Auf dem Bargeldlogistik-Kongress diskutierten Vertreter der Bundesbank, des Handels und der Banken die aktuellen Trends - und machten deutlich, warum Bargeld die Konkurrenz durch Karte und Handy nicht fürchten muss.

John Donahoe sorgte jüngst mit der Ankündigung für Schlagzeilen, die Geldbörse binnen zwei Jahren überflüssig zu machen.

"Bargeld braucht bald niemand mehr", ließ der eBay- und PayPal-Chef die Teilnehmer der DLD-Konferenz in München wissen - denn das mobile Zahlen werde das Portemonnaie schon bald ersetzen. Inhaltlich hatte Donahoe freilich nicht mehr zu bieten, als die bereits bekannten Pläne von PayPal, Zahlungslösungen künftig mit Hilfe von Smartphones auch für den stationären Handel zu offerieren.

Auf dem "Bargeldlogistik-Kongress 2012", der in dieser Woche in Wiesbaden stattfand, konnte man sich dagegen davon überzeugen, dass der Markführer unter den Zahlungsmittel, das Bargeld, die Konkurrenz durch Karten und Smartphones auch in absehbarer Zukunft nicht fürchten muss.

Deutschland ein Land der Barzahler

"Deutschland ist traditionell ein Land der Barzahler. 80 Prozent aller Zahlungstransaktionen und 60 Prozent des Umsatzes im Handel werden in bar getätigt", erläuterte Helmut Kalepky, Leiter des Zentralbereichs Bargeld der Deutschen Bundesbank. "Dem Bargeld wird auch mittelfristig eine hohe Bedeutung zukommen", sagte er.

Die Ausweitung des Internethandels und neue Technologien wie die kontaktlose Kartenzahlung könnten zwar dazu beitragen, den Bargeldanteil im Handel zu reduzieren. Bundesbank und Europäische Zentralbank glaubten jedoch an die Zukunft des Bargelds, was sich daran erkennen ließe, dass derzeit eine zweite Serie Euro-Banknoten in Vorbereitung sei, so Kalepky.

"Bargeld ist unschlagbar und unersetzlich", bestätigte auch Ulrich Binnebößel, Experte für Zahlungsverkehr beim Handelsverband Deutschland (HDE). "Bares ist für den Handel noch immer das kostengünstigste Zahlungsverfahren", stellt Binnebößel klar.

Zwar gehe der Anteil an Barzahlungen im Einzelhandel jährlich um einen Prozentpunkt zugunsten von Kartenzahlungen zurück, so Binnebößel. Bei Fortschreibung dieser Entwicklung dauere es aber noch bis zum Jahr 2015, bis unbaren und bare Zahlungen das gleiche Umsatzvolumen für sich beanspruchen könnten.

Der "War on cash" ist ein "War on profit"

Jürgen Manegold, Sprecher des Vorstandes der Edekabank AG, machte deutlich, warum die Weisheit "Nur Bares ist Wahres" für den Einzelhandel nach wie vor Geltung besitzt.

Mehr als 20 Milliarden Euro setzte die Edeka-Gruppe im vergangenen Jahr mit ihren rund 12.000 Supermärkten um. 70 Prozent des Umsatzes wird mit Bargeld erlöst. Die Kosten für das gesamte Bargeldhandling bei der Edeka bezifferte Manegold auf 0,14 Prozent des Umsatzes.

Sämtliche Kosten der Bargeldbearbeitung wie Stopp-Preise für das GWT-Unternehmen, Zähl- und Rollenentgelte sowie Falschgeldschäden seien in dieser Berechnung enthalten, betonte Manegold. Edeka wickelt die gesamte Bargeldver- und -entsorgung über einen Rahmenvertrag mit dem Geld- und Werttransportunternehmen SecurLog (demnächst Prosegur) ab.

Kartenzahlungen könnten mit dieser Kostenstruktur derzeit nicht konkurrieren. Rund 168 Millionen girocard-Transaktionen (früher EC-Karte) wickelte die Edekabank AG im vergangenen Jahr über den Netzbetreiber Telecash ab - rund 80 Prozent der gesamten Kartenzahlungen im Reich der blau-gelben Genossenschaft.

