Der EC-Karten-Netzbetreiber Easycash soll einem Bericht von NDR-Info zufolge Risikoprofile von Millionen Verbrauchern zum Kauf angeboten haben. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück.

Laut einem Bericht des Radiosenders NDR Info plante der Zahlungsdienstleister Easycash, Erkenntnisse über die Zahlungsfähigkeit von Kontoinhabern Dritten zur Verfügung zu stellen.

Das Ratinger Unternehmen selbst sprach in einer Mitteilung gestern von einem im Jahr 2009 begonnenen Pilotprojekt, dessen Vermarktung man im Mai 2010 eingestellt habe: "Die Unternehmen, die diese Daten empfangen haben, wurden von Easycash vertraglich verpflichtet, jeden einzelnen Kunden über die Datennutzung zu informieren", betonte Easycash-Geschäftsführer Christoph Pfeifer.

Strategien zur Ausweitung des Geschäftsmodells

Deshalb habe keine Nutzung von EC-Karten-Daten ohne Wissen des jeweiligen Kunden stattfinden können. Das Ratinger Unternehmen Easycash ist der größte Dienstleister für den bargeldlosen Zahlungsverkehr in Deutschland.

NDR Info berichtete zum Hintergrund, Easycash habe nach Strategien zur Ausweitung seines Geschäfts gesucht. In einer Unternehmenspräsentation seien als potenzielle Kunden der Daten unter anderem Inkassounternehmen, Versandhandel, Versicherungen und Telekom-Firmen genannt worden.

Geworben habe das Unternehmen mit einer Datensammlung von "50 Millionen bekannten Bankverbindungen". Der NDR veröffentlichte darüber hinaus das Transkript eines Interviews, in dem Christoph Pfeifer zu den Vorwürfen Stellung nimmt, und das laut Senderangaben bereits am 1. Dezember 2010 geführt wurde.

NRW-Datenschutzbeauftragter war informiert

Eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Datenschutzbeauftragten bezeichnete das Easycash vorgeworfene Vorhaben als "schlicht unzulässig". Beim NRW-Datenschutzbeauftragten war demnach bereits vor geraumer Zeit eine Meldung eingegangen, wonach Easycash geplant hatte, künftig auch als Auskunftei tätig zu werden. Daten aus dem Zahlungsverkehr unmittelbar für Bonitätsauskünfte zu verwenden, sei jedoch nicht erlaubt, betonte Behördensprecherin Bettina Gayk.

Offenbar hätten die potenziellen Kunden die Fragwürdigkeit des Geschäftsmodells erkannt: "Wir konnten nicht nachweisen, dass Easycash das in die Tat umgesetzt hat", sagte Gayk. Der NRW-Datenschutzbeauftragte hatte wegen unerlaubter Datenweitergabe erst vor wenigen Tagen 60.000 Euro Bußgeld gegen Easycash verhängt.

Easycash betonte in seiner Mitteilung, man habe das Pilotprojekt unter strikter Beachtung der Vorgaben des Datenschutzgesetzes konzipiert und dem NRW-Datenschutzbeauftragten "ordnungsgemäß angezeigt". Nachfragen dieser Behörde habe Easycash "abschließend beantwortet".

Behördensprecherin Gayk räumte auf dpa-Anfrage ein, dass die Meldung in einer Abteilung eingegangen sei, die bislang nicht mit Easycash befasst gewesen sei. Deswegen sei nicht sofort aufgefallen, dass Daten unmittelbar aus dem Zahlungsverkehr genutzt werden sollten. Es sei dem Unternehmen aber keineswegs ein Freibrief erteilt worden.

dpa, hb