In Berlin haben sich gestern 31 Ersatz- und Betriebskrankenkassen zu der "Initiative für den Arzneimittelversandhandel" zusammengeschlossen. Mit dem Ziel, Kosten zu sparen, wollen die Krankenkassen dem Online-Vertrieb von Medikamenten den Weg ebnen.

In Großbritannien, der Schweiz und in den Niederlanden haben sich Versandhandelsapotheken längst am Markt etabliert. Und wenn es nach den Krankenkassen gehen würde, könnten sie schon morgen auch in Deutschland Patienten mit den notwendigen Medikamenten versorgen.

Um diese Forderung nach "einer praktischeren und schnelleren Arzneimittelversorgung" zu unterstreichen, haben sich am Mittwoch 31 Ersatz- und Betriebskrankenkassen in Berlin zu der "Initiative für den Arzneimittelversandhandel" zusammengeschlossen. Die Initiative wird getragen von der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH), der Techniker Krankenkasse (TK), der Gmünder Ersatzkasse (GEK), der BKK POST sowie gut zwei Dutzend anderer Betriebskrankenkassen.

Die Initiatoren betonen, dass der Versandhandel mit Medikamenten nicht unkontrolliert freigegeben werden soll. In einem 7-Punkte-Programm wird festgelegt, dass Arzneien nur nach Vorlage einer ärztlichen Verordnung geliefert werden dürfen. Außerdem müsse ein Apotheker das Zusammenstellen des Arzneimittelpaketes überwachen sowie vor dem Versand die Schlusskontrolle durchführen. Nach den Vorstellungen der Initiative müssen sich Versandhandelsapotheken den gleichen amtlichen Kontrollen unterziehen wie herkömmliche und dürfen den Betrieb nur aufnehmen, wenn sie ein amtliches Gütesiegel besitzen. Außerdem sollen sie das volle Sortiment anbieten.

In Deutschland werden nach Angaben der Krankenkassen jährlich etwa 600 Mio. Rezepte eingelöst. Auf verschiedenen Wegen würden diese bearbeitet, abgerechnet und archiviert. Dies alles verursache Vertriebskosten, die etwa 30% des Arzneimittelumsatzes ausmachten. Damit die Krankenkassen mit Apotheken demnächst aber Preisabschläge aushandeln könnten, müsste der Gesetzgeber das Versandhandelsverbot aufheben und die Arzneimittelpreisverordnung modifizieren.

Die "Initiative für den Arzneimittelversandhandel" hat sich spontan in den vergangenen Wochen zusammengefunden, nachdem klar geworden war, in welchem Umfang die Aufhebung des Arzneimittelbudgets die Kassen belasten wird. In diesem Jahr rechnen die gesetzlichen Kassen mit einer Rekordhöhe bei den Arzneimittelkosten bis zu 42 Mrd. DM. Die Kassen haben ein handfestes finanzielles Interesse an der Freigabe des Versandhandels. Experten beziffern das mittelfristige Einsparpotenzial auf etwa 600 Mio. DM. (ST)


KONTAKT:

Kaufmännische Krankenkasse
Karl-Wiechert-Allee 61
30625 Hannover
Tel. 0511-28021120
Fax 0511-28021199
Internet: www.kkh.de