Die Milchpreise fallen und fallen. Die Bauern ächzen und schimpfen auf den Einzelhandel. Doch es geht auch miteinander, wie Edeka Südwest mit einem Signal für die regionale Landwirtschaft beweist.

Der Lebensmittelhändler Edeka Südwest gibt angesichts der Milchkrise regionalen Landwirten künftig eine Preisgarantie. Das Unternehmen reagiere damit auf den Preisverfall bei Molkereiprodukten, sagte Geschäftsführer Rudolf Matkovic in Offenburg der Deutschen Presse-Agentur. Edeka Südwest werde die Zahlungen für regionale Markenprodukte der Molkereien in seinem Absatzgebiet unverändert lassen. Dem Abwärtstrend beim Milchpreis werde so entgegengewirkt. Davon profitierten die örtlichen Landwirte. Ihnen werde ein stabiler Milchpreis zugesichert.

Edeka Südwest mit Sitz in Offenburg ist nach eigenen Angaben die zweitgrößte von sieben Edeka-Regionalgesellschaften in Deutschland. Sie beliefert 1.350 Lebensmittelmärkte in ganz Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, im Saarland sowie im Süden von Hessen und Teilen Bayerns. Nur für diese Gebiete gelte die Vereinbarung. Die anderen Edeka-Regionalgesellschaften in Deutschland agierten eigenständig und seien unabhängig von der Aktion im Südwesten.

Für die regionale Milchkuh

"Wir stehen zu unserer Verantwortung und setzen mit der Entscheidung, die Preise unverändert zu lassen, ein Zeichen", sagte Matkovic, ohne Zahlen zu nennen: "Schließlich sind wir einer der größten Vermarkter regionaler Produkte." In den Verhandlungen mit den Molkereien bestehe Edeka Südwest darauf, dass die Erlöse der gleichbleibenden Einkaufspreise an die Landwirte weitergegeben werden. Dies sei ein Signal an die Lebensmittelbranche zum Erhalt regionaler Milchkuhhaltung. Die Aktion laufe zunächst zeitlich unbefristet.

"Vor allem durch hohe Mengen auf der Anbieterseite sind die Milchpreise in den vergangenen Monaten immer wieder massiv unter Druck geraten - zu Lasten der Erzeuger", sagte der Edeka-Manager. Landwirte und regionale Molkereien stünden zunehmend unter dem Druck internationalen Preis-Dumpings und würden so in der Existenz gefährdet.

Molkereien loben den Händler

Die Molkerei Schwarzwaldmilch in Freiburg unterstütze die Aktion, so Geschäftsführer Andreas Schneider. Sie komme Landwirten zugute, "die auf höhere Erlöse angewiesen sind - schlicht um weiterhin überleben zu können", sagte Günter Berz-List, Vorstand der Schwälbchen Molkerei in Bad Schwalbach im hessischen Rheingau-Taunus-Kreis. "Für uns und unsere Milcherzeuger ist es ein positives Signal in schweren Zeiten", sagte Martin Boschet von der Hohenloher Molkerei in Schwäbisch Hall. Die Milchpreise seien im freien Fall.

Gestern hatte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland, den Vorwurf zurückgewiesen, die Handelsbranche sei für die niedrigen Milchpreise verwantwortlich.

Edeka Südwest ist genossenschaftlich organisiert, kommt auf einen Umsatz von 8,2 Milliarden Euro (2015) und beschäftigt 43.500 Mitarbeiter.