Die Edekabank hat mit Volks- und Raiffeisenbanken und den Sparkassen individuelle Gebühren für die Akzeptanz von EC-Karten vereinbart. Damit ist das Gebührenkartell der Banken auch im Handel gebrochen.

Die Edekabank hat mit den Volks- und Raiffeisenbanken sowie den Sparkassen gruppeneigene Gebühren für die Akzeptanz von EC-Karten (offiziell: Girocard) vereinbart. Einen entsprechenden Bericht der Lebensmittel Zeitung (Freitagsausgabe) bestätigte der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) gegenüber derhandel.de.

Der größte deutsche Lebensmittelhändler zahlt danach künftig nicht mehr die seit Einführung des EC-Cash-Systems im Jahr 1989 gültige Gebühr von 0,3 Prozent vom Kartenumsatz (mindestens 8 Cent).

Edeka zahlt künftig "marktübliches Niveau"

Zur Höhe der Gebühren für die garantierten Kartenzahlungen im PIN-Verfahren bei Edeka machte der BVR keine Angaben, sie sollen sich aber auf dem "marktüblichen Niveau" bewegen.

Edeka wird daher vermutlich - ähnlich wie bereits in der Mineralölwirtschaft üblich - lediglich 0,2 Prozent vom Kartenumsatz (mindestens 1 Cent pro Transaktion) bezahlen.

Die Mineralölgesellschaften spalteten bereits im vergangenen Jahr die im Zentralen Kreditausschuss (ZKA) organisierten deutschen Banken, die unter Duldung des Kartellamts bislang einseitig die Kartengebühren für das EC-Cash-System festlegten.

Die Sparkassen und der genossenschaftliche Finanzverbund - als die größten Kartenherausgeber - kamen den Tankstellenbetreibern Anfang 2010 mit einer rückwirkenden Gebührensenkung entgegen, um ein weiteres Abwandern zum ELV-Verfahren zu vermeiden. Dagegen verweigerten die Privatbanken eine Absenkung der ohnehin seit jeher privilegierten Kartengebühren im Tankstellen-Bereich.

Dammbruch im Debitkartenmarkt

Der Verhandlungserfolg der Edekabank wird nun vermutlich einen Dammbruch auslösen, dessen Konsequenzen für das deutsche Debitkartenverfahren noch nicht absehbar sind.

Zum einen werden andere Großunternehmen aus dem Handel dem Beispiel der Hamburger schnell folgen und ebenfalls individuelle Gebühren mit den Bankverbänden beziehungsweise einzelnen Instituten aushandeln.

Zum anderen droht die bislang vom ZKA gemeinsam formulierte Debitkartenpolitik der deutschen Kreditwirtschaft aufgrund von unterschiedlichen Interessen der einzelnen Bankverbände ein Ende zu finden.

Dieser Zersetzungsprozess wurde bereits durch die SEPA-Initiative der EU-Kommission eingeleitet, nunmehr dürfte er sich beschleunigen - mit unklaren Folgen etwa für die Themen Akzeptanz, Sicherheit sowie einheitliche technische Standards.

Das Drängen der Kartellbehörden

Das Bundeskartellamt drängt die Banken seit Monaten mit Nachdruck zu individuellen Vereinbarungen bei den Kartengebühren. Dem Druck, der letztlich auch von der Brüsseler Wettbewerbskommission ausgeht, gaben weite Teile der deutschen Banken nun zähneknirschend nach.

"Wenn die Gebühren im Debitkartenverfahren die Kosten nicht mehr decken, wird man sich überlegen, ob man vielleicht auf Kreditkarten wechselt oder überhaupt noch Karten herausgibt", warnt ein Bankvertreter allerdings bereits heute. Die Banken behaupten in den Diskussionen über Interbankenentgelte freilich gebetsmühlenartig, mit Kartenzahlungen kaum bis gar kein Geld zu verdienen.

Das EHI Retail Institute in Köln rechnet dagegen vor, dass allein der deutsche Einzelhandel den Banken für EC-Kartenzahlungen mit PIN-Eingabe und Zahlungsgarantie jährlich rund 230 Millionen Euro überweist.