Wer die Ware nicht pünktlich zum Kunden bringt, geht Pleite! So lautet die unumstößliche Regel in einem Verbraucher-dominierten Markt, der von einem ungebremsten Verlangen nach Convenience beherrscht ist.

Wer die Ware nicht pünktlich zum Kunden bringt, geht Pleite! So lautet die unumstößliche Regel in einem Verbraucher-dominierten Markt, der von einem ungebremsten Verlangen nach Convenience beherrscht ist.

Die Auswirkungen von fehlgeleiteten oder unzulänglichen Service- und Logistik-Konzepten hat die E-conomy in ihrem Weihnachtsgeschäft des vergangenen Jahres zu spüren bekommen, als ein Viertel der Online-Bestellungen nicht termingerecht auf dem Gabentisch lagen. Auch der stationäre Handel und die Industrie haben erkennen müssen, dass angesichts nicht optimal funktionierender Service- und Logistik-Konzepte die Qualität und die schnelle Verfügbarkeit von Informationen neben Arbeit, Boden und Kapital zum ebenbürtigen, wenn nicht dominierenden Wettbewerbsfaktor geworden sind. Vor dem Hintergrund dieser neuen Marktanforderungen gehen Logistik-Dienstleister einem chancenreichen Zeitalter entgegen, aber auch all jene Marktteilnehmer, die es verstehen, über das Netz strategische Wettbewerbsvorteile zu erlangen.

Im vergangenen Jahr haben europäische Web-Shops, nach Angaben der Boston Consulting Group (BCG), rund 3,5 Milliarden Euro umgesetzt. Für das laufende Jahr sagt die BCG eine Steigerung auf neun Milliarden Euro voraus.

Gemessen an den zu erwartenden Umsatzpotenzialen auf dem Business-to-Business-Sektor (B2B) , sind die über Online-Shopping generierten Umsätze recht gering. In drei Jahren, dies besagen unterschiedliche Studienergebnisse, werden über 15 Prozent des B2B-Volumens (27 Billionen Euro) über das Internet generiert.

In Zukunft haben Geschäftsmodelle wie Dell und Cisco, die ihre Geschäftsabläufe vollständig auf das Internet umgestellt haben, Vorbildfunktion. Danach werden Waren, gleichgültig welcher Art, nicht mehr auf Halde produziert, sondern nach individuellen Wünschen der Verbraucher. Ein Gelingen ist nur dann möglich, wenn sich die Unternehmen auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und beispielsweise Serviceleistungen und Logistikprozesse an externe Dienstleister vergeben. Hohe Gewinnpotenziale liegen heute in der Optimierung des Vertriebs, der Logistik und der Service-Abteilungen.

Schnelle Märkte, verkürzte Produktlebens- und Innovationszyklen sowie die weltweite informationstechnische Vernetzung erfordern hochverfügbare Logistiksysteme. "Durch flexible, global und kooperativ geführte Netze wird die Logistik herausgefordert, bei steigenden Güteraufkommen mit hohen Belieferungsfrequenzen und geringeren Sendungsgrößen noch engere Zeitfenster zu bedienen, um dadurch auch den steigenden Service-Anforderungen zu genügen", heißt es in der aktuellen Studie "Trends und Strategien in der Logistik 1999/2000" von der Technischen Universität Berlin.

Informations- und Kommunikationsysteme spielen in der Logistik eine immer größere Rolle und führen zu einer nachhaltigen Ausweitung der logistischen Aufgabenfelder. Sie gewährleisten die effiziente Umsetzung der elektronischen Geschäftsabwicklung (Business), die fortschreitende logistische Vernetzung weltweit tätiger Unternehmensverbünde sowie die Umsetzung prozessübergreifender logistikrelevanter Managementkonzepte wie Supply Chain Management in der Industrie oder Efficent Consumer Response im Handel.

Im E-Business gelten andere Spielregeln. Unternehmen optimieren Teile ihrer Wertschöpfungskette und bieten die daraus entstehenden Leistungen Dritten an, und diese können sogar direkte Mitbewerber sein. Projektbezogen kooperieren Unternehmen miteinander, um zu einem späteren Zeitpunkt wieder als Konkurrenten am Markt aufzutreten. Quer durch alle Branchen entstehen Kooperationen auf Zeit, die sich durch ein hohes Maß an Know-how, Effizienz und Flexibilität auszeichnen. Die Koordination erfolgt über das Internet.

Obwohl das Internet nicht nur internationalen Konzernen Einsparpotenziale ermöglicht, sondern auch dem bodenständigen Unternehmen von nebenan, sind es in der Mehrheit bislang immer noch die Marktführer, die sich neue Technologien zur Optimierung ihrer Supply Chain zunutze machen.

Anette Hämmerling


Weitere Informationen über das Thema "E-Business braucht E-Logistics" veröffentlicht CYbiz, das Fachmagazin für Erfolg mit E-Commerce, in seiner Ausgabe Nr. 04/2000, die am 29. März 2000 beim Leser sein wird. Interessenten erfahren in der Titel-Story anhand von Praxisbeispielen zu logistischen Outsourcing-Projekten und aktuellen Studienergebnissen mehr über die Bedeutung und über praktische Anwendungen von Logistik-Dienstleistungen im E-Business.