Edeka, der größte deutsche Lebensmittelhändler, verkündet Umsatz- und Filialwachstum - steht aber im Verdacht, mit "Hochzeitsrabatten" gegen das Kartellrecht verstoßen zu haben.

Den heutigen Mittwoch hatte sich Edeka-Vorstandsvorsitzender Markus Mosa anders vorgestellt. Der größte deutsche Lebensmittelhändler wollte auf seiner Pressekonferenz in Hamburg mal wieder mitten in der Wirtschaftskrise durch positive Nachrichten auf sich aufmerksam machen.
 
Die Zahlen sind beeindruckend: 1.450 neue Märkte bis Ende 2011, 8.000 neue Arbeitsplätze und 5.000 Ausbildungsplätze in 2009, gestiegener Umsatz im Lebensmittelhandel um 4,9 Prozent auf 32 Milliarden Euro und eine für die Branche traumhafte Umsatzrendite von 3,6 Prozent, hatte Mosa zu vermelden.

Durchsuchung der Firmenzentrale zur Unzeit

Doch das Bundeskartellamt machte dem Unternehmen mit einer Hausdurchsuchung eine Stunde vor der Pressekonferenz einen Strich durch die Rechnung. "Dawn raids" nennen Juristen die überraschenden, meist frühmorgenentlichen Besuche der Wettbewerbshüter. Edeka steht im Verdacht, nach der Übernahme von 2.300 Plus-Filialen von Tengelmann "Hochzeitsrabatte" von der Industrie eingefordert und damit seine gegen das Kartellrecht zu haben, so die Bonner Behörde. Die in einem Bußgeldverfahren gegen die Hamburger ermittelt.

"Die Einleitung eines kartellrechtlichen Ermittlungsverfahrens wegen des Missbrauchs von Nachfragemacht durch Edeka ist für uns nicht überraschend",  kommentiert Christoph Kannengießer, Hauptgeschäftsführer des Markenverbandes, die Nachricht von den Durchsuchungen.  „Durch die Übernahme des Discounters Plus hat Edeka seine Position als größtes und gegenüber ihren Lieferanten mächtigstes Handelsunternehmen weiter ausgebaut und dies zum Anlass genommen, von ihren Lieferanten ungerechtfertigte Forderungen zu erheben". Viele Markenhersteller seien von den Hamburgern abhängig,

Markenartikler begrüßen Ermittlungen

Der Markenverband hatte Beschwerde beim Bundeskartellamt erhoben. "Die fünf größten Einzelhändler in Deutschland vereinen auf sich einen Marktanteil von rund 90 Prozent. Dem Verfahren kommt deshalb für den Wettbewerb grundsätzliche Bedeutung zu", so Kannengießer.

Nun wird die Öffentlichkeit wohl weniger über Edeka als "stabilisierenden Wachstumsmotor für Deutschland – und einen der größten Steuerzahler" (Mosa) reden, sondern mehr über die Markt- und Nachfragemacht des größten deutschen Lebensmittelhändlers und die Konzentration in der Branche.

Erfreulich für den Handel immerhin: Von einer Konsumflaute spürt Edeka nichts: "Das erste Quartal 2009 bestätigt unsere Planungen der Gruppe und das Ostergeschäft lag deutlich über Vorjahr", sagte Mosa in Hamburg.

Hanno Bender mit Material von dpa