Michael Kliger
Michael Kliger
Ebay Enterprise will mit seinem Ship-from-Store-Distributionsmodell Händlern eine Lösung an die Hand geben, mit der sie stationäre Geschäfte in ihre Online-Prozesse einbinden können, Filialen vernetzen, Waren zwischen Filialen verteilen und so Onlinebestellungen jederzeit auch durch lokale Filialbestände abwickeln können - -samt Versand aus dem Laden oder Online-Reservierung und Abholung in der Filiale. etailment befragte Michael Kliger, Managing Director International eBay Enterprise, welchen Aufwand Händler für die Fulfillment-Lösung betreiben müssen und wann sich das virtuelle Logistikzentrum im Laden lohnt.



Ship-from-Store - das klingt nach aufwendigen Umbauarbeiten in der Softwaren-Architektur, wenn sich ein Händler dafür entscheidet?

Michael Kliger: Das ist nicht aufwändig. Natürlich bilden wir die gesamte Prozesskette von der stationären Warenwirtschaft über die Abwicklung von Online-Bestellungen bis hin zur Versandverfolgung ab und verfügen über ein Interface für den Nutzer vor Ort, das ihn beim picken, packen und shippen unterstützt. Der Einbau in bestehende Systeme ist jedoch ziemlich problemlos. Wir können Ship-from-Store als integrierte Lösung, aber auch modular anbieten.

Letztlich geht es darum, die Daten verschiedener Bestandsquellen und Ebenen, aus dem Webshop oder auch aus einem Marktplatz, dem Lager und der Filialen zusammenzuführen und die Aufträge nach bestimmten Regeln zu verteilen.

 

Die Lösung gehört zum Softwareangebot von eBay Enterprise. Wie steht es um Händler, die schon einen Shop im Web haben, die Lösung gut finden, aber nicht alle Lösungen von eBay Enterprise nutzen wollen?

Michael Kliger: Das System ist als SaaS nach allen Seiten hin offen. Wir haben auch schon Lösungen gebaut, bei denen Ordermanagement, die Shopsoftware und das Warehousemanagement von unterschiedlichsten Anbietern stammten.

 

Ship-from-Store ist aber nur die eine Option. Für Instore-Pick-up wird es aufwändiger?

Michael Kliger: Die Datenqualität muss natürlich deutlich besser sein als für eine Ship-From-Store-Anwendung. Schließlich müssen die Bestandsinformationen auch auf das Frontend gebracht werden können. Das System kann das. Die Machbarkeit hängt also eher davon ab, welche Daten der Händler zur Verfügung hat bzw. wie gut die Datenqualität ist.

 

Es muss also eine Realtime-Abfrage der Daten möglich sein?

Michael Kliger: Das System beherrscht natürlich die Echtzeit-Abfrage. Aber es muss nicht alles Realtime stattfinden. Das hängt sehr von der Warengruppe und der Bestandstiefe ab. Man kann ebenso pro Artikel oder Artikelgruppe vorab definierte Sicherheitsbestände festlegen und dann in einem Batchprozess abfragen.


Reicht das also auch für Händler, die vielleicht nur nachts gerade einmal eine Kassenabfrage laufen lassen?

Michael Kliger: Unser System weiß, wie es im Handel aussieht. Wir greifen in diesem Fall wie gewohnt die Aufträge kontinuierlich vom Webshop auf, nehmen dann in einem Nachtlauf die Bestände auf und allokieren die Aufträge gegen diese. Eine Stunde vor Ladenöffnung sieht dann der Mitarbeiter, welche Aufträge beziehungsweise Artikel gesichert werden müssen.

 

Irgendwas ist ja immer. Kaputter Karton, Fehler in der Inventur. Was dann?

Michael Kliger: Ein Beispiel: Hat der Händler mehrere Filialen, dann können die Aufträge im System zunächst einmal aus einer Filiale zurückgenommen werden. In einer Datenabfrage am späten Vormittag kann dann nachgeschaut werden, ob der Auftrag von einer weiteren Filiale erfüllt werden kann. Dadurch erreichen wir eine Erfüllungsquote von rund 96 Prozent.

 

Trotz Schnelligkeit und Organisationsvorteilen wird sich jeder Händler fragen, ob er das auch in der Kasse spürt? 

Michael Kliger: Die Verteilung der Aufträge an Filialen wird über bis zu 500 Parameter gesteuert. Somit kann jeder Händler sein spezifisches Geschäftsmodell damit abbilden. Sei es, dass er Aufträge in Filialen mit Überbeständen schicken will, oder Bestellungen in Filialen in der Nähe des Kunden abwickeln möchte.

Gleichzeitig wird das Picken in der Filiale unterstützt, in dem die Picklisten für jede Filiale exakt angepasst und individualisiert werden können. Das passende Label für den Versand wird außerdem gleich digital mitgeliefert. Dadurch schaffen einige der an das System angeschlossenen Filialen bis zu 100 Aufträge pro Tag.

 

"Sie können Artikel national so lange bewerben, bis sie in keiner Filiale mehr vorhanden sind."

Ein weiterer Vorteil für den Händler ist natürlich, dass er einen Artikel länger auf der Plattform halten kann. Im Prinzip so lange, wie er in den Filialen noch verfügbar ist. Das gilt erst recht auch für alle Artikel, die gar nicht oder nicht mehr im E-Commerce-Lager geführt werden. Somit können sie Artikel national so lange bewerben, bis sie in keiner Filiale mehr vorhanden sind. Damit werden echte Zusatzumsätze erzielt.

Ab welchem Umsatz lohnt sich denn so ein virtuelles Logistikzentrum im Laden?

Michael Kliger: Im Kern optimiert das System den Weg der Waren zwischen den Filialen. Einem Händler mit 40 Filialen bietet sich das natürlich mehr Potenzial als einem Unternehmen mit 4 Läden.

Es hängt aber auch von der Auftragsstruktur und dem Wert der Artikel ab. Je wertiger der Artikel, desto besser ist natürlich die Pick-Effizienz. Auch die Frequenzauslastung in den Filialen spielt eine Rolle, also wie viel Zeit Mitarbeitern für Pick, Pack und Ship zur Verfügung steht. Ein Filialsystem mit Läden im Ausland kann wiederum auf diese Weise Cross-Border-Shipping in Domestic-Shipping verwandeln.

 

Wie steht es um die Unterstützung von Same Day Delivery?

Michael Kliger: Das ist ja ohnehin nur machbar, wenn sie auf den lokalen Bestand zurückgreifen können. Wenn sie dann – um mal eine Zahl zu nennen – 10 günstig gelegene Filialen mit der Ship-from-Store-Lösung vernetzen, können sie schon rund 80 Prozent der Deutschen mit Same Day Delivery versorgen.

 

Gibt es da schon eine Anbindung an Shutl, das ja auch zu eBay gehört?

Michael Kliger: Ship from Store ist ein offenes System. Der Integration von Carrriern sind im Grunde keine Grenzen gesetzt.