Die Europäer kaufen nach wie vor am liebsten bei ihren einheimischen Händlern - auch im Internet. Das ärgert die EU-Kommission: Handelshindernisse sollen abgebaut werden.

Von wegen Europa ohne Grenzen: Der Handel innerhalb der Europäischen Union (EU) über die Grenzen der Mitgliedsstaaten hinweg kommt nicht so recht in Schwung. Selbst im Internet nicht, zeigt die Frühjahrsausgabe der EU-Verbrauchermarktstudie der europäischen Kommission.

Demnach hat nicht einmal jeder dritte EU-Bürger (29 Prozent) im vergangenen Jahr Einkäufe in einem anderen Land der Union getätigt. Und gerade mal acht Prozent der Konsumenten hatten das Internet für grenzüberschreitende Käufe genutzt.

Auf der Seite der Verkäufer sieht es nicht viel besser aus: Nur jeder vierte Einzelhändler lieferte 2009 Waren oder Dienstleistungen in einen anderen Mitgliedstaat; 2008 war es sogar nur jeder Fünfte.

"Erwartungen werden oft enttäuscht"

"Der Binnenmarkt verspricht den europäischen Verbrauchern mehr Auswahl und niedrigere Preise. Diese Erwartungen werden aber oft enttäuscht, da für Händler und Kaufwillige die Landesgrenzen oft unüberwindliche Hürden darstellen", ärgert sich der für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständige EU-Kommissar John Dalli. "Meine Kollegen und ich sind jedoch entschlossen, diese Hindernisse abzubauen."

Seine Anerkennung gelte den Mitgliedstaaten, die "trotz knapper Haushaltsmittel weiter in eine Umgebung investieren, in der man Verbraucherschützern vertrauen kann und Streitigkeiten zügig beigelegt werden."

Es gebe nach wie vor viele Hindernisse, so dass viele Händler sich weigerten, ins Ausland zu liefern: "In früheren Untersuchungen wurde festgestellt, dass mehr als 60 Prozent der Auslandsbestellungen fehlschlagen", heißt es in der Pressemitteilung zu der Verbrauchermarktstudie. Die Kommission sei entschlossen, diese Hindernisse systematisch abzubauen, und habe dazu im Oktober 2009 einen Maßnahmenkatalog aufgestellt. "Dazu gehören unter anderem die Zusammenfassung der vielen unterschiedlichen Einzelregelungen, die Verbesserung der Streitbeilegung über Grenzen hinweg und die Vereinfachung der Regelungen für den Einzelhandel."

Schlechterer Stand der Verbraucher

Bestimmend für den Stand der Verbraucher seien Faktoren wie die Qualität des Rechtsrahmens, die Wirksamkeit der Streitbeilegung und der Behandlung von Verbraucherklagen sowie das Vertrauen der Verbraucher in Behörden, Einzelhandel, Werbung und Verbraucherorganisationen.

In den meisten Ländern haben sich die Bedingungen für die Verbraucher nach Meinung der EU-Kommission durch die Wirtschaftkrise verschlechtert. Allerdings hätten acht Mitgliedstaaten, namentlich Portugal, Luxemburg, Irland, Italien, Österreich, Frankreich, Slowakei und Großbritannien, ihre Ergebnisse gegenüber 2008 verbessert.

Große Kaufkraftunterschiede

Nach dem Verbraucherbarometer gibt es zwischen den Ländern auch große Unterschiede im Hinblick darauf, was die Verbraucher sich leisten können. Berücksichtigt wurden dabei Durchschnittseinkommen und Preisniveau.

Dabei falle auf, dass das Leben in den reicheren EU-Ländern trotz der höheren Preise erschwinglicher ist: Bei weitem am stärksten ist der Untersuchung zufolge die Kaufkraft in Luxemburg, gefolgt von Großbritannien, von Zypern, den Niederlanden und Österreich.