In einem Baumarkt in Hannover wurden EC-Kartenterminals manipuliert, um anschließend die Konten der Kunden leer zu räumen. Es ist der erste Skimming-Fall im Handel seit Jahren. (Akutalisiert)

In einem Hornbach-Markt in Hannover Linden-Süd sind laut einem Bericht der "Hannoversche Allgemeine" (HAZ) Girocards (früher: EC-Karten) von Kunden ausgespäht worden. Mit Hilfe von manipulierten Kartenterminals spionierten die Täter die Kartendaten und PIN-Nummern aus und hoben anschließend von den USA aus Bargeld von mindestens 140 Konten ab.

"Einen solchen Fall hat es in Hannover noch nicht gegeben", zitiert die HAZ einen Polizeisprecher. Allerdings waren in jüngster Zeit auch zwei Geldautomaten von der Hannoverschen Volksbank Opfer einer sogenannten Skimming-Attacke, bei der die Karteninformationen aus dem Magnetstreifen ausgelesen werden, um gefälschte Kartendubletten herzustellen.

Die Skimming-Masche kehrt an den POS zurück

Manipulationen an Kartenterminals im Einzelhandel waren in den Jahren 2006 bis 2008 ein gehäuft auftretendes Problem - insbesondere in Baumärkten. Die EC-Cash-Netzbetreiber reagierten vielfach mit Sicherheitsetiketten an den Terminals und Monitoringsystemen im Hintergrund.

Nachdem die Polizei im Sommer 2008 die führenden Köpfe einer
Foto: B+S Card Service
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festsetzen konnte, war es an den Kassen im Handel wieder ruhiger geworden. Von 2009 bis heute wurde kein Fall mehr bekannt, wie eine Sprecherin des BKA gegenüber derhandel.de bestätigte.

Den Schaden durch Terminaleingriffe im damaligen Zeitraum beziffert das BKA auf vier Millionen Euro. Bei Geldautomaten blieben die Manipulationen allerdings auch in den folgenden Jahren stets ein Problem - allein in 2010 registrierte das BKA rund 3.200 Fälle von denen rund 190.000 Karteninhaber betroffen waren. Der Schaden summierte sich auf 60 Millionen Euro, 20 Millionen Euro mehr als noch 2009.

Der Kartenmissbrauch in Hannover fiel durch einen Kunden auf, der am Samstag eine auffällige Abbuchung auf seinem Konto entdeckte. Seitens der Polizei geht man davon aus, dass die Manipulationen an den Terminals (Typ: Artema Hybrid) zwei Wochen lang unbemerkt blieben. Die Sparkasse Hannover sperrte vorsorglich 120 Girocards von Kunden des Hornbach-Marktes.

Der EMV-Chip soll Sicherheit bringen

Viele kartenherausgebende Banken setzen zur Bekämpfung von Skimming auf den Austausch des leicht zu kopierenden Magnetstreifen durch einen Chip. Zu diesem EMV-Sicherheitsstandard hat sich jedoch ausgerechnet die Finanzbranche in den USA, dem Mutterland der Kartenzahlung, erst jüngst verpflichtet. Da sämtliche Karten und Lesegeräte für die Umstellung auf EMV ausgetauscht werden müssen, dauert der Prozess Jahre, wie die noch andauernde EMV-Einführung in Europa eindrucksvoll zeigt.

Was Handelsunternehmen tun können, um ihre Kunden vor Kartenmissbrauch durch Skimming-Manipulationen zu schützen, lesen Sie hier.

Hanno Bender


Update (19.8.): Erste kriminaltechnische Untersuchungen haben ergeben, dass zwei Terminalgeräte vom Typ Artema Hybrid manipuliert wurden (Hersteller Hypercom; heute Verifone, ehemals Thales). Es handelt sich dabei um eines der marktführenden Kartenlesegeräte im Handel, das bereits bei früheren Skimming-Fällen betroffen war. Die Polizeidirektion Hannover gab gestern bekannt, dass die Ermittler im Hornbach-Markt Hannover-Linden insgesamt fünf mutmaßlich manipulierte Zahlungsterminals zur eingehenden kriminaltechnischen Überprüfung sicherstellten.

Bei zwei Geräten konnten Spezialisten nachweisen, dass sie technisch manipuliert worden waren. Wie die Täter an die Kartenlesegeräte gelangt sind, um sie zu verändern, ist noch unklar. "Entgegen verschiedener Medienberichterstattungen ist es nicht zu einem Einbruch in den betroffenen Baumarkt in Linden-Süd gekommen", teilt die Polizei in einer Pressemitteilung mit. Allerdings seien bei einem Einbruch in eine andere Filiale am 9. August 2011 in Garbsen insgesamt fünf POS-Terminals entwendet worden.

Bei diesen Geräten handelt es sich jedoch nicht um die in Linden-Süd sichergestellten Terminals. Die Beamten schließen einen Zusammenhang zu den Manipulationen nicht aus, das Bundeskriminalamt hat einen Experten nach Hannover entsandt. Die Ermittler raten Betreibern von Geschäften, besonders sorgfältig auf ihre POS-Terminals zu achten und diese aktuell zu überprüfen.