Edeka-Händler und Aufsichtsratschef Peter Simmel habe seine Mitarbeiter nicht bespitzelt. Sondern "angemessene Kontrollmaßnahmen" angeordnet, meint Edeka-Chef Mosa. Verdi bleibt skeptisch.

Das gehe aus zwei Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) und der Rechtsanwaltskanzlei KKP Köning & Partner hervor, sagte eine Edeka-Sprecherin am Donnerstag in Hamburg. Sie bestätigte einen Bericht der Online-Ausgabe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

"Nicht haltbar"

Das Portal "faz.net" zitiert aus einem Schreiben von Edeka-Chef Markus Mosa an die Entscheidungsgremien der genossenschaftlich organisierten Einzelhandelsgruppe, dass die gegen Simmel erhobenen Vorwürfe "in ihrer Pauschalität irreführend und in der Sache nicht haltbar sind". Beide Gutachten seien im Auftrag von Simmel durchgeführt worden.

"Die Simmel-Gruppe ist im Großraum München von massivem Diebstahl betroffen, der einen Umfang bis zur Hälfte des jährlichen Betriebsergebnisses beträgt. Vor diesem Hintergrund wurden seitens der Simmel-Gruppe zwei Detekteien beauftragt. Dabei ging es ausschließlich um den Schutz des Unternehmens, Laden- und Personalkontrollen, Alarmverfolgung und Sicherheitsdienstleistungen", schreibt Mosa weiter.

Sein Fazit: Die Arbeit der von Simmel beauftragten Detektiven seien "zulässige und jederzeit angemessene" Kontrollmaßnahmen, aber keine Bespitzelung gewesen.

Anzeige gegen Unbekannt

Simmel betreibt 32 Edeka-Märkte in Sachsen, Thüringen und Bayern mit rund 1.000 Beschäftigten. Nach einem Bericht des Magazins "Focus", demzufolge der Händler Mitarbeiter von Privatdetektiven überwachen ließ, hatte die Gewerkschaft Verdi Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Simmel hatte die Vorwürfe bestritten.

Für die Gewerkschaft ging es jedoch um mehr als nur mögliche Bespitzelung, wie es der Landesfachbereichsleiter Handel von Verdi Bayern, Hubert Thiermeyer, im Gespräch mit derhandel.de formulierte. "Simmel zahlt seit Jahren Lohnbestandteile als Warengutscheine aus. Das betrifft Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie die normale Stundenbezahlung", kritisiert der Funktionär. Zudem verurteilt die Gewerkschaft die Hausbesuche von Detektiven bei kranken Mitarbeitern.

Hoher Krankenstand in Bayern

Auch diese Vorwürfe würden laut Gutachten nicht zutreffen, teilt Mosa mit. "Veranlassung für die lediglich in Bayern durchgeführten Hausbesuche durch Detektive waren die im Vergleich ungewöhnlich hohen Krankenstände. Auch hierüber sind die Mitarbeiter im Vorfeld informiert worden."

Zudem sei die Bezahlung per Warengutscheinen für Prämien und Überstundenausgleich in diesem Jahr bei einer Lohnsteueraußenprüfung sowie einer Betriebsprüfung, die die Sozialversicherungsträger ebenfalls 2009 durchgeführt hätten, nicht beanstandet worden. Von Steuerhinterziehung oder von Sozialversicherungsbetrug könne nicht gesprochen werden, betont Mosa.

"Das ist unerträglich"

Simmel hat sich bereits per Schreiben an seine Mitarbeiter gewandt: "Wir sind froh, dass die unabhängigen Gutachten jetzt auf dem Tisch liegen und uns vollständig entlasten."

Jörg Lauenroth-Mago kann die beiden Gutachten nicht bewerten, weil er die Unterlagen noch nicht kennt. "Aber ich bin nicht überrascht, dass versucht wird, sich reinzuwaschen", sagt der Fachbereichsleiter Handel von Verdi-Mitteldeutschland (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) zu derhandel.de.

Der Gewerkschafter bezweifelt die Objektivität von Gutachten, die der Begutachtete bestellt und bezahlt hat. "Wenn der 'Focus' einigermaßen sauber recherchiert hat, dann ist es unerträglich, was in diesem Unternehmen passiert ist." Lauenroth-Mago hatte bei der Staatsanwaltschaft Chemnitz (Simmels Firmensitz ist im sächsischen Grünau) Strafanzeige gestellt.

Außerdem wurde die Deutsche Rentenversicherungsanstalt in Leipzig zu einer Überprüfung von Simmels Unternehmen aufgefordert. Beide Anträge seien bei den Organen eingegangen, sagt der Verdi-Vertreter, aktiv geworden sei aber bisher weder die Staatsanwaltschaft noch die Rentenverrsicherungsanstalt.