Die Kosten für girocard-Transaktionen bezifferte Manegold auf 0,47 Prozent des Umsatzes, bei den ELV-Transaktionen seien es 0,20 Prozent. An diesen Benchmarks müssen sich diejenigen messen lassen, die Mobile Payment-Lösungen im Massenmarkt etablieren wolllen.

girogo wird vom Handel mit Spannung erwartet

Manegold lobte explizit die geplante Gebührenstruktur für das neue Kartenverfahren girogo. Mit den gestaffelten Entgelten von 1 bis 3 Cent für Transaktion bis zu 20 Euro sei das kontaktlose Bezahlen mit der Geldkarte der deutschen Kreditwirtschaft für den Handel attraktiv - insbesondere bei Bäckereien oder dort, wo regelmäßig Kleinbetragszahlungen anfallen. Die Frage sei nun allerdings, ob der Verbraucher das Verfahren annehme. Die Edeka-Regionalgesellschaft Minden-Hannover beteiligt sich an dem im April startenden Pilotprojekt von giorgo.

Im Prozess der Bargeldbearbeitung sieht der Chef der Händlerbank kaum noch Potenzial für weitere Optimierungen und Einsparungen. Andere Handelsunternehmen wie Ikea und Globus stellten in Wiesbaden dagegen auch Lösungen zur Automatisierung des Bargeldhandlings vor.

Ikea beispielweise arbeitet künftig mit dem Cineo-Geldkassettensystem von Wincor Nixdorf. Die intelligenten Geldkassetten ermöglichen einen geschlossenen Bargeldkreislauf innerhalb der Möbelhäuser, bei dem kein händisches Zählen oder Sortieren durch Mitarbeiter mehr erforderlich ist.

Im ersten Schritt der Einführung, die bis 2013 abgeschlossen sein soll, müssen die Kassetten vom Kassenpersonal noch in einen Tresorschrank im Backoffice verbracht werden, in einem weiteren zweiten Schritt muss sich das Ikea-Personal überhaupt nicht mehr um die Geldbehälter kümmern.

Großes Interesse im Handel an Optimierung des Bargeldhandlings

Wincor Nixdorf will mit Cineo einen Industriestandard für den brachenübergreifenden Austausch von Geldkassetten setzen, die von Banken und Handel eingesetzt werden können und deren Position und Füllstand jederzeit per GPS und RFID-Chip überwacht wird.

Mit Hilfe von Online-Plattformen könnte Dienstleister oder Banken damit den Bargeldkreislauf der teilnehmenden Unternehmen überwachen und optimieren. Die Cineo-Geldkassetten könnten von Händlerkassen auch direkt in Geldautomaten eingespeist werden, da auch die Echtheit der Banknoten überprüft wird.

Derzeit gibt es im Markt rund 70 verschiedene Geldnotenbehälter. "Wir wollen hier einen Standard setzten, vergleichbar den Frachtcontainer in der Schifffahrt", erläuterte Jens Eberhardt vom ostwestfälische Kassen- und Geldautomatenhersteller. Offen ist freilich noch mit welchen Geschäftsmodellen sich die Investition in die Cineo-Kassetten refinanzieren soll.

Doch das Interesse bei Handel und Banken an der bereits 2010 vorgestellten, modularen "Cash Cyclemamagement"-Lösung von Wincor Nixdorf ist groß - Poco, Möbel Martin und Famila testen die intelligenten Geldkassetten in Pilotprojekten. Die Entwicklungskosten für Wincor beliefen sich auf einen dreistelligen Millionenbetrag.

Auch insgesamt zeigt sich der Handels an Lösungen zur Automatisierung und Optimierung der Bargeldbearbeitung interessiert. Unter den rund 300 Teilnehmer der vom EHI Retail Institute, GS1 und dem managementforum veranstalteten Fachkongress befanden sich rund 30 Vertreter von Handelsunternehmen wie Metro, Rewe, Lidl, Kaufland, Douglas, Obi, Alnatura, Globus und Bartels-Langness.

Hanno Bender

Lesen Sie in der kommenden Februar-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins "Der Handel" mehr zu den aktuellen Entwicklungen im Bereich der Bargeldlogistik. Die Redaktion sprach mit der Geschäftsführung von SecurLog über die Folgen der Übernahme durch das spanische Unternehmen Prosegur und stellt Lösungen für eine effiziente Bargeldlogistik vor. Zum kostenfreien Probeexemplar geht es hier.