Kurz vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens über die Arcandor AG sorgen die Managerabfindungen für hitzige Debatten. Unternehmens-Chef Eick rechtfertigt sich.

Die "Bild"-Zeitung brachte es am Samstag mal wieder auf ihre ganz eigene Weise auf den Punkt: "80.000 Euro für jeden Tag Arbeit", erzürnte sich das Boulevardblatt über die 15 Millionen Euro Abfindung, die sich Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick vertraglich von der Privatbank Sal. Oppenheim für sein kurzes Gastspiel beim Essener Handels- und Touristikkonsernz gesichert hat.

Eick wehrte sich am Sonnatg gegen Kritik an dem goldenen Fallschirm, der ihn bei seinem voraussichtlichen Abgang nach der Insolvenz des Unternehmens auffangen wird. "Ich komme aus einfachen Verhältnissen und weiß, dass 15 Millionen Euro sehr viel Geld ist - auch für mich", sagte er der "Bild am Sonntag". Eine Diskussion darüber werde es geben, und "ich kann und will sie auch nicht verhindern".

Dienstag wohl als letzter Arbeitstag

Der Vorstandsvorsitzende des krisengeschüttelten Handels- und Tourismuskonzerns könnte das Unternehmen bereits in der kommenden Woche verlassen, wenn voraussichtlich, morgen, Dienstag, die Insolvenzverfahren für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften eröffnet werden. Die Millionen-Abfindung stößt bei den Betriebsräten von Karstadt und Quelle auf scharfe Kritik.

"Ich habe meine Bezüge immer sehr transparent offengelegt und gesagt, dass ich lieber hart und mit Herzblut arbeiten und nicht vorzeitig aufhören möchte", sagte Eick der Zeitung. Zum genauen Zeitpunkt seines Arbeitsendes bei Arcandor (ehemals KarstadtQuelle) erklärte er: "Wenn am Dienstag der Insolvenzverwalter vom Gericht bestellt wird, werde ich ihn fragen, ob er mich noch braucht." Um seinen Schreibtisch zu räumen, brauche er zehn Minuten, sagte er.

Der ehemalige Telekom-Manager hatte erst vor rund einem halben Jahr den Arcandor-Chefposten von Thomas Middelhoff übernommen. Nachdem der Konzern bereits tief in der Krise war, hatte Eick mit seinen Versuchen, doch noch einen großen Investor zu finden, keinen Erfolg gehabt. Er bekam auch weder Staatshilfe noch Notkredite durch.

Ursachen liegen in der Vergangenheit

Dass er Verantwortung für die Insolvenz trage, bestreitet Eick: "Das weise ich mit allem Respekt zurück. Ich war keine sechs Monate operativ tätig und in so einer kurzen Zeit kann man keinen Konzern in eine lebensbedrohliche Schieflage bringen. Viele der Ursachen liegen in der Vergangenheit", sagte er der "BamS".

Arcandor hatte bereits Anfang Juni Insolvenzantrag zunächst für die Arcandor AG sowie die Töchter Karstadt Warenhaus GmbH, die Primondo GmbH und die Quelle GmbH gestellt. Damit bangten 43.000 Beschäftigte um ihren Arbeitsplatz. Das Essener Amtsgericht wird nun voraussichtlich für vierzig Gesellschaften das Insolvenzverfahren eröffnen.

Arbeitnehmervertreter mit wenig Verständnis

Scharfe Kritik erntet Eick von den Arbeitnehmervertretern, denen vor allem seine hohe Abfindung aufstößt: "Ich habe dafür kein Verständnis und kann den Frust vieler Angestellter darüber verstehen", sagte Hellmut Patzelt, Konzernbetriebsrat bei Arcandor, der "BamS". Die Kollegen hätten harte finanzielle Einschnitte hinter und vielleicht noch vor sich. "Wir befürchten im Kaufhausbereich Lohnkürzungen bis zu 12 Prozent, die tun jeder Verkäuferin weh."

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Quelle-Betriebsrats Ernst Sindel: "Für uns ist nur schwer verständlich, dass Herr Eick eine so hohe Summe bekommt. Schließlich ist er als Manager gescheitert. Er wollte und sollte KarstadtQuelle retten. Für das Scheitern sollte man grundsätzlich nicht belohnt werden."

Mit Garantie

Eick hat sich für den Fall einer Insolvenz gut abgesichert. Die Gesellschafter der Privatbank Sal. Oppenheim - Großaktionär von Arcandor - haben ihm für seinen insgesamt über fünf Jahre laufenden Vertrag die Summe von 10 bis 15 Millionen Euro garantiert.

Die Garantie enthält laut dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", dass Eick auch im Falle einer Insolvenz in den nächsten fünf Jahren jeweils drei Millionen Euro erhalten werde. Laut "BamS" sind darin mögliche Sonder-Boni von jeweils einer Millionen Euro pro Jahr enthalten.

Eick legte der Zeitung zufolge Wert darauf, dass dem Konzern keinen Schaden entsteht: "Durch diesen Vertrag wird Arcandor kein Vermögen entzogen. Denn die Summe solll nicht Arcandor, sondern Großaktionär Sal. Oppenheim zahlen."

Eick glaubt an eigenständige Lösung für Karstadt

Dem "Spiegel" zufolge glaubt der scheidende Arcandor-Chef, dass die angeschlagene Warenhauskette Karstadt auch nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens als eigenständiges Unternehmen erhalten werden kann.

"Man kann Karstadt rentabel betreiben, davon bin ich zutiefst überzeugt", sagte Eick. Dazu sei es aber notwendig, sich von unrentablen Häusern zu trennen und weitere Einsparpotenziale zu heben.

Skepsis bei Fusion mit Kaufhof

Eine Fusion mit Kaufhof hält Eick dagegen für "nicht zwingend notwendig". Auch die Versandhandelsgruppe Primondo, zu der Quelle gehört, habe gute Chancen zu überleben. Durch die Insolvenz könnten Sanierungsmaßnahmen nun wesentlich zügiger und günstiger umgesetzt werden.

Eick bedauert, dass er sein Versprechen, Arcandor als Ganzes zu erhalten, nicht eingelöst habe: "Uns fehlten auf die nächsten fünf Jahre gesehen rund hundert Millionen Euro von den Eigentümern, um den Konzern auf gesunde Beine zu stellen." Dazu seien aber weder die Familie Schickedanz noch das Bankhaus Sal. Oppenheim willens oder in der Lage gewesen.
, DH