"Klug durch E-Learning?" ist der Titel einer neuen Marktstudie, den die Dekra Akademie letzte Woche auf der Fachmesse Learntec 2002 in Karlsruhe vorgestellt hat.

"Klug durch E-Learning?" ist der Titel einer neuen Marktstudie, den die Dekra Akademie letzte Woche auf der Fachmesse Learntec 2002 in Karlsruhe vorgestellt hat.

Darin wird das E-Learning aus zwei konträren Perspektiven beleuchtet –aus Sicht von Personalverantwortlichen und Anwendern gleichermaßen. Die Unternehmensberatung Maisberger & Partner befragte dazu Unternehmen der Dienstleistungsbranche wie beispielsweise Finanzdienstleister, IT- und Unternehmensberater sowie die öffentliche Verwaltung.

Der Studie zufolge setzen bisher bereits 50% der befragten Unternehmen auf E-Learning. Dabei wird das Training übers Inter- bzw. Intranet überwiegend als Ergänzung zu den traditionellen Präsenzseminaren eingesetzt. Trotz der Zeit- und Kostenvorteile, die E-Learning verspricht, sind sowohl Personalleiter als auch Anwender skeptisch: Ihrer Meinung nach sind viele wichtige Skills wie beispielsweise Teamfähigkeit und Führungskompetenz ohne persönlichen Kontakt nicht bzw. nur schwer erlernbar.

Nach Meinung aller Befragten eignet sich E-Learning insbesondere für die Vermittlung themenspezifischer Informationen sowie der Vor- und Nachbereitung dieser Lerninhalte. Persönliches Lernverhalten und praxisbezogenes Coaching profitieren ihrer Meinung nach nicht vom Online-Lernen. Eine Auffassung, die laut Dekra-Studie auch der Markt widerspiegelt: E-Learning-Programme, die den Anspruch haben, soziale Qualifikationen zu vermitteln, würden zwar häufig angeboten, in den Unternehmen aber noch selten eingesetzt. Gefragt seien künftig Weiterbildungsprozesse, in denen das virtuelle Klassenzimmer lediglich ein Teil des Gesamtkonzeptes sei. Die Studie prognostiziert deshalb auch langfristig keinen bedeutenden Anstieg beim Einsatz von E-Learning.

Das Forschungsprojekt brachte darüber hinaus zu Tage, dass sich der Lernbegriff der Personalleiter grundlegend von dem der Anwender unterscheidet. Während für die Entscheider der reine Erwerb von Kenntnissen Vorrang hat, steht für die Anwender fest: Ein Lernerfolg stellt sich erst dann ein, wenn die verarbeiteten Informationen in die Praxis umgesetzt werden. Die Personalverantwortlichen erhoffen sich von Web-basierten Lernprogrammen nicht nur eine schnelle Wissensvermittlung: Potenzielle Kosten- und Zeiteinsparungen sind ein weiteres Argument für den Einsatz von E-Learning.

Die Realität sieht jedoch anders aus. Nur zwölf Prozent der befragten Unternehmen konnten aus diesem Grund tatsächlich ihre Weiterbildungskosten senken. Als Begründung dafür behaupten die Autoren, dass die Implementierung und Pflege der Systeme oft teurer als ursprünglich erwartet sei.

Die Untersuchung der Dekra-Akademie zeigt: E-Learning kann nur bedingt leisten, was von ihm erwartet wird. In Zukunft wird es deshalb verstärkt darum gehen, zu entscheiden, wie, wann und wofür E-Learning im Unternehmen nutzbringend eingesetzt werden kann. Die Grundvoraussetzung dafür ist jedoch eine anwenderfreundliche Technik und ein reflektiertes mediendidaktisches Konzept – was bisher jedoch nicht von allen E-Learning-Anbietern gewährleistet wird. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass nach dem "Technik-Hype" der letzten Jahre nun eine verstärkte Diskussion um die methodisch-didaktischen Anforderungen an das elektronische Lernen einsetzen muss. (DS)


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