Unter dem Motto "Digitalisierung der Wirtschaft - Erfolg mit E-Commerce" fand am Abend des 10. Februars vor rund 700 Teilnehmern eine bemerkenswerte Veranstaltung statt.

Unter dem Motto "Digitalisierung der Wirtschaft - Erfolg mit E-Commerce" fand am Abend des 10. Februars vor rund 700 Teilnehmern eine bemerkenswerte Veranstaltung statt.

Veranstalter waren die Digitale Stadt Düsseldorf, das Multimedia Competence Center, die Industrie und Handelskammer Düsseldorf sowie die Commerzbank Düsseldorf. Den Anwesenden wurde ein abwechslungsreiches und informatives Programm zum Themenbereich E-Commerce geboten. Referenten und eine Podiumsdiskussion beleuchteten verschiedene Facetten des E-Commerce. Die Veranstaltung wurde mit Unterstützung der Telekom live im Internet übertragen, wo noch einmal rund 1 000 Interessierte die Veranstaltung am Bildschirm verfolgten.

Karl-Heinz Stiegemann, Direktor der Commerzbank Düsseldorf, und Ulrich Hähner aus der Geschäftsleitung waren stolz, mit ihrem Angebot ein solch großes Interesse geweckt zu haben. Besonders erfreulich war, dass sowohl in den Ansprachen als auch in der Podiumsdiskussion, die von CYbiz-Chefredakteur Rainer Simon geleitet wurde, die vielfältigen Objekte und Projekte von Stadt, Land und IHK in Zukunft besser koordiniert und arbeitsteilig abgestimmt werden sollen. Düsseldorfs Oberbürgermeister Jochen Erwin schlug zudem eine Initiative vor, die unter dem Stichwort "E-Business Düsseldorf" das Thema Internet sowohl bei den Bürgern als auch bei den Unternehmen stärker verankern soll. "Der Umgang mit den neuen Medien soll so selbstverständlich werden wie der mit der Fernbedienung des Fernsehers", forderte Erwin. In Richtung der Unternehmen appellierte der OB, sich die Absatzpotenziale via Internet nicht entgehen zu lassen.

Regierungspräsident Jürgen Büssow vertrat NRW-Ministerpräsident Klement. Büssow argumentierte ähnlich, wies aber auch eindringlich darauf hin, dass E-Commerce nicht nur absatzseitig zur Anwendung kommen müsste, sondern in der gesamten Wertschöpfungskette der Unternehmen. Das heißt im Einkauf oder Beschaffung, interne und externe Kommunikation, Warenwirtschaft und schließlich auch im Marketing und Vertrieb. Ein Trend sei auch die Bildung von virtuellen Marktplätzen für Unternehmen und Kunden sowie das Anwachsen von sogenannten "Communities", wo sich diverse Interessensgruppen eine Internet-Plattform schaffen und Angebot und Nachfrage bündeln. Büssow verwies auch auf die zahlreichen Initiativen des Landes NRW wie u.a. die Medienwirtschaftsförderung, Cross-Over-Media, die Mediainitiative sowie die E-Commerce-Initiative NRW. Durch diese Förderungen und Projekte würden 250.000 Unternehmen in NRW erreicht. Büssow unterstrich darüber hinaus, dass auch die Verwaltung das Internet wesentlich stärker nutzen müsste, um die Bürger schneller mit Dienstleistungen zu erreichen. Dazu gehören u.a. Ummeldungen, Eintragungen etc. Das Rationalisierungspotenzial sei hoch, Ressourcen sollten dann aber nicht freigesetzt, sondern der Verbesserung der Dienstleistungsqualität zu Gute kommen.

