Mercedes-Benz hat kräftig in sein Businessmodell, die E-Klasse, investiert. Der überarbeitete Wagen steht in allen Varianten vom 13. April an bei den Händlern.

37.302 Zulassungen, minus 25,3 Prozent und nur Rang 3 hinter Audi und BMW – mit dem Absatz der E-Klasse in Deutschland kann Mercedes-Benz für das Jahr 2012 nicht zufrieden sein. Seit geraumer Zeit schon hat Konzernchef Dieter Zetsche schließlich die Losung ausgegeben, endlich wieder „Premiumhersteller Nummer 1“ zu werden.

Doch die bayerische Konkurrenz ist im Kernkompetenzsegment der drei Anbieter, der oberen Mittelklasse, den Schwaben noch schneller davongefahren, als Zetsche lieb sein konnte. Der Audi A 6 brachte es im vergangenen Jahr auf 52.710 Zulassungen (plus 14,4 Prozent), die BMW Fünfer-Reihe bei einem Minus von 19,5 Prozent immerhin noch auf 48.107 Einheiten.

Modellpflege mit erheblichem Aufwand

Nach dem Willen der Mercedes-Manager soll damit nun Schluss sein. Die Stuttgarter haben ihre E-Klasse fast vier Jahre nach dem Debüt der aktuellen Baureihe runderneuert. Zwar standen die Modellpflegemaßen turnusmäßig an, von Routine kann aber bei kolportierten Kosten von einer Milliarde Euro keine Rede sein. Eine solch immense Summe investieren die Hersteller üblicherweise nur in die Entwicklung einer komplett neuen Baureihe.

In den Genuss der technischen und optischen Auffrischung kommen freilich nicht nur Limousine und Kombi (T-Modell), sondern auch Coupé und Cabrio. „Wir wollen stets das beste Fahrzeug im Segment anbieten – eben den Mercedes in der Businessklasse“, hat Vertriebs- und Marketingchef Joachim Schmidt in der nun neu eingeläuteten Runde um die Käufergunst Zuversicht und Selbstbewusstsein auf jeden Fall nicht verloren.

Verkaufsstart am 13. April zu Preisen ab 40.430 Euro

Vom 13. April an soll die Aufholjagd beginnen, zu Preisen ab 40.430 Euro für den E 200 CDI mit 100 kW/136 PS. Für den im Dienstwagengeschäft besonders gefragten E 220 CDI (125 kW/170 PS) werden mindestens 43.286 Euro aufgerufen.

Bei insgesamt 74 Modellvarianten mit Vier-, Sechs- und Achtzylindermotoren, Diesel und Benziner, Diesel-Elektrokombination (Hybrid), Allradantrieb und den besonders potenten Aggregaten des Haustuners AMG sind in der Preisliste auch die 118.405 Euro für den „E 63 AMG S 4matic“ mit fast 600 PS noch keine Grenze nach oben.

Einzigartige Anzahl an Assistenzsystemen

Dafür dass die E-Klasse als klassisches Fortbewegungsmittel von Unter-nehmensinhabern und Geschäftsführern zum beachtlichen Investitionsvolumen werden kann, sorgt auch die in der Branche wohl einzigartige Anzahl an Fahrerassistenzsystemen.

Schon das seit 2009 weltweit rund 800.000 Mal verkaufte Vorgängermodell war wahrlich nicht arm an Abstandsmessern, Verkehrszeichenlesern und Spurwechsel-brummtönen. Jetzt sind gleich elf weitere Helfer hinzugekommen, die eigentlich erst für den Marktstart der noch nobleren S-Klasse im Herbst vorgesehen waren, aber schon jetzt ihre Premiere feiern. „Wir wollten ja nicht, dass unsere frisch überarbeitete E-Klasse gleich wieder alt aussieht“, erklärt Unternehmenssprecher Christoph Horn und Verkaufsboss Schmidt ergänzt: „Für die S-Klasse haben wir uns aber noch einige Überraschungen aufgehoben.“

Warnung vor "Geisterfahrt"

So können die neuen Stuttgarter Modelle fortan selbstständig Fußgänger erkennen und im Notfall bei einer Geschwindigkeit bis zu 50 km/h ebenso eigenmächtig eine Vollbremsung einleiten. Eine neuartige Stereokamera kann „um die Ecke“ schauen, Fahrzeuge erkennen und warnen. Zudem registriert ein Sensor nun auch Einbahnstraßeschilder und warnt akustisch und optisch bei falscher Einfahrt. So können zumindest ungewollte „Geisterfahrten“ auf der Autobahn verhindert werden.

Reichlich Ingenieursfleiß steckt auch in den neuen LED-Scheinwerfern mit automatischer Fernlichtregulierung. „Nur 20 Prozent aller Fahrten finden nachts statt, dabei passieren aber 40 Prozent aller Unfälle“, erklärt Joachim Schmidt die intensiven Bemühungen um gute Sicht mit den Erkenntnissen aus der Unfallforschung.

Sparsamere Motoren

Natürlich nutzen die Schwaben die Modellumstellung auch, um die Motoren weiter zu optimieren und teilweise bereits auf die erst 2015 gültige EU-6-Abgasnorm umzustellen. Vorzeigemodell ist hier der E 300 Hybrid mit einem 150 kW/204 PS starken Vierzylinder-Diesel und einem 20 kW/27 PS-Elektromotor, der mit einem Normverbrauch von 4,1 Litern zufrieden sein soll.

Und damit die E-Klasse auch tatsächlich wieder auf die Polposition vorfährt, haben die Designer neben der Straffung des Blechkleides an den hinteren Kotflügeln auch noch einen Kunstkniff angewandt, der schon bei der kleineren C-Klasse Verkaufserfolge brachte: Jetzt stehen zwei unterschiedliche Frontpartien, entweder mit einem mächtigen Mercedes-Stern im Kühlergrill (Ausstattung „Avantgarde“) oder klassisch mit dem kleinen Markenzeichen auf der Haube (Basis und „Elegance“) zur Wahl. Damit sollen unterschiedliche Käufergruppen gezielter angesprochen werden.

Bernd Nusser