Zwei lesenswerte Beiträge zum Thema „Elektronisches Bezahlen“ machen aktuell auf sich aufmerksam. Das Interessante an dieser Kombi? Die gänzlich gegensätzliche Intention der Autoren: Während Martin Weigert bei netzwertig die Leser zum E-Payment am Beispiel Überweisungen per E-Mail noch mit der Faszination des Neuen an das Thema heranführt, provoziert Maik Klotz bei t3n bereits mit einer Art Abgesang, in dem er speziell Gründer im Segment des M-Payment just ihrer Hoffnungen beraubt: Die "Big Five" haben längst gewonnen, Start-Ups haben fast keine Chance: Mobile Payment findet zwar noch nicht richtig statt, dennoch ist der Zug bereits abgefahren: „Das Neue“ ist schon wieder alt. Neue Marktteilnehmer kommen zu spät. Pech gehabt! Steil. Wie kann das denn sein? Und kann man diese Gegensätze unter einen Hut bekommen? 

Eine Polemik.

E-Payment-Buzz: Die "Irgendwie-was-mit-Internet-machen"-Blase des Jahres 2013?

Ja, was denn nun? Neu und noch spannend, oder aber hat sich das Thema bereits in dem Sinne erledigt, dass die großen Webkonzerne sich den "Blauen Ozean" E-Payment längst untereinander aufgeteilt haben. Ohne dass das jemand bisher richtig realisiert hätte? Weil, es nutzt ja noch "niemand" so richtig? Jein. Für Nachzügler scheint der Zug jedoch tatsächlich bereits abgefahren zu sein.

Aber überhaupt E-Payment: Ich habe mich an den Marktschreiern abgearbeitet, bei Ratgebern und Experten umgeschaut, bin der Frage nachgegangen, wie sich Mobile Payment in Deutschland weiterentwickeln kann, habe – nebst Ursachenforschung, einen Vergleich zwischen der (geringen) Marktakzeptanz in Deutschland und Europa und der in allen anderen relevanten Märkten gezogenmich überemotional für Exoten begeistertmehrfachhabe mir Technik, Banken und Kreditkarten-Anbieter angeschautin Panel-Diskussionen über Chancen und Risiken debattiert und bin schlussendlich zu der – zumindest für westliche Märkte "gültigen" Erkenntnis gekommen, dass PayPal eigentlich längst gewonnen hat. Am Rechner, aber auch am Smartphone. Selbst wenn letzteres Segment noch in den Kinderschuhen steckt. "Nicht" stattfindet: Denn wer sollte überhaupt mittelfristig dagegen halten können?

Die "Big Three": Auschecken mit PayPal, Google und Amazon. In dieser zeitlichen Reihenfolge.

Von den bereits aktiven Playern hat Amazon noch die größten Chancen dagegen zu halten. Vielleicht. Denn der Weg zu einem (aber vor allem der zur Wahrnehmung als) Payment-Dienstleister, zur Bank 2.0, ist ein langer Pfad. Und wie beim Streaming (Lovefilm) hat Amazon-Gründer- und Mastermind Jeff Bezos in diesem Bereich (Amazon Payments und Login And Pay With Amazon, den jeweils deutlich verspäteten Pendants zu PayPal Express, beziehungsweise Checkout with PayPal sowie dem längst gescheiterten Google Checkout) eher getrödelt, als dass er voranmarschiert wäre. Jetzt jagd man Netflix hinterher und PayPal ebenso. Und wenn Google nicht immer mit seinen Ambitionen als Bezahldienstleister regelmäßig vor die Wand laufen würde, sondern sich neben PayPal bereits als zweite Kraft etabliert hätte, wäre wohl auch für einen Riesen wie Amazon der Markteintritt schwierig ausfallen. Trotz Markenvertrauen.

 
Das Narrativ vom elektronischen Bezahlen als "Next Big Thing" hat sich zwar noch nicht überlebt, es gilt nur längst nicht mehr für jeden. 

So dominiert PayPal. Und die ganzen schlanken und innovativen Payment-Start-Ups? Nette Gesichter mit netten Ideen in netten Lofts, nett ausgestattet mit Kapital von Rocket Internet. Die was machen? "Erfinden" Micro-Payments und Micro-Kredite gerade neu. Nett. Oder eben "neue" Transaktions-Methoden. Oder übernehmen Ausfallrisiken für Online-Händler. Noch netter. Apropos "Übernahme“. Wer übernimmt die besten Ideen eigentlich immer am Ende? Immer. Richtig. PayPal. Es gibt keine Innovationsvorsprünge, die länger als ein paar Monate halten würden. Da fällt es als Beobachter schwer, sich noch wirklich mal auf neue Player einzulassen, oder technische Feinheiten zu bewundern. Warum noch engagiert über irgendjemanden berichten, wenn man bereits nach wenigen Zeilen PR-Text gleich wieder zu der Überzeugung gelangt, dass der eh bald wieder vom Markt verschwinden wird?

E-Payment: Technische Innovationen garantieren keinen Markterfolg

Soll Twitter-Gründer Jack Dorsey also sein Glück mit Square versuchen, oder soll Otto mit Yapital (und der Rewe als Partner) wenigstens in heimischen Gefilden einen kleinen Achtungserfolg für sich verbuchen können: Zünden wird das alles nicht. Einzig Amazon, Apple, Google und die Mobilfunk Carrier (in Afrika und Asien) hätten PayPal national wie international tatsächlich wirklich etwas entgegenzusetzen. Und noch weitere Start-Ups? Diesen würden sich allenfalls noch Marktchancen eröffnen, wenn sie jeweils mit ihrer Dienstleistung einen großen Systemgastronomie-Anbieter wie Starbucks oder McDonald's für sich gewinnen könnten. Der ihre Lösung in den Massenmarkt drücken würde. Aber warum sollte sich einer der großen Systemgastronomen derart engagieren wollen?

Dennoch widersprechen sich die eingangs erwähnten Beiträge der Kollegen nicht. Trotz gegensätzlicher Intention. Vielmehr ergänzen sie sich: „Überweisungen per E-Mail“ wohnt zweifelsohne der Reiz und die Faszination des Neuen inne, nur ist es eben unwahrscheinlich, dass einer der Innovatoren wirklich davon profitieren können wird: In der Kohlenstoffwelt zählt der Name Jack Dorsey herzlich wenig, niemand kennt Square und nur weil ein Ansatz simpel ist, ist das noch lange kein Erfolgsgarant. Im Gegenteil: PayPal kopiert schon. Und Google? Einerseits Schwergewicht, andererseits auch wieder ein kleines Licht: Markenbekanntheit und Markenvertrauen korrelieren alles andere als positiv miteinander. Geldgeschäfte, Vertrauen, Google? Finde den Fehler! Im E-Payment ist also „Das Neue“ zwar noch nicht alt, dennoch kommen „Die Neuen“ einfach zu spät. Und mach „Alter“ läuft sich immer noch eine blutige Nase…

Ergo steht vorerst wahrscheinlich weiterhin das vorn, was eh seit Langem an Platz 1 des elektronischen Bezahlens steht: Die PayPal-API.

Pech gehabt?