Der private Konsum wird 2010 stagnieren, prognostiziert GfK-Vorstandschef Klaus Wübbenhorst. Die Deutschen halten ihr Geld zusammen, falls die Krise sie doch noch trifft.

Zum dritten Mal in Folge ist die Verbraucherstimmung nun gesunken. Die Botschaft dahinter ist klar: Die Deutschen fürchten sich vor wachsender Arbeitslosigkeit und halten ihr Geld zusammen. Die GfK rechnet damit, dass der private Konsum, der knapp 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht, im Jahr 2010 stagnieren wird und damit als Wachstumsmotor weitgehend ausfällt.

"Es wird keinen Zuwachs geben", sagt GfK-Vorstandschef Klaus Wübbenhorst. "Aber auch keinen gewaltigen Einbruch." Denn die Arbeitslosigkeit wird, da ist sich die Bundesagentur für Arbeit mit den meisten Experten einig, längst nicht so stark ansteigen, wie man das noch vor einigen Monaten befürchtet hat.

Arbeitsmarkt bemerkenswert krisenfest

Bisher hat sich der Arbeitsmarkt als krisenresistent erwiesen und die Voraussetzung dafür geschaffen, dass der Konsum mit einem Zuwachs von 0,5 Prozent in diesem Jahr zur Stütze der Konjunktur werden konnte. "Im Vergleich zu 2008 liegen auch jetzt noch alle Indikatoren deutlich höher", rechnet Wübbenhorst vor. So erreicht die Konsumneigung, die die Bereitschaft der Verbraucher zu teuren Anschaffungen misst, im Dezember immerhin noch 21,2 Punkte - vor einem Jahr dümpelte sie bei minus 6,3 Punkten.

Im europäischen Vergleich stehen die Deutschen damit relativ gut da. In England, Frankreich und Spanien etwa ist die Kauflaune nach Erkenntnissen der GfK schlechter. Doch Konsum hat viel mit Psychologie zu tun. Wenn, wie die IG Metall befürchtet, 2010 mehrere hunderttausend Jobs in der Metall- und Elektroindustrie wegfallen sollten, so kann dies die Angst vor Arbeitslosigkeit weit über den Kreis der tatsächlich Betroffenen hinaus schüren.

Die Leute bleiben daheim

Schon jetzt gibt es Warnsignale: Die Sparneigung ist zuletzt deutlich gestiegen. "Die Leute werden vorsichtiger", sagt der Wübbenhorst. Im Trend ist das, was neudeutsch "Homing" oder "Cocooning" heißt - also die Konzentration auf das eigene Zuhause, geleitet vom Wunsch nach Geborgenheit und einem sicheren Rückzugsort in der Krise.

Davon versprechen sich die "Homer" auch handfeste finanzielle Vorteile - es ist eben billiger, daheim zu kochen als sich im Restaurant bedienen zu lassen. "Edeka statt Ibiza" - so umschreibt der Nürnberger Konsumforscher diesen Trend, von dem die Anbieter rund ums Wohnen, die Lebensmittelmärkte oder die Hersteller von Unterhaltungselektronik profitieren dürften.

Für die Politik wird es nach Einschätzung der GfK 2010 darauf ankommen, die finanzielle Belastung der Privathaushalte nicht weiter ansteigen zu lassen. Die zum Jahresende beschlossenen Steuerentlastungen seien dafür ein wichtiges Signal, meint Wübbenhorst: Die Erhöhung des Kinderfreibetrags und des monatlichen Kindergeldes komme den Familien ebenso zugute wie die steuerliche Absetzbarkeit der Krankenversicherungsbeiträge.

Stephan Maurer, dpa