Die Chemiefaser- und Textilindustrie steht wie andere Branchen auch unter massiven Druck. Auf der 39. Internationalen Chemiefaser-Tagung im österreichischen Dornbirn wurden die Herausforderungen diskutiert. Auch E-Commerce war dort ein Thema, das aber in der Praxis der Unternehmen kaum stattfindet.

Die Chemiefaser- und Textilindustrie steht wie andere Branchen auch unter massiven Druck. Auf der 39. Internationalen Chemiefaser-Tagung im österreichischen Dornbirn wurden die Herausforderungen diskutiert. Auch E-Commerce war dort ein Thema, das aber in der Praxis der Unternehmen kaum stattfindet.

Vom 13. bis 15. September fanden sich über 700 Manager aus der ganzen Welt zusammen, um in zahlreichen Vorträgen und Workshops Perspektiven und Lösungen der höchst spezialisiert arbeitenden Branche zu diskutieren. Ein Thema war auch "E-Commerce in der textilen Kette", das von CYbiz-Chefredakteur Rainer Simon (Frankfurt/Main) geleitet und moderiert wurde. Referenten waren Prof. Thomas Fischer vom Institut für Verfahrenstechnik (ITV) in Denkendorf, Constantin Carl von der Janet GmbH in München, Wolf Hackl von der Sympatex Technologies GmbH in Wuppertal sowie Dr. Torsten Osthus von Osthus & Partner in Aachen.

Prof. Fischer konstatierte zwar, dass in vielen Textilunternehmen ernsthaft über den Einstieg ins E-Business nachgedacht werde. Befriedigende Ergebnisse seien jedoch in den seltensten Fällen zu verzeichnen. Dei Ursachen: enorme Entwicklungsdynamik der Technologien, der Geschäftsmodelle und der Anbieter. Die Wahl der richtigen Strategie und von kompetenten Partnern gestalte sich äußerst schwierig. Den Unternehmen rät Prof. Fischer, sich zuerst über eine E-Business-Strategie im Klaren zu werden und sich dann mit der Anwendbarkeit der neuen Technologien in den entsprechenden Geschäftsfeldern zu beschäftigen. Kritisch sieht der Denkendorfer Spezialist die Überbewertung bzw. die Bedeutung der "New-Economy-Unternehmen", die mit der Wirklichkeit wenig zu tun hätten. Das gelte auch für deren Angebote für Unternehmen wie zum Beispiel die Chemiefaser- und Textilindustrie. Dennoch - so das Fazit von Prof. Fischer - gäbe es interessante Einsatzfelder der Internet-Technologie. Und die Branche müsse sich rasch damit beschäftigen, um nicht Boden zu verlieren. Unter anderem gehe es auch darum, mit Hilfe der Internet-Technologie Kernkompetenzen zurück in die Betriebe zu holen.

Ähnlich argumentierte aus Anwendersicht Wolf Hack, IT-Manager bei Sympatex. "E-Confusion" nannte er sogar das, was viele E-Business-Anbieter auf die Unternehmen niederprasseln lassen. Die Verantwortlichen in den Unternehmen seien überfordert, die Software-Angebote mehr anbieter- als anwenderorientiert. Neben der Hype der New Economy, die sich selbst zelebriere, erkennt Hackl aber dennoch eine massive Veränderung der Geschäftswelt. Für die Unternehmen bedeute dies deshalb, sich strategisch zu positionieren und möglicherweise Geschäftsprozesse neu zu strukturieren. Hackl warnte auch davor, irgendeine Software zu kaufen ohne ein klares Geschäftskonzept. Da alle Bereiche des Unternehmens von E-Business betroffen sind, müsse die Initiative auch vom Top-Management ausgehen.

Wie 3D-Business-Software Geschäftsprozesse im Internet optimieren kann, demonstrierte Constantin Carl vom Münchener Unternehmen Janet. Besonders in den Bereichen Support, Wartung, Produktentwicklung, technische Dokumentation und Sales würde dadurch ein signifikanter Zusatznutzen geschaffen. Kommunikationsprozesse würden erheblich beschleunigt und Fehlerquoten reduziert. Kosten- und Einsparungspotenziale für die produzierende Industrie seien möglich. Die Kosten für 3D-Software gab Carl je nach Einsatzgebiet und Aufwand der Programmierung ab mindestens 50.000 DM an. Vor allem Maschinenbau und Automobilindustrie zählt Carl zu seinen Kunden.

Nicht gerade zu den Vorreitern im E-Business zählt Berater Thorsten Osthus die Textilunternehmen in Deutschland. Zwar würden fast alle über E-Mail- und Internet-Anschluss verfügen, einige über Image-Präsentationen im Internet. Aber E-Commerce? Fehlanzeige! Dabei könnte gerade die Textilindustrie mit ihren hochkomplexen und spezialisierten Produkten von den neuen Medien profitieren. Osthus zeigte mögliche Einsatzfelder in der textilen Wertschöpfungskette auf und demonstrierte einige Anwendungen aus Branchenportalen, wo z.B. Lagerware oder gebrauchte Investitionsgüter abverkauft werden könnten.

In den intensiven Diskussionen vor allem nach dem Forum zeigte sich noch einmal, dass die Branche einen enormen Informations- und schließlich auch Handlungsbedarf zum Thema E-Commerce hat. Einig waren sich auch alle Beteiligten in Dornbirn, dass die Anbieter für E-Commerce-Software und -Dienstleistungen mit ihrer Kommunikation und ihren Produkten - leider - weitgehend am Mittelstand und damit am Markt vorbei arbeiten. Berücksichtigt man noch zusätzlich, dass sich die Textil-Branche alles andere als offen für E-Business zeigt, dann stehen die Zeichen nicht besonders günstig für einen Industriezweig, der durch Globalisierung und Kostendruck heftig unter Druck steht. Freilich: Die Einführung von E-Business löst nicht all diese Probleme, kann jedoch ein Schritt zur besseren Positionierung sein. Die Referenten in Dornbirn waren sich auch einig: Was bei E-Commerce/E-Business als völlig neu verkauft wird, ist letztlich Altbekanntes und Bewährtes: Die permanente Optimierung der Prozesse und die möglichst effiziente Gestaltung der Wertschöpfungskette durch neue Methoden und Wege. Nicht mehr - aber auch nicht weniger. (RS)