Prof. Dr. Gerhard Schub von Bossiazky stellte den Teilnehmern in Düsseldorf Perspektiven des E-Commerce dar. Vor allem im Handels- und Dienstleistungsbereich würde das Internet zu massiven strukturellen Veränderungen führen. Die traditionellen Anbieter müssten sich der Herausforderung stellen und Internet bzw. E-Commerce als strategisches und operatives Instrument in ihre Unternehmensstrukturen integrieren. Wichtig: Bei der Einführung von E-Commerce ist schrittweise vorzugehen, und zwar mit klaren und präzisen Analysen und Zielformulierungen. "Ein schnell aufgebauter E-Shop bringt nichts", warnte Prof. Schub. Schon heute seien viele Betriebe frustriert, weil ihre Online-Angebote von den Kunden - ob geschäftlich oder privat - nicht wahrgenommen werden. Und: "E-Commerce ist Chefsache!" Will heißen, dass das Thema E-Business nicht der EDV-Abteilung vorbehalten bleiben darf, denn schließlich geht es nicht vorrangig um eine technische, sondern betriebswirtschaftliche Aufgabe.

Chef-Ökonom Dr. Jürgen Pfister von der Commerzbank stellte die volkswirtschaftlichen und gesamtwirtschaftlichen Aspekte von E-Business dar. Kurzfristig würde die Informationstechnologie zu mehr Arbeitslosigkeit führen, doch mittel- und langfristig einen deutlichen Schub in der Beschäftigung bewirken. Insgesamt sei Electronic Commerce volkswirtschaftlich als positiv einzuordnen. Eire Prognose, welche Branchen oder Unternehmen zu den Gewinnern im E-Commerce zählen, wollte Dr. Pfister freilich nicht geben. Er bemerkte aber, dass die Veränderungen im Handelsbereich am stärksten sein würden.

Dr. Udo Siepmann, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf ist sich mit seinen Kollegen aus Land und Stadt einig, dass die Institutionen viel stärker koordiniert arbeiten müssten. "Warum müssen wir viele Dinge parallel machen, wo es doch sinnvoll wäre, die Stärken und Kompetenzen zu bündeln." Probleme sieht Siepmann allerdings bei der großen Nachfrage nach Fachkräften speziell im Themenfeld Informationstechnologie/Internet. "Vom Arbeitsamt bekommen wir hier kaum Kandidaten", formulierte er seine Kritik und fand hier auch die Zustimmung von OB Erwin und Regierungspräsident Büssow. Alle warnten davor, dass eine Abwanderung von Branchen und Firmen drohe, wenn nicht schnell entsprechende Initiativen und Projekte forciert würden, um das chronische Defizit an Fachkräften zu mildern.

Martin-Christian Schmidt, geschäftsführender Gesellschafter der Walther Flender Gruppe in Düsseldorf, stellte Motive und Ziele vor, warum er in seinem Unternehmen E-Commerce eingeführt habe. Einmal verspreche er sich Wettbewerbsvorteile - die Flender-Gruppe produziert als mittelständisches Unternehmen mit 240 Mitarbeitern Antriebs-, Förder- und Lagertechnik -- und zum anderen Einspotenziale bei der Abwicklung von Geschäftskunden-Aufträgen, die nur einen geringen Wert haben und deshalb automatisch abgewickelt werden sollen. Schmidt verschwieg auch nicht Probleme bei dem Projekt. U.a., dass die Federführung der E-Commerce-Aktivitäten zunächst im EDV-Bereich angesiedelt war.

CYbiz-Chefredakteur Rainer Simon formulierte zusammenfassend einige Kernpunkte aus den Vorträgen und aus der Podiumsdiskussion:

1. E-Commerce muss in den Unternehmen betriebswirtschaftlich und nicht technisch getrieben verankert werden.
2. Die Unternehmen müssen sich im klaren sein, dass je nach bestehender EDV- und Datenstruktur nicht unbeträchtliche Investitionen zu tätigen sind.
3. Bei der Einführung von E-Commerce-Projekten spielt die interne (Mitarbeiter) und externe (Privat- und Firmenkunden; Lieferanten etc) Kommunikation eine wichtige Rolle.
4. Klare Analysen und die realistische Formulierung von Zielen bieten die Basis für erfolgreiches E-Commerce-Management.
5. Damit die öffentlichen Institutionen (Land, Kommunen, IHK´s etc.) mit ihren Förderungen und Projekten für die Unternehmen effizienter und nutzenorientierter arbeiten können, muss eine Arbeitsteilung und Koordination der Aktivitäten erfolgen, wie es in Düsseldorf von den Verantwortlichen nicht nur angeregt, sondern auch versprochen wurde.

Aus Düsseldorf berichtete Rainer Simon.