In Göttingen und Kassel ist der Startschuss für das Pilotprojekt "Girocard kontaktlos" gefallen. Rund 50 Händler und Regiebetriebe der Edeka-Hessenring sind mit dabei. Die Erwartungen sind hoch.

Die Volksbanken Göttingen und Baunatal und die Kasseler Bank haben 130.000 Karten mit der Funktion für kontaktloses Bezahlen ausgegeben. Damit können Kunden ab sofort Beträge bis 25 Euro ohne Eingabe einer PIN kontaktlos mit der Girocard bezahlen. Zwei Jahre lang soll das Projekt betrieben werden.

Rund 50 Händler und Regiebetriebe der Edeka-Hessenring sind eingebunden und mit EC-Cash-Geräten mit NFC-Technologie ausgerüstet worden. Der Handel wollte wissen, was sich die Macher von dem Projekt versprechen - und warum es den bargeldverliebten deutschen Kunden plötzlich zur Karte greifen lassen soll. Dirk Schwarze, Geschäftsbereichsleiter Finanzen und IT bei der Edeka-Hessenring, steht Rede und Antwort.

Herr Schwarze, im Lebensmitteleinzelhandel wird noch wenig mit Karte bezahlt. Das Pilotprojekt soll dies ändern. Wer wird diese Bezahlmöglichkeiten nutzen?


Bei uns bezahlen rund ein Drittel der Kunden mit Karte. Diese kartenaffinen Kunden sind unsere primäre Zielgruppe. Sie sind offen, auch kleinere Beträge bargeldlos zu zahlen und weiten ihr Einkaufsspektrum mit der Karte aus. Wir setzen auf einen Me-too-Effekt, so dass sich der Kreis der Nutzer ausdehnt.

Zwei Drittel der Einkäufe werden somit bar bezahlt. Ist das Festhalten an der Barzahlung eine Frage des Vertrauens oder der Nutzergewohnheit?

Jeder deutsche Bankkunde hat in der Regel eine Girocard und bezahlt nach jahrzehntelangen positiven Erfahrungen immer noch überwiegend bar – und zwar bundesweit und über alle Branchen hinweg. Warum das so ist, ist unsere eigentliche Fragestellung.

Wie lautet Ihre Antwort?


Es ist sicherlich eine Mischung aus Skepsis, Gewohnheit und Kosten. Gerade Einkäufe bis zu 20 Euro werden zu 90 Prozent bar bezahlt. Mit dem demographischen Wandel wird sich das sukzessive ändern. Auf Händlerseite bremste die Gebührenstruktur das Angebot. Für Kleinbeträge lagen die Kosten unabhängig von den Instituten bei der Girocard wie bei den Kreditkarten unverhältnismäßig hoch. Das hat sich jetzt geändert. Wir erwarten, dass das bargeldlose Bezahlen einen deutlichen Schub erhält, wenn wir einen einfachen einheitlichen Weg für das Bezahlen von Kleinbeträgen etablieren. Dann wechseln auch Barzahler auf dieses Variante.

Warum rechnen Sie damit, dass das Projekt Girocard kontaktlos eine Türöffnerfunktion haben kann?

Das System ist einfach, sicher und bequem. Die Karte ist breit gestreut, jeder Bankkunde hat sie. Ganz wichtig ist, dass die Kunden bereits Vertrauen aufgebaut haben, denn es stehen dieselben Institute dahinter. Für den Händler machen die erwähnten gesunkenen Gebühren die Kartenzahlung attraktiv. Er bietet seinem Kunden eine zusätzliche Dienstleistung an, erhält sicher sein Geld und spart parallel bei der Bargeldlogistik.

Edeka testet an anderen Orten auch die Bezahlung per Smartphone mit der Edeka App. Können Sie aus diesen Erfahrungen für Ihr Pilotprojekt Rückschlüsse ziehen über die Bereitschaft der Kunden, ihr Nutzerverhalten zu ändern?

Das ist schwierig. Die generelle Zurückhaltung, in Deutschland per Handy zu bezahlen, hat meiner Einschätzung nach vor allem damit zu tun, dass die Standardisierung des Bezahlvorgangs noch nicht weit genug fortgeschritten ist. Zudem sind die verschiedenen Schritte wie Registrierung, Code-Eingabe und stabile WLAN-Verbindung eine Hürde, die diesen Weg für Kleinbeträge uninteressant macht.

Was ist für Sie der nächste Schritt?

Wenn unsere Händler positive Erfahrungen machen, könnte die Akzeptanz kontaktloser Kreditkarten der nächste Schritt sein. Zwar werden nur zwei Prozent der Umsätze darüber getätigt, doch die Deckelung der Gebühren einerseits und das einfache und sichere kontaktlose Verfahren für Kleinbeträge andererseits können diesen Anteil mittelfristig verändern. Ein Serviceangebot wäre es in jedem Fall.

Interview: Iki Kühn

Mehr dazu in der nächsten Ausgabe von Der Handel, die am 6. Oktober erscheint.