratungskonzept gezogen hat. Das Internet sei eine sehr wichtige neue Technologie und es sei daher nicht überraschend , dass es so viel Aufmerksamkeit von Unternehmern, Vorständen, Investoren und Wirtschaftsbeobachtern erhalte. "Wir müssen uns allerdings von dem rhetorischen Gebrauch der Wörter 'Internet-Industrie', 'E-Business' und 'New Economy' wegbewegen und das Internet als das sehen, was es ist: ein kraftvolles Paket an Möglichkeiten, welches sinnvoll oder auch sinnlos in jedem Industriezweig und als Teil jeder Strategie eingesetzt werden kann", so Wojcicki weiter.

Für künftige Geschäftsstrategien müsse man die Frage beantworten, wie das Internet sinnvoll eingesetzt werden kann. "Sehr viele Internetfirmen sind künstliche Unternehmen, die mit Risikokapital hochgepuscht und künstlich am Leben gehalten wurden. Die Entwicklung des Marktes zeigt aber, dass die alten Regeln ihre Bedeutung zurückgewinnen. Die Schaffung neuer wirtschaftlicher Werte ist der entscheidende Indikator für den Erfolg eines Unternehmens", skizziert Wojcicki die Lage. (ST)


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