Die Personalie wäre ein Paukenschlag: Laut einem Agenturbericht hat der ehemalige Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick Chancen auf den Haniel-Chefsessel.   

Beim Duisburger Familienkonzern Haniel hat die lange Suche nach einem geeigneten Chef womöglich bald ein Ende. Der Aufsichtsratsvorsitzende Franz Markus Haniel habe für diesen Freitag zu einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung geladen, hieß es am Dienstag nach Informationen der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX aus dem Umfeld der Familie.

Zwei Anwärter auf den Haniel-Vorstandsvorsitz

"Kreisen zufolge gibt es zwei Kandidaten für den Chefsessel bei Haniel: Neben dem erst kürzlich ausgeschiedenen Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick soll es noch einen Manager aus der dritten oder vierten Reihe geben", berichtet die Nachrichtenagentur. Eine Haniel-Sprecherin wollte die Informationen auf Anfrage von dpa nicht bestätigen.

Einziger Tagesordnungspunkt für die Sitzung am Freitag sei "Vorstandsangelegenheiten", hieß es. Daraus lasse sich schließen, dass ein Nachfolger für den Haniel-Chef Eckhard Cordes endlich gefunden worden sei. Cordes steht derzeit in Personalunion gleichzeitig an der Spitze des Düsseldorfer Metro-Konzerns. In der Vergangenheit hatte Cordes immer häufiger betont, sich verstärkt um Metro kümmern zu wollen.

Der Zeitpunkt des Aufsichtsratstreffens komme aber überraschend, hieß es weiter. Denn noch bei der Führungskräfte-Tagung vor einer Woche sei kein Wort über einen möglichen Nachfolger für Cordes gefallen. Es gebe schon seit längerem Streitigkeiten innerhalb der Familie. Daher sei es schwierig, sich auf eine Personalie zu einigen.

"Das nehme ich ihm persönlich übel"

Das ausgerechnet der ehemalige Vorstandstandsvorsitzende der Arcandor AG Karl-Gerhard Eick im Zusammenhang mit dieser Personalie genannt wird, überrascht, da die Atmosphäre zwischen Metro-Chef Cordes und Eick nach den taktischen Manövern um den staatlichen Rettungskredit für den Essener Konzern nachhaltig gestört sein dürfte.

Cordes hatte in einem Brief an Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg eine "privatwirtschaftliche Lösung" für Karstadt ins Spiel gebracht, nämlich eine Übernahme von 60 Standorten durch die Metro-Tochter Kaufhof. Damit waren die Bemühungen von Eick um einen staatlichen Rettungskredit für Arcandor in der Öffentlichkeit diskreditiert und scheiterten schließlich.
 
"Das nehme ich im persönlich übel", sagte Eick in der jüngst über das Manöver von Cordes. Gute Voraussetzungen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Metro-Chef Cordes und dem angeblich designierten Vorstand von Metro-Großaktionär Haniel sind dies wohl nicht.
 
Eick war von 1993 bis 1998 als Finanzvorstand beim zum Haniel-Konzern gehörigen Pharmagroßhändler Gehe (heute: Celesio AG) tätig und wechselte später in den Vorstand des Duisburger Familienunternehmens, wo er bis zu seinem Wechsel zur Deutschen Telekom für die Bereiche Controlling, Betriebswirtschaft und EDV zuständig war.

Nach Informationen der Financial Times Deutschland (FTD) soll auch Jürgen Kluge, ehemaliger Deutschlandchef der Unternehmensberatung McKinsey, für den Chefsessel bei Haniel im Gespräch sein.

dpa, DH